Es ist kein alltäglicher Anblick, der sich dieser Tage am Bahnhof bietet. Ungefähr dort, wo einmal eine große Treppe in die oberen Stockwerke des Atrium führte, zerfleddern jetzt Bagger Stück für Stück das Betongerippe. Das gewaltsame Ende eines ehemaligen Einkaufsparadieses zieht die Blicke auf sich.

Auch wenn der Baulärm einmal stoppt. Heiko Tost, der Projektleiter der Eyemaxx-Gruppe, ist bemüht, keine Gerüchte ins Kraut schießen zu lassen. "Der Abbruch hat sich etwas verzögert, aber sonst geht alles ganz normal weiter." Hört man Tost, waren es statische Fragen, die die Großbaustelle für kurze Zeit ausgebremst haben. Man muss wissen: Es sind brachiale Kräfte, die hier wüten, trotzdem geht der Abriss bis ins letzte Detail geplant voran. Langsam tastet sich die Baggerschaufel zu den Gebäudeteilen vor, die stehen bleiben sollen. Zum Beispiel das Parkhaus, das während des Umbaus weiter geöffnet ist. Und auch das Kino auf dem Dach ist vom Umbau nicht betroffen.

Expansion und Stellenstreichung

Die Fragen, die in Wirtschaftskreisen in Bamberg auftauchten, sind nicht unbegründet. Am 18. September hatte die Hotelkette Premier Inn angekündigt, in Bamberg 2022 ein 161-Zimmer-Hotel im Atrium zu eröffnen, eines von vielen neuen Standorten in Deutschland. Nur vier Tage später sorgte der britische Hotelkonzern Whitbread für gegenläufige Schlagzeilen. Denn das Unternehmen, 100-prozentige Mutter von Premier Inn, kündigte an, wegen der Corona-Pandemie 6000 Stellen zu streichen. Könnten die Folgen der Pandemie das Projekt in Bamberg stoppen, bevor es richtig losgegangen ist?

Glaubt man Katrin Kleinhans von Premier Inn sind diese Sorgen unbegründet. "Die Umstrukturierungsmaßnahmen in England haben keine Auswirkungen auf das Projekt in Bamberg. Sie beziehen sich ausschließlich auf Vorgänge innerhalb unseres Mutterkonzerns Whitbread", teilt die Sprecherin mit. Am Atrium wolle das stark expandierende Unternehmen festhalten und habe sich auf 20 Jahre vertraglich verpflichtet. Für Bamberg sprechen laut Kleinhans Faktoren wie Tourismus, Universität und starke Unternehmen - trotz der "aktuellen Unwägbarkeiten".

Für Stefan Goller, den Wirtschaftsreferenten der Stadt Bamberg, ist das Dementi von Premier Inn eine gute Nachricht. Goller mag sich gar nicht vorstellen, was eine Gefährdung der Atriumpläne zu diesem Zeitpunkt für Bamberg bedeuten könnte. "Die Investition in das neue Atrium bedeutet eine echte Bereicherung für Bamberg."

Freilich: Es gibt Kreise in Bamberg, die die starke Ausweitung der Hotelbetten in Bamberg kritisch sehen. Hört man etwa Florian Müller vom Hotel- und Gaststättenverband, wird die heimische Hotellerie mit ihrer immer noch großen Anzahl familiengeführter Häuser durch die neue Konkurrenz in einen unnötigen und ruinösen Wettbewerb getrieben. Vor allem die Ketten mit dem dahinter stehenden Kapital sind Müller ein Dorn im Auge. "Diese Ein-Sterne-Häuser können ganz andere Preise bieten und führen das grundsätzliche Ziel, den Qualitätstourismus in Bamberg zu fördern, ad absurdum."

Dabei ist es nicht nur das neue Atrium-Hotel, das den Hotelbetreibern der Region auf den Magen schlägt. In den nächsten Jahren sollen weitere große Kapazitäten im so genannten Eco-Square an der Pödeldorfer und in der Starkenfeldstraße entstehen. Müller spricht von "gesichtslosen Bettenburgen", die der Anziehungskraft des Tourismus folgend nach Bamberg kämen.

Es hagelt Absagen

Im Moment freilich gilt das glatte Gegenteil: Auch in Bambergs stehen die meisten Zimmer leer, müssen viele Hotels beispiellose Umsatzeinbußen hinnehmen. "Es finden praktisch keine Tagungen mehr statt. Die Gruppen fehlen. Weihnachtsfeiern werden abgeblasen, es hagelt Absagen", berichtet Müller. Für ihn und seine Kollegen bedeutet "Corona" existenzbedrohende Verluste. Häufig sei der fast vollständige Einnahmenrückgang nur durch den Rückgriff auf Ersparnisse oder durch neue Schulden auszugleichen. Selbst Bauruinen schließen Müller und seine Kollegen nicht aus.