Verblasst ist das Rot, auf dem der goldene Schriftzug "Männer-Turn-Verein Bamberg" prangt. Brüchig der Stoff, durch den sich feine Risse ziehen. Ja, die Zeit ging an der alten Fahne nicht spurlos vorüber, die das Ende der Monarchie, der Weimarer Demokratie und endlich auch der Diktatur erlebte, die Deutschland in Schutt und Asche legte. Zwei Weltkriege überstand das einst so prachtvolle Banner, das nach 123 Jahren im sprichwörtlichen Sinn die Flagge streicht. So feierten 130 geladene Gäste zum 130-jährigen Bestehen des MTV eine exakte Nachbildung, während das Original ins Archiv wanderte. Dabei weiß das alte Banner faszinierende Geschichten zu erzählen: Von einer revolutionären Flagge, die man vor der Polizei in einem Kamin verbarg, und einer Einweihungsfeier, die in einem peinlichen Eklat mündete.

Die Wände voller Bilder, die die Kaiserzeit aufleben lassen. Mappen mit Zeitungsartikeln, die vier Generationen zurückreichen. Dank Peter Röckelein sind im Vereinsheim die Anfänge des MTV omnipräsent. Bis zurück zu jenem Herbsttag, an dem 15 "Stehkragenturner" 1882 den Männerturnverein gründeten. Denn so titulierten Spötter die Pioniere der gehobenen Bamberger Gesellschaft. Sieben Jahre sollten indes vergehen, bis die erste eigene Fahne die prosperierende Gemeinschaft bei allen Turnfesten begleitete.