Pedes versus Pedal - das ist ein Konflikt so alt wie die Erfindung des Drahtesels selbst. Und er soll ausgerechnet dort kulminieren, wo Bamberg am idyllischsten wirkt: im Hain.

"Bei schönem Wetter ist es fast unmöglich, Kinder von der Hand zu lassen, da man fast ständig Radlern ausweichen muss", ärgert sich unser Leser W. Schumm. Der Ruheständler sieht die Entwicklung mit Besorgnis, dass die Bikes auch aufgrund der E-Antriebe immer schneller an ihm vorbeipfeifen.

"Zwischen dem Christophorus und dem Jahnwehr ist der Weg am Fluss entlang als reiner Fußgängerweg ausgewiesen. Trotzdem überholten uns mehrfach Radfahrer", schreibt Leserin Brigitte Drabold. Viele klingelten nicht, was die schwerhörige Frau irritiert. Darauf angesprochen, würden manche Radler patzig.

Eine Bamberger Rentnerin, die Ähnliches festgestellt hat, sieht einen Grund für Radler auf Fußwegen in der mangelnden Beschilderung. Und ein weiterer Leser hat in seinem Ärger den Hain gar als "Fahrradautobahn" betitelt.

Da stellt sich die Frage: Trügt die Idylle im Hain also? Tobt unter den Buchen und Eichen ein Verdrängungskampf?

Debatte im Senat

Die Problematik wurde nun vom Bamberger Bürger-Block (BBB) in den Mobilitätssenat des Stadtrates getragen. Nach mehreren Beschwerden stellte die Fraktion den Antrag, zu prüfen, auf welchen Wegen Radfahrer zum Absteigen gezwungen werden könnten und auf welchen Achsen der Radverkehr konzentriert werden könnte.

So wie früher. Einst war das Radeln nur auf den asphaltierten Wegen im Hain erlaubt, erinnerte Franz-Wilhelm Heller (CSU): Damals habe ein Polizist auf einem Motorrad Radler zum Absteigen gezwungen. "Aber die Zeit hat sich geändert. Es macht vielen Menschen Spaß, im Hain mit dem Rad zu fahren, ich gehöre auch dazu", sagt der Stadtrat und begründet damit, warum seine Fraktion gegen eine Sperrung sei. Ein Miteinander im Hain müsse möglich sein.

Ähnlich sehen es die anderen Fraktionen. Man solle für mehr Rücksicht werben, erklärt Sebastian Niedermaier (SPD), etwa mit Schildern und einer "positiven Botschaft", wie Christian Hader (SPD) sagt.

Die Fraktionen folgen damit der Argumentation der Rathausverwaltung, dass die sportlichen Einrichtungen und Gaststätten weiterhin auch für Radler erreichbar bleiben müssten, eine Trennung der Wege kaum möglich sei.

Wie geht es weiter?

Lediglich dort, wo ohnehin nur geschoben werden darf, etwa am Botanischen Garten, sollen Schilder eventuell ergänzt werden. Die Polizei könne möglicherweise kontrollieren, erklärt Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne). Der Park lebe aber generell von der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Darauf hinzuweisen, sei auch das Hauptanliegen des Antrages gewesen, berichtet BBB-Sprecher Andreas Triffo, der den "provokanten Antrag" daher schon als Erfolg wertet. "Um die Leute positiv zu ermahnen, für ein Miteinander."

Auch für Elke Pappenscheller, Vorstandsmitglied des ADFC Bamberg, steht "das rücksichtsvolle Miteinander" generell ganz oben. Unabhängig von der Haindebatte sagt sie: Eine Ursache von Konflikten liege im begrenzten zur Verfügung stehenden Raum, auf dem sich immer mehr Menschen bewegen, weshalb nach Ansicht des ADFC der Umweltverbund als Ganzes gefördert werden müsse. "Wir betrachten mit Sorge, dass einige Kräfte aus politischen Gründen versuchen, Fuß- gegen Radverkehr auszuspielen. Dies soll wohl von den Gefahren, die vom motorisierten Verkehr ausgehen, ablenken. Rad- und Fußverkehr sind keine Gegner, sondern Verbündete in der Verkehrswende und beide Verkehrsmittel benötigen zu Lasten des motorisierten Verkehrs mehr Platz." Wo diese Wende - wie an der Kettenbrücke - bereits vollzogen ist, funktioniere das Miteinander von Fuß- und Radverkehr seit nunmehr zehn Jahren problemlos."

Nicht gegeneinander ausspielen

Andreas Irmisch vom VCD Bamberg sieht das ähnlich, warnt davor, Fußgänger und Radler gegeneinander auszuspielen: "Der Radverkehr wird zu oft zwischen die Verkehrsarten Auto und Fuß gequetscht und von beiden als Fremdkörper angegriffen, als Täter gebrandmarkt, obwohl er eher Leidtragender ist." Dieser Konflikt könne nicht vom Radverkehr, sondern müsse durch eine grundlegend neue und zielgerechte Zuordnung der Verkehrsflächen auf die Verkehrsarten gelöst werden. Da nach dem Fußverkehr der Radverkehr die beste Bilanz hinsichtlich Gesundheit, Kosten, Flächen- und Ressourcenverbrauch, Lärm, Abgasen und sozialer Gerechtigkeit aufweise, ist seine Forderung: Der Radverkehr müsse bei der Zuteilung der Flächen nach dem Fußverkehr an zweiter Stelle kommen. "Und zwar so, dass die angestrebte Erhöhung des Radverkehrsanteils sicher bewältigt werden kann, nicht nur der aktuelle Anteil." Damit könnten die Enge im Grenzbereich Fuß-/Radverkehr und die daraus entstehenden Konflikte aufgelöst werden.

Kommentar von Sebastian Schanz: "Crossbike und Krückstock"

Im Coburger Hofgarten am Fuße der Veste muss der Spaziergänger keinen Radfahrern ausweichen - weil sie den Anstieg scheuen wie die Assel das Licht. Und das Parkerlebnis ist tatsächlich ruhiger. Im brettlebenen Hain ist dafür echt was los. Angezogen von botanischen, architektonischen und menschlichen Sehenswürdigkeiten, strömen die Leute hierher, suchen im Frühling Sonne, im Sommer Schatten, im Herbst Kastanien und im Winter vergeblich Schnee. Und wo viel los ist, können Wege auch getrennt werden.

Im Central Park in New York bleiben die Bicycles auch auf ihren Bikeways. Freilich, die Sandstraße ist nicht der Broadway und Bamberg nicht New York. Aber ein paar abgeteilte Wege nur für Lustwandler wären schon drin. Wer das übertrieben findet, muss bedenken: Es gibt nicht nur Menschen mit Crossbike, sondern auch mit Krückstock. Was die hitzigen Debatten angeht, sollten viele mal einen Gang runterschalten: Hier wird nicht die atomare Abschreckung verhandelt, sondern die autofreie Annäherung.