Rot-weißes Flatterband, gesperrte Wege, leere Beete, Sandsteinsäulen, die scheinbar sinnlos herumstehen: Es ist unübersehbar, dass im Botanischen Garten des Bamberger Hains größere Veränderungen bevorstehen. Den Winter über wird nicht mehr viel passieren, umso mehr dann ab dem Frühjahr.

Die bei Spaziergängern zu jeder Jahreszeit beliebte Anlage soll in den beiden kommenden Jahren wieder mehr den Charakter eines Lehrgartens erhalten, die Informationsvermittlung so erfolgen, "dass es Spaß macht, sich dieses Wissen anzueigen", wie Roberth Neuberth verspricht.

Als Leiter des städtischen Garten- und Friedhofsamts laufen bei ihm die Fäden zusammen, zumal er auch die Geschäfte des Bürgerparkvereins führt, der die Umgestaltung maßgeblich angestoßen hat. Der Botanische Garten soll wieder seinen Namen verdienen und trotzdem nichts von seiner Anziehungskraft als Blütenmeer verlieren. Didaktik rein bringen und den Blühcharakter erhalten: So bringt Neuberth das gesetzte Ziel auf den Punkt.

Der Botanische Garten solle künftig wieder als "Zeitinsel aus den 1920er Jahren" im wesentlich älteren Hainpark erkennbar sein. Deshalb werde sich zwischen dem "Metznerhäuschen" und dem Schwanenweiher baulich und inhaltlich einiges verändern, auch die Wegführung.

Für die Wissensvermittlung setzen die Verantwortlichen nicht mehr auf QR-Codes, wie zunächst geplant, sondern auf eine eigens für den Botanischen Garten entwickelte Handy-App. Wer sie nutzt, könne umfassende Informationen rund um die grüne Lunge der Stadt erwarten, so Neuberth. Über die Flora und Fauna sowieso, aber auch über die Jahrhunderte alte Nutzungsgeschichte des Hains, über das Miteinander von Naturschutz, Artenschutz und Gartendenkmalpflege, über einzigartige Bestandteile wie den Eichenkranz rund um die Schillerwiese oder Käferraritäten wie den Eichenbock.

Für wissbegierige Spaziergänger ohne mobiles Telefon soll es im Botanischen Garten künftig gedruckte Informationen geben, die man sich aus Automaten ziehen kann, außerdem - ganz klassisch - Schilder.


Bald 100 Jahre alt

Die Geschichte des Botanischen Gartens beginnt im Juni 1922, in der Ära des damaligen Gartenbaudirektors Viktor Luster. Die Stadt Bamberg entschied sich bei der Standortsuche für ein Gelände am östlichen Rand des Hains, das erst ab 1852/1853 durch die Regulierung des rechten Regnitzarms hinzugewonnen worden war.

Wurde der Lehrgarten anfangs dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht, veränderte sich das Bild der Anlage nach 1945 deutlich. Experten vermuten, dass den Menschen in der Nachkriegszeit der Sinn weniger nach Wissensvermittlung als Erbauung an schönen Pflanzen und Blüten stand.