Bamberg
Droht jetzt die Schließung?

Bamberger Schlachthof nach Rücktritt auf der Kippe: Aufsichtsrat will "konzeptionelle Zukunft" besprechen

Der Bamberger Schlachthof kämpft mit heftigen Problemen. Nach dem überraschenden Rücktritt des Geschäftsführers soll es bald ums Ganze gehen. Droht die Schließung?
Bamberg: Muss Schlachthof bald für immer schließen?
Werden hier bald keine Tiere mehr geschlachtet? Der Bamberger Schlachthof kämpft mit heftigen Problemen. Foto: Sebastian Schanz (Archiv)
  • Bamberg: Muss der Schlachthof bald für immer schließen?
  • Geschäftsführer schmeißt hin: Strategie lasse sich aktuell "nicht verwirklichen"
  •  "Keinerlei Besserung in Sicht": Trotz Umwandlung - Stadträte fordern Schlachthof-Ende
  • Aufsichtsrat sichert Übergangschef "volle Unterstützung" zu - entscheidende Sitzung am Sonntag (22. Juni 2022)

Der Bamberger Schlachthof steht womöglich vor dem endgültigen Aus. Am Dienstag (17. Mai 2022) fand eine Aufsichtsratssitzung statt, in der - wie vergangene Woche von der Stadt Bamberg angekündigt wurde - über weitere Schritte der Tochter-GmbH entschieden wurde. Hintergrund ist der überraschende Rücktritt des bisherigen Geschäftsführers, dem Ex-Tönnies-Mitarbeiter Jan Werle-Ermer. Noch ernster könnte es Ende Juni werden. 

Update vom 18.05.2022, 16.30 Uhr: Wie geht es mit Bamberger Schlachthof weiter? Entscheidende Sitzung Ende Juni

Im Fall des offenbar unter starken wirtschaftlichen Problemen leidenden Bamberger Schlachthofs ist noch keine Entscheidung zum weiteren Verfahren getroffen worden. Nach einer Aufsichtsratssitzung am Dienstag (17. Mai 2022) teilt die Stadt Bamberg mit, dass der Übergangsgeschäftsführer Jan Schulze die "volle Unterstützung" des Gremiums zugesichert bekommen habe. "Wir sind überzeugt, dass wir mit Julian Schulz sowie mit Betriebsleiter Marcellus Sohr, der weiterhin das operative Geschäft lenken wird, für die nächsten Wochen und Monate sehr gut aufgestellt sind", wird Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zitiert.

Zuvor hatte Geschäftsführer Jan Werle-Ermer überraschend seinen Posten zur Verfügung gestellt - und in der Begründung die Rahmenbedingungen der Schlachthof Bamberg GmbH heftig kritisiert. Probleme beim Schlachthof sehen viele regionale Mitglieder der Fleischbranche unter anderem in alten Anlagen, einer oft bemängelten Ungleichbehandlung von kleinen Metzgereibetrieben und Großkunden sowie der offenbar starken Abhängigkeit vom Riesen Tönnies. Auch mangelnde Transparenz bei der Kommunikation wird der GmbH vor allem von Akteuren der Kommunalpolitik vorgeworfen.

Das Thema Schließung ist in den vergangenen Tagen immer stärker in den Mittelpunkt gerückt - Entscheidungen im Aufsichtsrat werden mit Spannung erwartet. "In der nächsten Sitzung will der Aufsichtsrat auch über die konzeptionelle Zukunft der Schlachthof Bamberg GmbH diskutieren. Diese wird am 22. Juni stattfinden", so die Stadt Bamberg. 

Erstmeldung vom 16.05.2022: Bamberger Schlachthof auch nach Neuausrichtung Gegenstand heftiger Debatten

Der Bamberger Schlachthof war Anfang 2021 rückwirkend zum Juli 2020 zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, kurz GmbH, umgewandelt worden. Nach Vorwürfen der Verletzung des Tierwohls, welche stets bestritten wurden, sollte damit unter anderem ein lebensmittelrechtlich Verantwortlicher benannt werden. Gleichzeitig hoffte die Stadt mit dem Schritt, die wirtschaftlichen Probleme im Bamberger Schlachthof besser bewältigen zu können. 

Ende 2020 war deshalb von einer erhöhten "Flexibilität und Handlungsfähigkeit des Schlacht- und Viehhofes vor dem Hintergrund eines hohen Marktdrucks und weiteren zukünftigen Herausforderungen" durch die Umwandlung die Rede gewesen. Doch negative Schlagzeilen über den Schlachthof - sie blieben auch im Anschluss nicht aus. Im Frühjahr 2021 musste dort vorübergehend der Betrieb eingestellt werden - wegen Corona-Fällen unter den Beschäftigten

Gleichzeitig entbrannte eine Debatte, die unter dem Namen "Bamberger Schlachthofstreit" bekannt wurde. Hintergrund war, dass sich regionale Metzger bei den Fleischgebühren gegenüber den mächtigen Großkunden am Schlachthof wie Tönnies und Vion benachteiligt fühlten. Die Präsenz von Tönnies ist für den Bamberger Schlachthof gleichzeitig überlebenswichtig, wie von vielen Seiten häufig betont wurde. 

Abhängigkeit von Tönnies in Bamberg noch verstärkt? - "keinerlei Besserung in Sicht"

Am vergangenen Donnerstag (12. Mai 2022) dann der Paukenschlag: Die Stadt Bamberg gab bekannt, dass der Geschäftsführer Jan Werle-Emler "seine Position auf eigenen Wunsch zur Verfügung" gestellt habe. Werle-Ermer hatte die Leitung der GmbH nach der Umstrukturierung übernommen, auf dem ehemaligen Tönnies-Qualitätsmanager lag viel Hoffnung in Bamberg. Er sei "zu der Erkenntnis gekommen, dass sich seine strategischen Vorstellungen für den Schlachthof Bamberg unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht verwirklichen lassen", erklärte die Stadt. Auch persönliche Gründe sollen demnach eine Rolle gespielt haben. 

Am Freitag (13. Mai 2022) forderte dann die Stadtratsfraktion um Volt und Bambergs Mitte die Schließung des Bamberger Schlachthofs. "18 Monate nach der Umwandlung des Schlachthofes, liegt uns noch immer kein tragfähiges Konzept vor. Und wie es scheint, ist keinerlei Besserung in Sicht", erklärt Volt-Stadtrat Hans-Günter Brünker in der Mitteilung. Die Fleischindustrie sei "insgesamt rückläufig. Wer hier erfolgreich sein wolle, müsse "entweder in das Massengeschäft einsteigen oder sein Geld durch die Weiterverarbeitung verdienen".

"Einige hunderttausend Schweine zu schlachten oder knapp hunderttausend Rinder ohne weiter in der Wertschöpfungskette integriert zu sein, wie im Fall des Bamberger Schlachthofes, ist kein tragfähiges Geschäftsmodell", wird Brünker weiter zitiert. Heute erscheine ihm "eine Neugründung eines reinen Metzgerschlachthofs in Bamberg leider recht aussichtslos." Der letzte größere lokale Kunde habe nämlich nach Informationen der Fraktion vor geraumer Zeit die Schlachtungen in Bamberg eingestellt. Die Abhängigkeit von Tönnies und Co. habe sich hingegen noch verstärkt

SPD will keine "neue und dauerhafte Defizitquelle" - und macht schon neu Vorschläge für Schlachthof-Areal 

Man müsse "endlich aufhören, schlechtem Geld immer mehr gutes Geld hinterherzuwerfen", fordern die Stadträte. Stattdessen könnte das Areal "für die Schaffung von Wohnraum beziehungsweise die Weiterentwicklung des Gewerbes" dienen, heißt es. Aus diesem Grund wolle man nun "gemeinsam ein Bürgerbegehren zur Schließung des Bamberger Schlachthofes starten". Auch die SPD-Fraktion will den Bamberger Schlachthof nach eigenem Bekunden nur dann erhalten, wenn die "wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben" seien.

"Wenn es nicht gelingt, die erforderlichen Investitionen zu finanzieren und ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erzielen, muss der Schlachthof eingestellt werden", so der Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion Heinz Kuntke in einer Mitteilung. Laut SPD habe der Aufsichtsrat des Bamberger Schlachthofs entschieden, verschiedene Varianten zu untersuchen, wie es mit dem Areal an der Lichtenhaidestraße weitergehen könne. Dazu will der Aufsichtsrat bereits am Dienstag (17. Mai 2022) zusammentreten, wie inFranken.de erfahren konnte.

Die SPD fordert insbesondere Großkunden wie Tönnies dazu auf, "ihr Engagement deutlich" zu erhöhen, "um ein ausgeglichenes Ergebnis im Schlachthof möglich zu machen". Die Stadt könne sich "keine neue und dauerhafte Defizitquelle erlauben", so Kuntke. Die Partei schlägt gleichzeitig verschiedene Alternativen für das Bamberger Schlachthof-Areal vor. Dazu zählen etwa eine gemeinsame Betriebsstätte der Bamberger Service Betriebe und dem Busdepot der Stadtwerke, ein Handwerkerhof und eine Erweiterung der Feuerwehreinrichtungen. Aber auch die Schaffung von Mietwohnungen zu bezahlbaren Preisen, im westlichen Gebiet des Areals in Bamberg, könne man sich vorstellen.