Die goldenen Jahre sind offenbar vorbei: Im letzten Jahrzehnt spülte die Gewerbesteuer noch Summen von weit über 50 Millionen Euro in die Stadtkasse. Mit dem Geld konnten wichtige Ausgaben wie der Bau dreier Brücken, die Gartenschau und andere Großprojekte finanziert werden.

Heute "stehen die Zeichen eher auf Sturm", sagt Bambergs Kämmerer Bertram Felix mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Stadtfinanzen. Grund: Anders als die Mehrheit der Städte in Bayern erlebt Bamberg derzeit keinen Anstieg, sondern einen Absturz bei den Gewerbesteuereinnahmen. Im ersten Quartal 2013 sank die Summe, die Bamberg von seinen Unternehmen erhält, von 9,5 auf 7,4 Millionen Euro, das entspricht einem Rückgang von 23 Prozent. Immerhin ist Bamberg mit dieser Entwicklung nicht allein: Auch Regensburg und Würzburg müssen massive Verluste gegenüber dem Vorjahr wegstecken.
Hier sank das Fieberthermometer der Einnahmen von 98 auf 53 und von 23 auf zehn Millionen Euro.

Freilich gibt es auch Gegenbeispiele - und sie sind nicht einmal selten: Glückliches Ingolstadt, wo die Geschäfte bei Audi die Einnahmen im ersten Quartal von 34 auf 124 Millionen Euro förmlich explodieren ließen. Auch München hat es besser: Hier erfreut man sich einer Zunahme um 185 Millionen Euro.
Woher kommt der Abschwung in Bamberg, mitten in einer Zeit, in der der deutsche Außenhandel boomt und sich die Beschäftigungslage als robust erweist? Die Antwort fällt nicht schwer: Bamberg spürt die schwierige Geschäftslage bei Bosch hautnah. Auch die Energiewende kostet Bamberg Millionen. Eon, bisher einer der größten Geldgeber, musste sein Hochspannungsnetz verkaufen. Folge: Der Konzern zahlt heute längst nicht mehr so viel wie früher in die Stadtkasse.

Eine Trendwende: Heute lebt die Stadt weniger von Großunternehmen als vom Mittelstand. Käme es auch dort zu Einbrüchen, hätte das gewiss schmerzhafte Auswirkungen. Zum Beispiel das städtische Personal, größter Kostenblock im Haushalt, der schon wegen der absoluten Höhe unter besonderer Beobachtung steht. "Das kann doch nicht unser Ernst sein, dass wir zusehen, wie die Personalkosten von 59 im Jahr 2011 auf 65 Millionen Euro 2014 weiter steigen", kommentierte der grüne Stadtrat Peter Gack eine Vorschau in der jüngsten Sitzung des Finanzsenats. Er sieht das Ende der Fahnenstange schon lange erreicht.

Doch über die Ursache für den Kostenanstieg bei den Rathausmitarbeitern gibt es unterschiedliche Ansichten. Während sich die Kritiker in ihren Befürchtungen bestätigt sehen, dass man beim Personal nicht mehr so genau hinschaut, spricht man im Rathaus von unvermeidlichen Aufgabenmehrungen. So seien zuletzt neue Stellen bei der Lebensmittelüberwachung, bei Konversions- und Immobilienmanagement geschaffen worden. Um Sachkosten zu sparen, würden wieder mehr Aufgaben im Haus erledigt. Zuletzt: Die tariflichen Lohnsteigerungen hätten die Gehaltssumme um Millionen anwachsen lassen.

Fakt ist: Die Haushaltskonsolidierung ließ die Zahl der Vollzeitstellen in der Stadtverwaltung zwischen 1994 und 2010 von 1061 auf 981 zurückgehen. Doch was geschah danach? Eine aktuelle Zahl über die Jobs im Rathaus konnte man uns am Mittwoch nicht geben. Am Sparkurs soll dies aber nichts ändern: "Wir überprüfen jede frei werdende Stelle", sagt Peter Lutz vom Personalamt.