"Die drei Musketiere"? War er dabei. "Resturlaub"? War er dabei. "Die Seelen im Feuer"? War er dabei.
Wenn in Bamberg in den vergangenen Jahren ein Film gedreht wurde, kann man sich sicher sein: Alexander Schimkus war dabei. Nicht vor der Kamera, auch nicht unmittelbar dahinter. Er arbeitet weit im Hintergrund. Sein Job ist es, die richtige Kulisse im richtigen Zustand zu finden, damit zum Beispiel in dem Historienstreifen "Die drei Musketiere", der in der Alten Hofhaltung und am Alten Rathaus gedreht wurde, nicht plötzlich ein Auto aus der Moderne auftaucht. Das wäre blöd. Soll aber alles schon vorgekommen sein.

Immer freundlich, immer offen
Alexander Schimkus ist freier Aufnahmeleiter beim Film. Wenn eine Produktionsfirma in Bamberg drehen will, geht es meist nur mit Schimkus. Er kennt schließlich die Gegend hier am besten.
Der 40-Jährige sucht geeignete Orte aus, an denen gedreht werden kann. Er schaut sich um, macht Bilder von Straßenecken, die geeignet scheinen. Für den Film "Resturlaub" hat er die Motive beispielsweise komplett selbst ausgesucht. Michelsberg, Schlenkerla, Pfahlplätzchen. Die Vorschläge gehen an die Produktionsfirmen. Die sagen letztlich, was sie wollen.

Schimkus - Kapuzenpullover, Daunenweste - bewegt sich lässig durch Bamberg. Ursprünglich kommt er vom Chiemsee. Doch hier im Fränkischen fühlt er sich inzwischen zu Hause. Er flaniert. Das ist für ihn auch das Lebensgefühl der Bamberger: Auf der Straße in der Innenstadt spielt sich das Leben ab.

Immer freundlich, immer offen: "Nett muss man sein." Schimkus grüßt beim Alten Rathaus mal den, mal den. Kontakte hat er jede Menge. So muss es sein. Sein Job bringt es mit sich, dass er auch an jeder Ecke in Bamberg ein kleines Anekdötchen zum besten geben kann. Er erzählt dann, wie oben in der Alten Hofhaltung bei der ZDF-Produktion "Seelen im Feuer", die hier in diesem Jahr gedreht wurde, der Feueralarm losgegangen ist. Künstlicher Rauch verträgt sich manchmal nicht mit altem Gemäuer. Die Vorschriften sind streng. Schimkus ist dazu da, dass die Filmteams hier in Bamberg keinen "Scherbenhaufen" hinterlassen. Er spricht mit der Pressestelle der Stadt ab, wo gedreht werden darf, beantragt Parkplätze für die Lkw der Produktionen. Eine endgültige Drehgenehmigung erteilt das Straßenverkehrsamt, für das Schimkus viel Lob hat: "Die Zusammenarbeit ist klasse!"

Ein stressiges Jahr
Es soll harmonisch ablaufen. Da er selbst hier lebt, will er, dass es auch für die Anwohner erträglich ist. Er informiert vor Drehbeginn per Handzettel, wie lange und wo genau gefilmt wird. Das hat sich bewährt: "Wenn die Leute informiert sind, sind sie viel gelassener."

Einfach ist das nicht immer, 2010 war so ein Jahr. Zuerst wurde "Resturlaub" nach dem Buch von Tommy Jaud gedreht. Dann kam die Sandkerwa. Wenige Tage später musste er die Anwohner in der Sandstraße schon wieder informieren, dass nun "Die drei Musketiere" an der Reihe sind. Dann wollte die Filmcrew, dass die Leute die Lichter in ihren Häusern ausmachen. Die Stadt sollte die Laternen vor der Oberen Rathausbrücke abschrauben. Schließlich gab es im Paris des frühen 18. Jahrhunderts kein künstliches Licht. Schimkus dachte zuerst: die spinnen. Es ging dann doch alles. Die Lichter waren aus. Hollywood konnte drehen.

"Ist alles gut?", fragt Schimkus in der Teegießerei am Pfahlplätzchen nach. Hat gepasst, heißt es dort. An dem Platz haben die jüngsten Dreharbeiten im Dezember stattgefunden. Ein Werbefilm für den "Disney Channel" wurde gedreht. Mitten in der Nacht. Schimkus war wieder dabei. Er ermahnt dann die feiernden Passanten, dass sie leiser sein sollen. Kümmert sich am nächsten Filmset darum, dass wieder alles passt, dass Autos weg sind, dass die Leute später nicht durchs Bild latschen.

Er ist dabei
Am Eckhaus in der Judenstraße bleibt Schimkus stehen. Hier hat für ihn alles vor 13 Jahren angefangen. "Damals war ich noch Tontechniker beim Film." Im Herbst 2000 wurde in dem Haus der erste Teil des Sams gedreht. Schimkus war dabei. Als Angestellter einer Produktionsfirma. Eine Woche vor Drehschluss hat er sich dann in eine Frau verliebt. Die Beziehung hielt nicht lange, die Liebe zu Bamberg blieb.

Inzwischen betreibt er den Mojow-Club in der Innenstadt - seinem Haupterwerb. Das Filmding ist seine Leidenschaft. Durch seine Kontakte in die Branche kam er zu seinem Job als Aufnahmeleiter. Er freut sich darüber, dass Bamberg immer mehr von Filmschaffenden entdeckt wird, er will aber auch, dass die Menschen hier nicht genervt sind. Deshalb: zu viele Filme dürften es im Jahr nicht sein. Doch seine Erfahrungen sind positiv: "Die meisten sind schon eher stolz, wenn Bamberg im Film vorkommt."

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der 40-Jährige mal Lust auf eine fränkische Fernsehserie hätte. Eine Serie, die das Lebensgefühl von Bamberg widerspiegelt. "Das wär' schon mein Traum." Alexander Schimkus stünde dann zwar nicht vor der Kamera, er wäre aber sicher irgendwo im Hintergrund tätig - er ist schließlich immer dabei.