Noch ist es nur die Stechert-Arena, in der am nächsten Freitag die Carmina Burana von Orff zu Gunsten des Himmelsgartens von St. Michael gesungen werden. Doch die Handschrift des Michael Stoschek ist bereits unübersehbar. Für das Konzert mit den Bamberger Symphonikern, eine persönliche Idee des Firmenlenkers, haben Maler, Gärtner und Putzkräfte in dieser Woche den gesamten Eingangsbereich samt Foyer auf Hochglanz gebracht.

Die frische Farbe in der vormals noch mit Werbung aller Art zugepflasterten Halle zeigt, was möglich wäre, wenn es zu einem Geschäft kommt, das dem Grundsatz nach mittlerweileausgehandelt ist. Es geht um das Namensrecht für die Arena, das bekanntlich Ende September dieses Jahres ausläuft. Die Brose-Gruppe, das bestätigte Michael Stoschek in einem exklusiven Gespräch mit unserer Zeitung, wäre bereit über das Engagement als Hauptsponsor des Basketballbetriebs hinaus, für die Halle auch ihren Namen zu stiften und zwar nicht nur für für einen kurzen Zeithorizont, sondern für fünf Jahre.

Technisch und optisch aufrüsten
Doch wer Michael Stoschek und seine Philosophie kennt, weiß. Dieses Angebot bedeutet nicht, dass der alten Arena einfach ein neuer Name übergestülpt wird. Ganz im Gegenteil: Stoschek verlangt von der Stadt im Gegenzug, dass die Immobilie in einen Zustand versetzt wird, der dem technischen und optischen Ausstattungsstandard neuerer Hallen entspricht.

Dem 65-Jährigen, der sich in den letzten Monaten einen Überblick über vergleichbare Immobilien in Deutschland verschafft hat, geht es vor allem um die Akustik, um zeitgemäßen Komfort und eine Gestaltung, die Sponsoren anlockt statt sie abzuschrecken, wie es aus seiner Sicht gegenwärtig in Bamberg der Fall ist. "Diese Halle ist in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr wettbewerbsfähig", sagt Stoschek. Sie tauge nicht mehr für den Euroleague-Betrieb und werde mittelfristig auch bei den Kulturveranstaltungen ein Problem bekommen.

Freilich hat das Gegenmittel seinen Preis. Rund 2,4 Millionen Euro wird es kosten, die lange vermissten Lagerflächen zu schaffen, das Arena-Innere so umzubauen, dass die Klangwirkung auch für anspruchsvolle Konzertveranstalter akzeptabel ist und einen Aufzug für die oben liegenden Räume einzubauen. Auch das Foyer soll umgestaltet und mit einem umlaufenden LCD-Band versehen werden, das einen weniger störenden Auftritt von Werbepartnern möglich macht. Zuletzt die Stühle: Die vorhandenen 6000 Stahl-Klappsessel, nach Expertenmeinung mit ein Grund für die schlechte Klangwirkung, sollen nach dem Willen der Brose-Gruppe Kunststoff-Sitzen weichen, die zudem mehr Bequemlichkeit bieten.

Stoschek hofft auf breite Zustimmung zu seinen Plänen. Der Stadtrat möge sich den Nutzen einer neu ausgebauten Halle für die ganze Region vor Augen halten. Mit 370 000 Besuchern im Jahr sei die Bamberger Arena schon heute der mit Abstand größte Anziehungspunkt Nordbayerns. Und die Stadt habe sie für unter fünf Millionen Euro erworben, zum Schnäppchenpreis wie Stoschek mit Blick auf vergleichbare Städte meint: "In Ulm musste die Stadt 27 Millionen, in Oldenburg 33 Millionen Euro ausgeben. "

Der Stadtrat entscheidet
Doch der Plan ist nur die eine Sache, die andere der Stadtrat. Ob es zu der gewünschten Aufwertung der Halle an der Forchheimer Straße kommt, entscheiden die Bürgervertreter schon bald. Erstmals wird sich der Stadtrat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause damit befassen.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist zuversichtlich, trotz der neuen Kosten eine Mehrheit für die jetzt vorliegende Verhandlungslösung zu finden. Sie ist für ihn der richtige Weg, weil sie die Zukunftsfähigkeit der Halle für Konzertveranstaltung, aber auch für den Basketball sichert, ohne Stadtbau und Stadtwerke als Eigentümer zu überfordern und Mittel für andere Aufgaben abzuziehen.

Wie das geht? Wer dem Stadtoberhaupt die Kostenfrage stellt, erfährt, dass der Ausbau der Halle aus dem Mehrerlös des Namensrechts finanziert werden soll. Neu dabei: Es bietet nach dem häufigen Wechsel in der Vergangenheit erstmals eine langfristige Perspektive auf fünf Jahre mit einer Option auf weitere fünf Jahre. Brose habe sich zudem bereit erklärt, 150 000 Euro mehr für das Namenssponsoring pro Jahr zu bezahlen. Ein "großer Verhandlungserfolg", findet Starke, der sich zudem über gute Nachrichten aus Bayreuth freuen kann. Denn auch die Oberfrankenstiftung habe signalisiert, dass sie für die Sanierung der Halle ihre Schatulle öffnen wird. Für den Ausbau sollen rund 700 000 Euro nach Bamberg fließen.

Freilich weiß man nirgendwo besser als in der Stadtspitze, dass das Geld für das Namensrecht nur ein Bruchteil der Summe ist, um die hinter den Kulissen gerungen wird. Der Erfolg der Brose Baskets im letzten Jahrzehnt war auch deshalb möglich, weil Michael Stoschek sein Engagement als Sponsor von Jahr zu Jahr erweitert hat. Heute ist er nicht nur der mit Abstand größte Förderer der Bamberger Basketballer. Er gilt auch als größter Geldgeber in der Basketball-Bundesliga überhaupt. Nicht auszudenken, würde er sich aus Bamberg verabschieden, etwa weil, wie er immer erklärt hatte, das Hauptsponsoring und das Namensrecht für ihn ein Gesamtpaket darstellen.

OB Starke weiß um die Gratwanderung, zu der die Debatte um die Zukunft der Halle zwingt. Einerseits die Anhänger von Freak City, andererseits die politische Opposition, die mit Argusaugen die Haushaltslage überwacht. Deshalb hofft er, dass es gelingt, Dinge auseinander zu halten, die aus seiner Sicht nichts miteinander zu tun haben: Spekulationen, dass soziale Projekte unter dem neuen Engagement leiden könnten, entbehren laut OB jeder Grundlage. Das Ausbauprogramm für die Bamberger Schulen etwa werde wie geplant Schritt für Schritt realisiert. Gleichzeitig warnt Starke davor, die Bedeutung der Halle an der Forchheimer Straße gegenüber anderen Einrichtungen der Stadt zu unterschätzen: "Sie ist ein unglaublicher Gewinn für die Region."