Busfahrer-Ärger: Stadtwerke Bamberg entschuldigen sich bei Rollstuhlfahrer "in aller Form"

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Bamberg: Rollstuhlfahrer wird Bus-Mitfahrt verweigert - ohne Begründung
Ein Busfahrer der Stadtwerke Bamberg ließ Filipe Costa wegen seines Rollstuhles nicht mitfahren.
Bamberg: Rollstuhlfahrer wird Bus-Mitfahrt verweigert - ohne Begründung
Filipe Costa; Ralf Welz/inFranken.de (Archivbild); Collage: inFranken.de

Ein Bamberger Rollstuhlfahrer hat eine unangenehme Situation mit einem Busfahrer erlebt. Die Stadtwerke Bamberg bitten um Entschuldigung.

Filipe Costa sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl. Auf seinem Social-Media-Account "Bamberger Stadtgeflüster" gibt er regelmäßig Einblicke in das Alltagsleben mit körperlicher Einschränkung. Dort hat er kürzlich ein Video zu einem Vorfall gepostet, bei dem er nach eigener Aussage "mal wieder nur mit dem Kopf schütteln kann". 

Ein Busfahrer habe ihn im Bamberger Nahverkehr ohne triftigen Grund von der Mitfahrt ausgeschlossen, erzählt er darin. inFranken.de hat mit Costa über das Geschehen gesprochen und die Stadtwerke um eine Stellungnahme gebeten. In einem Artikel über Alltagsdiskriminierung in Bamberg ist der Rollstuhlfahrer - gemeinsam mit vielen weiteren Menschen mit Behinderung - ebenfalls auf seine persönlichen Erfahrungen (Plus-Angebot) eingegangen.

"Sehr diskriminierend": Bamberger Busfahrer verweigert Rollstuhlfahrer die Mitnahme

Der Vorfall ereignete sich bereits am 9. Juni, wie Costa berichtet. Der Bamberger Rollstuhlfahrer schildert den Hergang so: Er habe mit dem Bus von Gaustadt nach Bamberg fahren wollen, doch der Busfahrer habe ihm die Mitnahme verweigert. Als Begründung habe dieser auf einen fehlenden Aufkleber an Costas E-Rollstuhl verwiesen, der angeblich für die Beförderung vorgeschrieben sei. Costa klärte den Fahrer daraufhin auf, dass ein solcher Aufkleber ausschließlich für vierrädrige Elektroscooter erforderlich sei - wie sie häufig von Senioren genutzt werden.

Obwohl Costa mit seinem Einwurf richtig lag, zeigte sich der Mitarbeiter der Stadtwerke ihm zufolge unbeeindruckt und ging auf das Argument nicht weiter ein. "Er konnte mir nicht mal sagen, wie der Aufkleber aussieht, aber mitnehmen wollte er mich ohne ihn nicht", erinnert sich der Bamberger im Gespräch mit inFranken.de. "Er hat außerdem gesagt, dass ich wegen meines Gewichts die Rampe zum Bus sowieso nicht nutzen könnte." Als Costa den Fahrer nach eigenen Angaben darauf hinwies, dass es bei seinen bisherigen Busfahrten nie Probleme gegeben habe, und ihn bat, die Schwerbehindertenbeauftragte anzurufen, sei der Fahrer erneut nicht darauf eingegangen.

Auch für eine formelle Beschwerde habe der Fahrer sich geweigert, seinen Namen zu nennen, berichtet der Bamberger. Dazu komme, dass Costa dieselbe Situation schon einmal mit dem gleichen Busfahrer gehabt habe: "Damals habe ich mich beschwert und eine schriftliche Bestätigung zur Transportierung angefordert. Diese wurde mir aber nicht ausgestellt, aus Gründen der Gleichberechtigung anderer Fahrgäste." Auch diesmal reichte der Rollstuhlfahrer Beschwerde ein, da er die Situation als "sehr diskriminierend" empfunden habe.

"Kann doch nicht wahr sein": Betroffener beschwert sich bei Bamberger Stadtwerken

Filipe Costa erklärt, er habe sich benachteiligt gefühlt: "Ich finde es eine Diskriminierung, vor allem, wenn man auf den Bus angewiesen ist". In der Situation selbst sei er erst einmal perplex gewesen: "Ich dachte mir, es kann doch nicht wahr sein, dass ich nicht mitgenommen werde." Als er sich mit seinem Anliegen an die Schwerbehindertenbeauftragte wandte, habe ihm diese ebenfalls nicht sagen können, warum er nicht mitgenommen wurde. Der Betroffene schrieb also erneut eine Beschwerde an die Bamberger Stadtwerke.

Die Stadtwerke äußerten sich dazu gegenüber inFranken.de wie folgt: "Nachdem der Fahrgast uns auf den Fehler aufmerksam gemacht hat, haben wir am 17. Juni, unverzüglich nach Klärung der Situation, mit Herrn Costa Kontakt aufgenommen. Wir haben uns bei Herrn Costa in aller Form für den Fehler entschuldigt." Dem Betroffenen reichte diese Entschuldigung jedoch nicht aus: Er fühlte sich nicht ernst genommen.

Er wünsche sich eine verbindliche Zusage, künftig befördert zu werden. Denn auch wenn er derzeit wegen des guten Wetters viele Wege mit seinem E‑Rollstuhl zurücklegen könne, sei er weiterhin auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. "Die Monatskarte ist wie ein Lottospiel für mich, weil ich nicht weiß, ob ich überhaupt mitgenommen werde", erklärt der Bamberger. Das mache den Alltag erheblich komplizierter, da bei wichtigen Terminen immer vorausgeplant werden müsse, um möglichen Problemen entgegenzuwirken. 

Stadtwerke räumen Fehler ein: "Hätte mitgenommen werden müssen"

Gegenüber der Redaktion gestehen die Stadtwerke ein: "In dem vorliegenden Fall handelt es sich tatsächlich um einen Fehler unseres Fahrers. Herr Costa hätte selbstverständlich mit seinem Gefährt mitgenommen werden müssen. Es tut uns außerordentlich leid, dass es zu dieser Fehleinschätzung gekommen ist." Um solch eine Situation zukünftig zu vermeiden, sei der betroffene Fahrer nochmals intensiv zu den Mitnahmebedingungen geschult worden, heißt es weiter. 

Diese Schulungen, in denen Busfahrer darüber aufgeklärt werden, wer mitgenommen werden kann und wer nicht, gibt es bereits. In Bezug auf Menschen mit Behinderung werden diese Veranstaltungen von der Schwerbehindertenbeauftragten der Stadt Bamberg, Nicole Orf, durchgeführt. In ihrem Statement schreiben die Stadtwerke, dass sie in ständigem Austausch mit ihr seien, um das Personal auf Bedürfnisse der Fahrgäste mit Behinderungen aufmerksam zu machen.

Obendrein habe man den Vorfall zum Anlass genommen, alle Fahrer erneut zu sensibilisieren und "den Unterschied eines E-Rollstuhls und eines 4-rädrigen E-Scooters" darzustellen. Im Mai hatte indessen ein Vorfall mit einem Bus der Stadtwerke Bamberg für bundesweites Aufsehen gesorgt: Ein Fahrer hatte einen Passagier ans Steuer gelassen. Weitere Nachrichten aus Bamberg und der Umgebung liest du in unserem Lokalressort.