• Wohnviertel "Ecosquare" in Bamberg: Mega-Projekt hinter dem Bahnhof
  • 64 Wohnungen und neun Reihenhäuser geplant: "Super Platz für Kinder"
  • Viertel soll Supermarkt und Café bekommen - eigene Bushaltestelle vor der Tür
  • Stadt hat neuen Wunsch im "Ecosquare": Hotel und Büros auf der Kippe?

Neues Wohnviertel am Bahnhof Bamberg - das steckt hinter dem "Ecosquare": In Bamberg baut die eco eco AG seit April 2020 auf rund 1,2 Hektar Fläche ein neues Viertel zwischen den Bahngleisen und der Kreuzung Annastraße/Pödeldorfer Straße. Das 1999 gegründete Unternehmen versteht sich selbst als besonders nachhaltig. Familien mit Kindern, ältere Menschen und Studierende sollen künftig hinter dem Bahnhof zusammenleben. Doch nun hat Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) einen Wunsch an den Bauherrn geäußert, der einige Pläne im "Ecosquare" völlig umwerfen würde. 

Update vom 22.10.2021: OB Starke äußert überraschenden Wunsch für Bamberger "Ecosquare"-Quartier

Vom "Ecosquare", dem neuen "nachhaltigen" Wohnviertel hinter dem Bamberger Bahnhof, ist weiterhin auf den ersten Blick nur eine große Baufläche aus Erde zu sehen. Wie die Projektleiter auf ihrer Website schreiben, arbeite man unter anderem an der Ecke Starkenfeldstraße/Annastraße daran, die "Holzausfassung des Grubenverbaus in die endgültige Tiefe zu verlängern".  Nun haben sich der Bauherr Thomas Banning, der leitende Architekt Martin von Dufving und die Bamberger Stadtspitze getroffen, um über den Fortschritt des Vorhabens zu sprechen, wie die Stadt und die zuständige eco eco AG mitgeteilt haben.

"Unerwartet im Boden vorgefundene Kontaminationen haben zu Mehraufwand und Verzögerungen geführt und auch Corona hatte und hat keine positiven Auswirkungen auf das Projekt", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Trotzdem sollen die bauvorbereitenden Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen und im kommenden Jahr der eigentliche Bau gestartet werden, heißt es weiter.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) habe in dem Gespräch "keine Zweifel" daran gelassen, dass die Stadt das "besonders auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Quartiersprojekt nach wie vor" begrüße und "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" auch unterstütze.

"Eventuelle" Anpassung: Stadt will mit "Ecosquare"-Planern Gespräche führen 

Gleichzeitig klingt in der Mitteilung durch, dass die Stadt sich gewünscht hätte, dass eine Wohngenossenschaft einen Großteil des "Ecosquares" übernehmen könnte. Es sei "bedauert" worden, dass "es im Vorjahr nicht gelungen war, genügend Interessenten für eine Wohnungsgenossenschaft zu finden", schreibt die Stadt.

Der Bamberger Bürgermeister hat gegenüber den Projektverantwortlichen gleichzeitig einen Wunsch geäußert, der die bisherigen Planungen ziemlich umwerfen dürfte. "Mit Blick auf die nach wie vor hohe Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt bei gleichzeitig nachlassendem Interesse an Büroflächen wurde beraten, ob das Nutzungskonzept hinsichtlich Büros und Hotel eventuell angepasst werden soll", heißt es in der Mitteilung. Dazu wolle man nun "weitere Gespräche auf Arbeitsebene führen". 

Ursprünglich war geplant, an der Westseite des neuen Bamberger Wohnquartiers ein Hotel und Bürogebäude zu errichten. Das sollte auch dazu dienen, die künftige Anwohnerschaft von Zuglärm "abzuschirmen". Bei den Projektverantwortlichen will man sich zu den neuen Forderungen der Stadt und möglichen Umplanungen nicht weiter äußern. "Zusätzlich zu dem schon Gesagten, schon Veröffentlichtem und dem Bericht der Stadt wollen wir momentan keine weiteren Aussagen machen", so eine Sprecherin des Unternehmens. 

Erstmeldung vom 20.07.2021: "Ecosquare" in Bamberg: Hotel und Büros sollen Anwohnerschaft "abschirmen"

Die Bauarbeiten für den "Ecosquare" haben bereits im April 2020 begonnen. Früher befanden sich hier eine Gärtnerei und eine Schrebergartenkolonie. "Wir bauen eine Art Quadrat", erklärt eine Sprecherin der eco eco AG gegenüber inFranken.de. An der Seite in Richtung des Bahnhofs sollen Bürogebäude und ein Hotel mit vier bis fünf Etagen den Zuglärm von der künftigen Anwohnerschaft "abschirmen", heißt es.

Für das Hotel sei man in Gesprächen. "Es ist keine Kette geplant, sondern ein Mittelklasse-Hotel mit Fokus auf Nachhaltigkeit", so die Sprecherin. Vorgesehen seien etwa 80 Zimmer. Im gleichen Block will das Unternehmen künftig Büroflächen zur Vermietung oder Verpachtung bereitstellen.

"Die Idee ist, dass man die Räume schnell umwidmen kann, also von Einzelbüros in Großraumbüros und umgekehrt", erklärt die Sprecherin. Parkplätze will die eco eco AG für die anmietenden Firmen nicht vor dem Gebäude bereitstellen. Es werde eine "begrenzte Anzahl an Stellplätzen in einer Tiefgarage unter dem Gebäude" geben. Stattdessen solle ein "Birkenhain" zwischen Bahngleisen und "Ecosquare" entstehen. "Das Viertel ist so zentral, dass die meisten nicht mit dem Auto kommen werden. Der Raum ist dafür auch zu wertvoll", so die Sprecherin. 

Diese Wohnungen und Reihenhäuser werden auf dem "Ecosquare" gebaut 

Die Mobilität im Quartier solle insgesamt anders aussehen, als dass jeder Bewohner zwei Autos mitbringe. "Es sind nicht ausreichend für die Zahl der Menschen, die dort leben werden", kann die Sprecherin bereits verkünden. Stattdessen sind laut Planungsunterlagen über 250 zum großen Teil überdachte Fahrradstellplätze angedacht. Weitere Parkplätze will das Unternehmen für Carsharing-Fahrzeuge und Gewerbetreibende freihalten. 

Ein großer autofreier Innenhof und schalldichte Fenster würden das Viertel trotz Bahnhofsnähe und viel befahrener Starkenfeldstraße zu einem "guten Platz für Kinder" machen, erklärt die Sprecherin. Wichtig sei dem Unternehmen eine "Durchmischung der Nutzergruppen". Für Familien mit Kindern baue man neun "Townhouses" mit Garten, das sind kleine Reihenhäuser, mit einer Fläche von jeweils 130 bis 140 Quadratmeter. Dazu kämen insgesamt 64 Wohnungen. In einem Projektbericht für den Bamberger "Ecosquare" werden Zwei- bis Fünf-Zimmerwohnungen, teils mit Balkon oder Terrasse, dargestellt. 

Außerdem werde es 15 barrierefreie Wohneinheiten geben, heißt es. "„Es gibt auch Wohnungen, die für Wohngemeinschaften geeignet sind", sagt die Sprecherin. 19 Wohnungen mit einer Größe von 57 bis 100 qm seien preisgedämpft. "Wichtig ist uns, dass die Wohnungen im Quartier nicht verkauft werden und so immer teurer werden." Es gehe um "soziale Nachhaltigkeit". Weitere Quadratmeterpreise könne man zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht nennen. 

Neues Wohnviertel in Bamberg: So können sich Interessierte bewerben 

Das liege auch daran, dass noch nicht feststehe, ob und wer die Wohnungen letztlich verkaufen oder vermieten wird. Eigentlich hatte das Unternehmen bereits im Herbst 2020 zur Gründung einer Genossenschaft für potenzielle Anwohnende des "Ecosquares" aufgerufen. Diese sollte alle Wohneinheiten übernehmen. "Wir hatten letztlich etwa 12 bis 15 Leute zusammen, hätten dafür aber deutlich mehr gebraucht." Stattdessen hat die Firma ein Kontaktformular auf der Website eingestellt, über das sich Interessierte sowohl für die Reihenhäuser als auch für die Wohnungen auf eine Liste setzen lassen können, um alle Neuigkeiten zu erfahren. 

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Bei Menschen, die in Bamberg eine neue Bleibe suchen, will die eco eco AG mit "viel Grün" und einem "innovativen Energiekonzept" punkten. Konkret seien die Gebäude "sowohl auf Energieeinsparung als auch auf Energiegewinnung ausgerichtet", heißt es auf der Projekt-Homepage. Sowohl auf den Dächern als auch in den Fassaden wollen die Bauträger Photovoltaikanlagen verbauen.

"Die produzieren den Strom, während ein Erdsondenfeld Wärme und Kälte über ein Austauschsystem produziert. Die wird in den Gebäuden gespeichert. Weil das Quartier über einen Leitungsring miteinander verbunden ist, werden so alle Wohneinheiten versorgt." Ein Blockheizkraftwerk, betrieben mit Ökogas und der normale Netzanschluss sollen Schwankungen ausgleichen. "Eine besonders effiziente Energienutzung durch Sektorenkopplung sowie die Vermeidung von CO2-Freisetzung, Luft- und Wasserreinhaltung ist hier selbstverständlich", heißt es auf der Website. 

Bamberger "Ecosquare": Diese Geschäfte und Gastronomie sollen einziehen 

Grün werde auch der Innenhof, so das Unternehmen. Ein mit Bäumen bepflanzter Fußgängerweg zwischen Pödeldorfer Straße und Starkenfeldstraße bilde den Durchgang durch das Viertel. Für Kinder wolle man einen privaten "Kinderladen" mit Spielplatz zur Betreuung des Nachwuchses bauen. Wer diesen betreibt, stehe noch nicht fest, heißt es. Auch ein weiterer Spielplatz, der im "Wohnhof" stehen soll, ist vorgesehen. 

Zur Pödeldorfer Straße hin plant das Unternehmen mehrere Gewerbeflächen zu errichten. Konkret wünsche man sich hier einen Bio-Supermarkt auf rund 600 Quadratmetern. Alternativ könnte die Fläche in "zwei bis drei Einheiten für kleinere Läden und Einzelhandelsbetriebe" aufgeteilt werden. Neben einer Physiotherapiepraxis könnte hier auch eine Bäckerei ins neue Bamberger Viertel ziehen, die ein Café mit Außenbereich im Innenhof bewirtschaftet. 

"Weil der Bus auf der anderen Seite derzeit nur in Richtung Bahnhof fährt, soll eine neue Bushaltestelle in Richtung Bamberg-Ost an der Pödeldorfer Straße entstehen", sagt die Sprecherin. Aktuell sei man bei den Bauarbeiten kurz vor dem sogenannten "Rüttelstopfverfahren". "Dabei bekommt der Boden die nötige Stabilität." Abgeschlossen sind alle Arbeiten Anfang bis Mitte 2024. Man bekomme bereits jetzt immer wieder Anfragen, so die Sprecherin. 

Nur unweit davon entfernt entsteht ein völlig neues Stadtviertel in Bamberg: Hier sollen über 2000 Menschen wohnen