Eine "sofortige Sicherstellung" des E-Mail-Verkehrs, den es offenbar zwischen einigen mutmaßlichen Opfern von Heinz W. gibt, hat dessen Rechtsanwalt Dieter Widmann am Mittwoch, dem 31. Prozesstag, beantragt.

Er rief damit den entschiedenen Widerspruch und Protest des Staatsanwalts und einiger Anwälte der Nebenklägerinnen hervor: "Reine Schikane" sei das, eine "Ohrfeige für den Opferschutz" und eine "unerhörte Unterstellung, dass die Opferzeuginnen hier die Unwahrheit sagen".

Scheinbar unbeeindruckt von dem verbalen Schlagabtausch nahm Vorsitzender Richter Manfred Schmidt den Antrag der Verteidigung und die Reaktionen zur Kenntnis. Und die Zweite Strafkammer nimmt sich Zeit zur Beratung: Der Prozess geht - planmäßig - erst in knapp zwei Wochen weiter, am 25. November.
Frühestens dann werden die Richter sich zur beantragten "sofortigen Sicherstellung" äußern.

Seinen Antrag auf Einsicht in die E-Mails hat Widmann so begründet: Es sei für die Verteidigung wichtig, zu wissen, inwieweit sich die Frauen untereinander ausgetauscht haben, die im Prozess als Nebenklägerinnen auftreten. Es gehe um Einflüsse durch Polizei und Medien, auch "um die Möglichkeit der gegenseitigen Beeinflussung" und vor allem um die Frage, wie glaubwürdig die Hauptbelastungszeugin sei.

Bei ihr handelt es sich um eine angehende Ärztin, die im Sommer 2014 mit einer Anzeige die Ermittlungen gegen den früheren Bamberger Chefarzt ins Rollen gebracht hat. Seit 7. April muss sich der Gefäßspezialist (50) vor dem Landgericht verantworten.

Ihm werden Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung in zehn Fällen, sexuelle Nötigung und mehr zu Lasten von zwölf ehemaligen Patientinnen und Mitarbeiterinnen im Bamberger Klinikum vorgeworfen. Straftaten, die der Angeklagte vehement abstreitet.

Er und seine Anwälte behaupten, die Polizei habe einseitig gegen den ehemaligen Chefarzt ermittelt. Auch der neueste Antrag ist ein kaum kaschierter Vorwurf an die Adresse der Ermittler: Einer von ihnen soll die E-Mail-Adresse einer Zeugin an andere weitergegeben haben. Das, so Widmann, sei zumindest "nicht üblich".


Fünf Jahre zurück

Begonnen hat der 31. Verhandlungstag mit der Anhörung von drei Zeugen. Eine 22-Jährige und ihre Eltern aus dem Landkreis Bamberg sagten aus. Die junge Frau war im Herbst 2010 mit einer akuten Beckenvenenthrombose ins Klinikum gekommen und von Heinz W. operiert worden.

Wie ihre Eltern im Zeugenstand berichteten, wähnten sie die Tochter dort gut aufgehoben. Weil das Mädchen erst 17 Jahre alt war, hatte die Mutter an allen Vorgesprächen und Untersuchungen teilgenommen. Als die Familie Mitte 2014 den Medien entnahm, was die Staatsanwaltschaft dem Chefarzt vorwirft, war sich daher auch der Vater sicher, dass seine Tochter nicht zum Opfer von W. geworden sein kann.

Umso größer sei der Schock gewesen, dass die Polizei im Besitz des Angeklagten auch fünf Fotos sichergestellt hatte, auf denen die 17-Jährige zu sehen ist: "Sie trug lediglich einen Kompressionsstrumpf am rechten Bein und war im übrigen am Körper völlig nackt", heißt es in der Anklageschrift. Und weiter: Drei Bilder würden das Aufspreizen der Schamlippen mit der Hand zeigen, ein weiteres das Einführen eines vaginalen Ultraschallkopfs in die Scheide.

Wie in den anderen angeklagten Fällen soll Heinz W. auch diese junge Frau mit Hilfe eines Hypnotikums willenlos und handlungsunfähig gemacht haben, ehe er sie missbraucht und unerlaubt fotografiert hat.

Weder von einer Unterleibsuntersuchung noch vom Anfertigen irgendwelcher Fotos sei bei den Besprechungen in der Klinik die Rede gewesen, sagte die Mutter im Zeugenstand. Die Frage des Vorsitzenden Richters, ob sie Aufnahmen von ihrer Tochter für Fortbildungszwecke zugestimmt hätte, verneinte sie mit den Worten: "Ich glaub' net."

Seit Prozessbeginn behauptet der Angeklagte, das bei ihm beschlagnahmte Bildmaterial habe keinerlei sexuellen Hintergrund. Er will es aus rein medizinischem Interesse angefertigt haben: als Anschauungsmaterial für Fachtagungen und eine angebliche Studie über neue Diagnosemethoden bei Beckenvenenthrombosen.

Die Zeugenvernehmung des mutmaßlichen Opfers selbst fand auch diesmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Anders als sonst gab es anschließend jedoch keine Informationen durch den Pressesprecher des Oberlandesgerichts Bamberg. Er sei durch unaufschiebbare Termine an der Teilnahme verhindert gewesen, hieß es auf Nachfrage.