Die Grünen sind so etwas wie Hubert Aiwangers Lieblingsfeind - zumindest, wenn man seinen Social-Media-Äußerungen glauben darf. Ein Video sorgt jetzt für Überraschungen.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim hat mit einem ungewöhnlichen Video für Aufsehen gesorgt. Auf Instagram zeigt sie sich gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) - und beide fordern dasselbe: eine "Südquote" für Windkraft. Dass ausgerechnet diese beiden Politiker an einem Strang ziehen, überrascht viele.
Noch im Juni 2026 hatte Aiwanger explizit Badum scharf attackiert und den Grünen in einer Mitteilung einen "Klimafetisch" vorgeworfen, der den Industriestandort Deutschland ruiniere. Nun stehen die politischen Kontrahenten nebeneinander auf einem Feld und werben gemeinsam für mehr Windkraft in Bayern. Badum sorgte zuletzt im Juni für Aufmerksamkeit, als sie sich gegen die Nennung auf einer Nebenverdienst-Liste zur Wehr setzte.
Aiwanger und Badum wollen "Südquote" für Windräder - das steckt dahinter
Aktuell befänden sich in Bayern rund 1000 Windkraftanlagen in der Planungsphase. Über 200 davon seien bereits genehmigt, hätten aber keinen Zuschlag in der EEG-Ausschreibung erhalten, erklärt Badum in ihrem Instagram-Beitrag. Das Problem: Die bundesweiten Ausschreibungen bevorzugten derzeit die windreicheren Standorte in Norddeutschland.
"Wir brauchen, wenn es nicht anders geht, eine Quote für den Süden", fordert Aiwanger in dem Video. Ein gewisser Anteil der auszubauenden Windkraft müsse nach Bayern und Baden-Württemberg gehen. Sonst brauche man große Stromtrassen, was das System krisenanfälliger mache.
Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn aus dem Wahlkreis Bamberg unterstützt diese Forderung. "Für den Ausbau der Windenergie brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen im Süden Deutschlands", lässt er sich in einer Mitteilung der Bürgermeister-Initiative "Zusammen erfolgreich erneuerbar" zitieren, wie der BR berichtet.
Bürgermeister schlagen Alarm: Milliarden-Investitionen in Oberfranken auf der Kippe
Die Lage ist nach Einschätzung bayerischer Kommunalpolitiker ernst. Allein in Oberfranken stünden wegen der geplanten Energiereformen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) rund 100 geplante Windkraftprojekte auf der Kippe, warnt die Bürgermeister-Initiative laut BR. Den Kommunen drohten damit Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro zu entgehen - plus Pachteinnahmen, Gewinnanteile und Gewerbesteuer.
Ein Rechtsgutachten der Kanzlei Kapellmann und Partner soll Bedenken zerstreuen, dass eine regionale Sonderregel gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen könnte. Eine "Windkraft-Südquote" wäre demnach rechtens, wie der BR berichtet. Es gebe bereits Präzedenzfälle bei ähnlichen Ausschreibungen in Italien.