Diese Nachricht löste bei Kinofans aus der Region Bamberg am Mittwoch (12.05.2021) Entsetzen aus: Das Cinestar im Bamberger Atrium soll für immer geschlossen bleiben. Der Bamberger Oberbürgermeister Starke (SPD) spricht von einer "schlechten Nachricht" und will um den Erhalt kämpfen, die Gewerkschaft Verdi schießt scharf gegen Cinestar.

Hintergrund ist ein Streit über den Brandschutz zwischen Kinobetreibern und den neuen Eigentümern des Atriums. Die überraschen nach der Schock-Nachricht jetzt mit einer Ansage, die Kinofans in Bamberg wieder etwas Freude zurückbringen dürfte. 

Update vom 18.05.2021: Neue Atrium-Eigentümer äußern sich zu Cinestar-Vorwürfen 

Der neue Eigentümer des Atriums in Bamberg, die Eyemaxx Real Estate AG, nimmt in einer Pressemitteilung vom 18.05.2021 Stellung zur wahrscheinlichen Schließung des Cinestar-Kinos am Bamberger Bahnhof. "Als Eigentümerin des Gebäudekomplexes 'Atrium' in Bamberg ist Eyemaxx stets sämtlichen Verpflichtungen zum Brandschutz gewissenhaft nachgekommen", schreibt das Unternehmen. 

Zuvor hatte Cinestar dem Unternehmen vorgeworfen, kein Brandschutzgutachten vorgelegt zu haben. Aus Sicherheitsgründen sei das Kino dann nicht mehr in Betrieb genommen worden. "Während der Baumaßnahmen wurden jedwede Maßnahmen von einem Prüfsachverständigen geprüft und eng begleitet, sodass rechtliche Vorschriften jederzeit eingehalten wurden. Fluchtwege wurden den Vorschriften entsprechend intakt gehalten und den sich wechselnden Gegebenheiten aufgrund der Baumaßnahmen angepasst", schreibt Eyemaxx in der Gegenstellungnahme. Cinestar sei "bei sämtlichen Maßnahmen kommunikativ eingebunden" gewesen.

"Eine Gefahr für Besucher bestand zu keiner Zeit. Eyemaxx war stets darauf bedacht, einen Kinobetrieb in allen Stadien der Umbaumaßnahmen des Atriums zu gewährleisten", heißt es. Im "Einklang mit geltenden Vorschriften" sei ein Betrieb des Kinos gebäudetechnisch zu jederzeit möglich gewesen. "Leider wurden jegliche Verhandlungsgespräche von Seiten Cinestar abgebrochen", so das Immobilienunternehmen. Und: "Eyemaxx setzt sich dafür ein, dass im Atrium Bamberg auch künftig ein Kino angesiedelt ist". Aktuell befinde man sich Eyemaxx mit interessierten Kinobetreibern in "fortgeschrittenen Verhandlungen".  

Update vom 14.05.2021, 17 Uhr: Mitarbeiter wollen am Samstag protestieren

Am Samstag, 15. Mai 2021, um 13:00 Uhr wollen sich Beschäftigte des CineStar Bamberg vor dem Atrium versammeln, um gegen die beschlossene Schließung des Kinos zu protestieren. Dies teilt ver.di Oberfranken-West in einer Pressemitteilung am Freitagabend (14. Mai) mit.

Zirka 40 Beschäftigte würden durch eine Schließung ihren Arbeitsplatz verlieren, die Stadt Bamberg und das Umland das einzige Multiplex-Kino.

Update vom 14.05.2021, 15 Uhr: Doch noch Hoffnung für Cinestar in Bamberg? Betreiber nennen Details 

Nach der Nachricht vom Mittwoch (12.05.2021), dass das Cinestar in Bamberg für immer schließen sollen, haben sich jetzt die Betreiber gegenüber inFranken.de zu den Hintergründen geäußert. "„Wir betreiben das CineStar Bamberg seit Ende 2000 und haben den Kinointeressierten der Stadt Bamberg seitdem – in den letzten Jahren unter schweren Bedingungen in einem sonst leer stehenden Center – hervorragende Filmerlebnisse geboten", heißt es in einem schriftlichen Statement. 

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Anfang Juli 2020 seien "im Rahmen der von der Gebäudeeigentümerin begonnenen Abrißarbeiten im und am Center massive Eingriffe in Gebäudeeinrichtungen vorgenommen" worden. Diese sind aus Sicht von Cinestar "für die Sicherheit unserer Kinogäste" relevant. Im August 2020 habe sich. so heißt es im Cinestar-Statement, "die Eyemaxx Lifestyle Development 5 GmbH & Co. KG als Eigentümerin des Atriums im Rahmen eines gerichtlichen Vergleiches dazu verpflichtet, ein ordnungsgemäßes Brandschutzgutachten vorzulegen, das den Betrieb des Kinos ermöglicht."

Das habe die neue Eigentümer-Firma aber nicht getan, wirft Cinestar dem Unternehmen vor. "Dieser Verpflichtung ist die Eigentümerin (...) nicht nachgekommen." Seit dem Beginn der Abrissarbeiten am Bamberger Atrium sei das Kino  nicht mehr in Betrieb genommen worden, "weil die Sicherheit unserer Gäste absoluten Vorrang hat", so die Betreiber weiter. 

Ende März 2020 habe  "die Eigentümerin den Mietvertrag für das Kino fristlos gekündigt" und das Kino zur Räumung aufgefordert. Dem sei man aber bisher nicht nachgekommen, heißt es. Man wolle die Rechtsklage zunächst klären und befinde sich "dazu in einer juristischen Auseinandersetzung". Im Klartext: Die Betreiber selbst wollen das Kino, so ihre Argumentation, nicht schließen. Ob das Cinestar nochmal eine Chance hat, neu zu eröffnen, bleibt aber unklar. Dass Arbeitsplätze wegfallen, zumindest scheint bereits festzustehen: "Mit unseren Mitarbeitern haben wir die Verhandlungen hinsichtlich Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen", schreibt Cinestar. 

Erstmeldung vom 12.05.2021: Cinestar-Kino in Bamberg soll schließen

Das Cinestar-Kino in Bamberg im Atrium soll schließen: Wie die Gewerkschaft Verdi verkündet, stünden 40 Angestellte nun "vor dem beruflichen Aus." Vergangene Woche habe der Betriebsrat des Bamberger Kinos von der geplanten Schließung erfahren. Die Geschäftsführung beabsichtige demnach nicht, den Spielbetrieb am Standort Bamberg weiterzuführen, so Verdi. Angesichts der fortschreitenden Baumaßnahmen des Atriums in Bamberg sei die Zukunft des Cinestar-Kinos eigentlich optimistisch eingeschätzt worden. 

Die Corona-Lockerungen hätten auch das Cinestar betroffen, "doch daraus wird nichts", statuiert Verdi. "Das ist extrem bedauerlich", wird Betriebsratsvorsitzender Niklas Döbler zitiert. "Auch wenn die meisten Kolleg:innen noch studieren und auf 450 Euro-Basis angestellt sind, werden hier berufliche Existenzen zerstört." Andere Kollegen seien schon seit der Eröffnung im Jahr 2001 dabei.

Cinestar-Kino in Bamberg soll schließen: Verdi erhebt Vorwürfe gegen Geschäftsleitung

Wie Verdi mitteilt, habe die Geschäftsleitung den Betriebsrat erst informiert, als diese Entscheidungen schon gefällt gewesen seien. Die Gewerkschaft nennt das nach eigener Einschätzung "einen klaren Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz". Nun seien ein Interessensausgleich und Sozialplan fällig, der der "Leidenschaft unserer Kolleg:innen und ihrem beispiellosen Einsatz für das Kino Rechnung tragen" müsse. Sozialverträgliche Lösungen müssten her, so Döbler. "Die Geschäftsführung muss sicherstellen, dass alle Mitarbeiter angesichts der schwierigen Situation bestmöglich aufgefangen werden." Außerdem dürften für sie keine Nachteile entstehen.

Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen sei die Schließung des Cinestar in Bamberg auch ein "kultureller Verlust", heißt es in der Mitteilung. Das einzige Multiplexkino des Landkreises habe pro Tag mehrere tausend Menschen unterhalten können. Stadt und Landkreis müssten nun, so die Gewerkschaft, Anstrengungen unternehmen, wie das kulturelle Angebot Bambergs weiter aufrechterhalten werden könne. Von offizieller Cinestar-Seite aus gab es auf Anfrage von inFranken.de bisher keine Bestätigung der Schließung. 

Dafür äußerte sich Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in einer schriftlichen Mitteilung. Er verspricht, sich "unverzüglich an die Konzernleitung in Lübeck" zu wenden, "in der Hoffnung, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Das wäre mein Wunsch für die betroffenen Beschäftigten wie auch für alle Leinwandfans". Starke spricht von einer "schlechten Nachricht". Bamberg habe "eine große Kinotradition, und wir brauchen ein qualifiziertes und reichhaltiges Angebot". 

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