• Bundesweite Befragung in Kitas: Beschäftigte klagen über extreme Belastung
  • Verdi-Studie: "Zeitweise für mehr als 17 Kinder gleichzeitig verantwortlich"
  • Erzbistum Bamberg: Anstellungsschlüssel meist eingehalten - höhere Belastung in Pandemie
  • AWO Bamberg: Forderung an Politik - "Kinder sind unsere Zukunft"

Verdi-Befragung unter Kita-Beschäftigten mit schockierenden Ergebnissen - so sehen Bamberger Träger die Lage: Viele Beschäftigte in deutschen Kindertagesstätten leiden einer neuen Verdi-Befragung zufolge oft massiv unter hoher Belastung in ihrem Job. Demnach hätten über 80 Prozent der Beschäftigten zu wenig Zeit, um auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder einzugehen. An der Befragung der Gewerkschaft Verdi in Zusammenarbeit mit der Hochschule Fulda haben sich bundesweit rund 19.000 Fachkräfte beteiligt - darunter auch Kita-Mitarbeitende aus Oberfranken. inFranken.de hat nachgefragt: Wie ist die Situation in den Bamberger Einrichtungen?

Bamberger Kitas zu Belastungssituation: Corona hat Beschäftigten "viel abverlangt"

Das größte Problem laut der bundesweiten Verdi-Befragung: viel zu wenig Personal. Demnach gaben fast 46 Prozent der Befragten an, dass sie zeitweise für mehr als 17 Kinder am Tag gleichzeitig verantwortlich seien, mehr als acht Prozent sogar für mehr als 28 Kinder. Über 30 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sie ihren eigenen pädagogischen Ansprüchen im Alltag nicht gerecht werden können. Nach der Befragung fehlen in Bayern an den Kitas weit über 6000 Fachkräfte in Vollzeit. Das sei "skandalös und nicht hinnehmbar", heißt es in einer Verdi-Pressemitteilung. 

Die Bamberger Träger sehen die Situation deutlich weniger dramatisch - aber auch sie weisen auf Probleme hin. In den Kindertageseinrichtungen des Bamberger Erzbistums gebe es immer wieder einmal Situationen, bei denen die Beschäftigten am Belastungslimit arbeiteten, teilt Sprecher Harry Luck Bamberg inFranken.de auf Anfrage mit. "Die Rolle und Funktion des pädagogischen Personals während der Corona-Pandemie sind dafür beispielgebend", so Luck. 

Nach Einschätzung von Sofia Konstandara, Leiterin des Bereichs Kinder, Jugend und Familie bei der Bamberger AWO, hat die Belastung in den Kitas vor allem pandemiebedingt zugenommen. "Strenge Hygienekonzepte, ständige und kurzfristige Veränderungen von Vorgaben und Anweisungen seitens des Ministeriums, Personalausfälle durch Quarantänemaßnahmen und so weiter haben es vor allem in den letzten eineinhalb Jahren dem Personal nicht leicht gemacht und ihnen viel abverlangt", kritisiert Konstandara. Der hinzukommende Fachkräftemangel erschwere die Situation zusätzlich.

Bamberger Kitas: Deutlich bessere Zahlen als bei Verdi 

In den 337 Kitas des Erzbistums Bamberg betreuten derzeit 3997 pädagogische Kräften rund 20.000 Kinder, berichtet der Pressesprecher des Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg. Das heißt: Auf fünf Kinder kommt theoretisch eine Fachkraft. Bei dieser Statistik handele es sich jedoch um ein reines Zahlenverhältnis. "Faktoren wie Vollzeit, Teilzeit, Betreuungsbedarf des Kindes sind dabei nicht berücksichtigt", betont Luck. In den Kindertagesstätten in Trägerschaft der Pfarrkirchenstiftungen oder Gesamtkirchengemeinden arbeiten ihm zufolge 38,7 Prozent der Beschäftigten in Vollzeit.

Wie viele Vollzeit-Fachkräfte in den Einrichtungen des Erzbistums Bamberg fehlen, lasse sich anhand der im Erzbischöflichen Ordinariat vorliegenden Daten nicht beantworten. Zwar gelinge es "in der überwiegenden Zahl der Kitas" den empfohlenen Anstellungsschlüssel einzuhalten. Dieser sieht für zehn Stunden Kinderbetreuung eine Arbeitsstunde des Personals vor. "Festzustellen ist jedoch, dass seit 2012 die Geburtenzahlen in Bayern steigen und dass die Betreuungsquote unter anderem im Bereich der unter Dreijährigen seit 2010 um knapp 38 Prozent stieg, der Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen und zusätzlichen pädagogischen Kräften also enorm gewachsen ist", konstatiert Pressesprecher Luck.

"Unser Personalschlüssel ist unterschiedlich hoch, das ist abhängig von der Größe der Einrichtung, den Räumlichkeiten und dem Bedarf der Einrichtung", erklärt Sofia Konstandara von der AWO. "Eine Krippengruppe liegt bei zwölf Kindern, eine Kindergartengruppe bei 25 Kindern und eine Hortgruppe bei etwa 20 Kindern." Pro Gruppe seien demnach - je nach Stundenumfang - mindestens zwei Personen einteilt. Deutlich bessere Zahlen als die Ergebnisse der Gewerkschaftsbefragung. 

"Kinder sind unsere Zukunft": Bamberger AWO-Leiterin mit eindringlichem Appell

Dennoch: "Aus unserer Sicht müsste auf staatlicher Seite an besseren Rahmenbedingungen in den Kitas gearbeitet werden", so Konstandara. Die Attraktivität des Erzieherberufs und entsprechend auch die Wertschätzung gegenüber dieser Berufsgruppe müsse verstärkt werden. "Kinder sind unsere Zukunft und es sollte intensiver in die Kinderbetreuung investiert werden", appelliert Konstandara. Erste Schritte seien von staatlicher Seite bereits erkennbar, "aber es ist noch ein langer Weg". 

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Die Betreuungssituation sei nach Bewertung des  Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg phasenweise "schwieriger und anstrengender" geworden. "Zum einen steigen die Anforderungen von Eltern, Gesellschaft und Staat an die Träger von Kita-Einrichtungen, zum anderen erschwert der Fachkräftemangel die Möglichkeit, durchgehend den jeweils gewünschten Anstellungsschlüssel zu praktizieren", so Sprecher Luck.

Die "Gewinnung von jungen Menschen für die Ausbildung zur pädagogischen Kraft" hinke dem "leider trotz vieler Personalgewinnungsmaßnahmen" hinterher. Die Träger von Kita-Einrichtungen haben Luck zufolge "seit inzwischen einigen Jahren" mit Personalbeschaffungsschwierigkeiten zu kämpfen. 

In Bamberg soll unterdessen eine neue Kindertagesstätte im September ihre Türen öffnen. inFranken.de verrät, was die Kita Besonderes zu bieten hat. Anmeldungen sind bereits möglich.

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