Vor Gericht machte Cäsar T. (Name von der Redaktion geändert) eine gute Figur: Der 36-jährige Techniker war geständig, wirkte einsichtig und reuig. Auch mit seinem lückenlosen schulischen und beruflichen Werdegang entsprach er nicht dem typischen Bild eines Angeklagten, wie sie sich sonst vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg verantworten müssen.

Doch T. kann auch anders sein, wie seine frühere Lebensgefährtin am eigenen Leib erfahren hat. Sie wurde von ihm in ihrer Wohnung im nördlichen Landkreis Bamberg mehrfach vergewaltigt.Vorsitzender Richter Manfred Schmidt verglich die Beziehung der beiden mit einer Achterbahn: voller Höhen und Tiefen.

Fünf Jahre und zehn Monate

Am Mittwoch und Donnerstag ging es vor Gericht vor allem um die Tiefpunkte.

T.
wurde wegen vier Fällen der Vergewaltigung und Körperverletzung sowie unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in fünf Fällen zu fünf Jahren und zehn Monaten Strafe verurteilt. Weil er seit langer Zeit täglich Marihuana und Crystal konsumiert und die Richter einen Zusammenhang zwischen dem Drogenkonsum und den Übergriffen sehen, verurteilten sie T. auch zu einer stationären Suchttherapie.

Die Vergewaltigungen passierten in der ersten Jahreshälfte 2012 und im Sommer 2014. Da hatte sie sich zwar schon von ihm getrennt; man traf sich aber immer wieder, weil beide ein Umgangsrecht für das gemeinsame Kind hatten. Das waren Gelegenheiten, die T. zwei Mal ausnützte und sich die Frau mit Gewalt nahm, weil sie sich ihm nicht freiwillig hingab.

Das Opfer unter Druck gesetzt

Meistens schüchterte er seine Freundin mit einem Messer so ein, dass sie ihren Widerstand aufgab. Im gravierendsten Fall zog er ihr zudem einen gelben Sack über Kopf und Schultern.

Mit Tränen erstickter Stimme beschrieb die 34-Jährige im Prozess die Todesangst, die sie bei diesem Vorfall erlebte. Obwohl er wohl nur kurz gedauert habe, sei er ihr "wie eine Ewigkeit" vorgekommen. Danach habe sie mit dem Gedanken gespielt, sich das Leben zu nehmen: "Ich konnte nicht mehr!"

Die Schilderungen des Opfers legten den Schluss nahe, dass es sich bei den angeklagten Fällen, die T. von seinem Verteidiger pauschal einräumen ließ, nur um die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs gehandelt haben dürfte. Streit um Sex muss es in der Beziehung wohl ständig gegeben haben.

Die Drogen hätten sein sexuelles Verlangen noch gesteigert, sagte er aus. Unter dem Einfluss des Rauschgifts reagierte er aber anscheinend auch aggressiver als sonst. Er setzte seine Lebensgefährtin sogar mit massiven Drohungen gegen das gemeinsame Kind unter Druck. "Ich wusste, er würde nicht locker lassen, ehe er hat, was er will", sagte sie wörtlich vor Gericht.

Im Februar 2014 hatte es die Frau nicht mehr ausgehalten und T. angezeigt. Sie habe bei der Polizei gar nicht alles erzählt und es gehe ihr auch nicht darum, dass er lange ins Gefängnis muss, so die 34-Jährige. Sie wolle nur endlich "Ruhe und keine Angst mehr haben".

Seinen Versprechungen geglaubt

Wie sie es unter den geschilderten Umständen überhaupt so lange mit dem Mann ausgehalten habe, hatte der Vorsitzende Richter wissen wollen. Die Zeugin erklärte es mit ihrem Wunsch nach einer Familie; es habe ja auch schöne gemeinsame Zeiten gegeben.

Außerdem habe T. sich hinterher meistens entschuldigt und versprochen, es werde nicht wieder vorkommen. Sie habe ihrem Sohn auch nicht den Vater nehmen wollen.

Der aus Forchheim stammende T. sah ein, dass er oft wegen Kleinigkeiten "ausgeflippt" ist: "Am Ende habe ich über die Stränge geschlagen." Die Drohungen gegen das Kind will er nicht ernst gemeint haben: "Ich hätte ihm nie ein Haar gekrümmt."

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss der Mann, der ein zweites Kind aus einer früheren Beziehung hat, zunächst 17 Monate Freiheitsstrafe in einer Justizvollzugsanstalt verbüßen. Anschließend folgt seine Unterbringung für voraussichtlich eineinhalb Jahre in einer Suchtklinik. Bei guter Führung hat er nach der Therapie die Aussicht auf vorzeitige Entlassung.

"Wenn er alles in die Tat umsetzt, was er uns gesagt hat", sieht der Vorsitzende Richter die Chance, dass T. künftig ein straffreies Leben führt.