Lotto-Jackpot endlich geknackt: So unwahrscheinlich war die Pechsträhne

Seit dem Start der Lotterie im Oktober 1955 hat es noch nie so lange gedauert, bis die sechs Richtigen plus Superzahl getippt wurden. Ein Mathematik-Professor erklärt, wieso das so ungewöhnlich ist.

Seit Ende März hat niemand beim Lotto-Spiel "6 aus 49" die sechs richtigen Gewinnzahlen plus Superzahl getippt - ein Rekord. Nun wurde der Lotto-Jackpot mit der Maximalhöhe von 50 Millionen Euro in Thüringen geknackt. Das sagte ein Sprecher der Bremer Toto und Lotto GmbH der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben der Thüringer Staatslotterie tippte eine Einzelperson bei der jüngsten Ziehung am vergangenen Samstag beim Spiel "6aus49" die sechs richtigen Gewinnzahlen plus Superzahl. Es gab jedoch keine Angaben zum Geschlecht oder Alter des Glückspilzes. Die richtigen Zahlen zum Millionen-Gewinn lauteten 7 - 13 - 24 - 26 - 32 - 45 sowie die passende Superzahl 5. Seit dem Start der Lotterie im Oktober 1955 hat es noch nie so lange gedauert, bis die sechs Richtigen plus Superzahl getippt wurden. Zuletzt gewann am 25. März 2026 eine Person aus Bayern den Jackpot. 

Lotto-Jackpot nach 40 Ziehungen nicht geknackt: Steigen dadurch die Gewinnchancen?

Doch wie ungewöhnlich ist diese Serie – und wie wahrscheinlich war es, dass der Jackpot bei dieser Ziehung geknackt wurde?

Mathematik-Professor Christian Hesse vom Institut für Stochastik und Anwendungen der Universität Stuttgart hat die Wahrscheinlichkeit der aktuellen Jackpot-Serie berechnet. Sein Ergebnis: 40 Ziehungen ohne Lotto-Jackpot sind ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 24.000. Das sei ungefähr so selten, wie 15-mal hintereinander bei einem Münzwurf Kopf zu erhalten.

Bei seiner Berechnung berücksichtigt Hesse, dass an Mittwochen und Samstagen unterschiedlich viele Lotto-Tipps abgegeben werden. Aus den Spieleinsätzen ergibt sich bei einem Tipp-Preis von 1,20 Euro und dem von der Lotto-Gesellschaft veröffentlichten Umsatz eine Größenordnung von rund 27,5 Millionen Tipps am Mittwoch und etwa 43 Millionen Tipps am Samstag.

So errechnet der Mathematik-Professor die Lotto-Wahrscheinlichkeiten

Die Jackpot-Chance eines einzelnen Lotto-Tipps liegt bei 1 zu 139.838.160. Daraus ergibt sich für eine einzelne Ziehung folgende Wahrscheinlichkeit, dass der Jackpot nicht geknackt wird:

  • Mittwoch: Wahrscheinlichkeit, dass der Jackpot nicht geknackt wird: 82,15 Prozent
  • Samstag: Wahrscheinlichkeit, dass der Jackpot nicht geknackt wird: 73,53 Prozent

Da die aktuelle Serie aus 20 Mittwochs- und 20 Samstagsziehungen bestand, lautete seine Rechnung:

82,15 % × 82,15 % × ...  20-mal × 73,53 % × 73,53 % × ...  20-mal

"Oder kurz: 0,8215 hoch 20 × 0,7353 hoch 20 = 0,0000418. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 1 zu 24.000", sagt der Mathematik-Professor.

Wie selten ist das? "Ein guter Vergleich aus dem Alltag ist eine Münze", sagt Hesse: Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Münze 15-mal hintereinander Kopf zu werfen, beträgt ihm zufolge 1 zu 32.768. "Die aktuelle Lotto-Serie ist also ungefähr so selten wie 15-mal hintereinander Kopf – sogar etwas wahrscheinlicher", erklärt der Mathematik-Professor.

Eine andere Veranschaulichung von ihm: 24.000 Ein-Euro-Münzen hintereinandergelegt ergeben eine Kette von etwa 558 Metern. Nur eine von diesen 24.000 Münzen sei auf der Rückseite markiert. "Wenn Sie eine Münze zufällig auswählen und dabei auf die markierte treffen, ist ein Ereignis eingetreten, das so unwahrscheinlich ist wie eine jackpotlose Serie der Länge 40", sagt er. 

Was passiert bei 41., 42. oder 43. Lotto-Ziehung ohne Jackpot-Gewinner?

"Weil samstags mehr Tipps gespielt werden, wird eine weitere jackpotlose Samstagsziehung stärker ins Gewicht fallen als eine weitere Mittwochsziehung", sagt Christian Hesse. Wäre der Jackpot am Samstag nicht gefallen, wäre die Wahrscheinlichkeit umso geringer geworden.

Unter den genannten Annahmen ergab sich ihm zufolge folgende Wahrscheinlichkeit:

  • 40 jackpotlose Ziehungen: 1:24.000
  • 41 jackpotlose Ziehungen: 1:32.600
  • 42 jackpotlose Ziehungen: 1:39.600
  • 43 jackpotlose Ziehungen: 1:53.900

"Der Grund für die Sprünge ist der Wechsel der Wochentage. Nach einer weiteren Samstagsziehung wird die Wahrscheinlichkeit der gesamten Serie mit etwa 0,7353 multipliziert; nach einer weiteren Mittwochsziehung mit etwa 0,8215", erklärt er.

Warum die Wahrscheinlichkeit, dass der Lotto-Jackpot geknackt wird, immer gleich bleibt

Nur weil der Jackpot lange nicht geknackt wurde, ist die nächste Ziehung laut dem Mathematik-Professor nicht wahrscheinlicher:  "Das ist statistisch der wichtigste Punkt. Jede Lottoziehung ist unabhängig von den vorherigen Ziehungen. Dass der Jackpot bereits 40-mal nicht geknackt wurde, erhöht deshalb nicht die Wahrscheinlichkeit, dass er bei der nächsten Ziehung geknackt wird", sagt Christian Hesse.

"Nach 40 Ziehungen muss der Jackpot jetzt bald fallen", sei daher eine falsche Annahme - auch wenn es in diesem Fall tatsächlich so passiert ist. "Richtig ist vielmehr: Die bereits eingetretene Serie wird mit jeder weiteren jackpotlosen Ziehung immer unwahrscheinlicher. Die Wahrscheinlichkeit der jeweils nächsten Ziehung bleibt dagegen unverändert", erklärt er.

Besonderheiten des Zufallsprinzips beim Lotto

Die lange Jackpotphase verdeutlicht auch laut Lotto-Bayern-Sprecherin Verena Ober einmal mehr die Besonderheiten des Zufallsprinzips: "Mal wird der Jackpot bereits nach kurzer Zeit geknackt und es gibt manchmal sogar mehrere Gewinner, mal lässt der große Gewinn über viele Ziehungen hinweg auf sich warten", sagt sie.

Beim Spiel "6 aus 49" sind 50 Millionen Euro gesetzlich als Obergrenze festgelegt. Bei einer längeren Phase ohne Gewinnerin oder Gewinner erhöht sich der nächste Einstiegs-Jackpot. Wegen der langen Zeitspanne ohne Hauptgewinn waren jüngst mehr als 121 Millionen Euro im Topf. Damit startet auch der folgende Jackpot direkt mit der Maximalsumme von 50 Millionen Euro. Das gab es in der deutschen Lottogeschichte noch nie - seit über 70 Jahren. che/lmi/dpa

Vorschaubild: © Bernd Weißbrod/dpa