• Bamberg: Krebskranke Mutter hat Zweitimpfung noch nicht erhalten
  • 42-Jährige muss zwei Negativtests pro Woche vorlegen - um zur Therapie zu dürfen
  • Sozialstiftung Bamberg schließt Corona-Teststation am Klinikum zum 1. Oktober
  • Obwohl Kasse die Kosten übernehmen würde: Schwerkranke Frau muss Tests künftig selbst zahlen 

In Bamberg könnten viele schwer kranke Menschen ohne vollständigen Impfschutz künftig vor einem weiteren Problem stehen. Denn das Hygiene Technologie Zentrum (HKT) schließt ab Freitag, 1. Oktober 2021, seine Corona-Teststation am Klinikum am Bruderwald. Gleichzeitig dürfen ambulante Patienten und Patientinnen derzeit nur mit 3G-Zutritt in dem Krankenhaus behandelt werden. Ab dem 11. Oktober müssen sie ihre Tests nicht nur mitbringen - sondern unter Umständen auch noch selbst zahlen.

Bamberg: Mutter schwer an Krebs erkrankt - Impftermin wegen Operation verschoben

Sandra Bozgeyik hat kein leichtes Jahr hinter sich. Im Februar, so erzählt sie inFranken.de, wurde bei ihr die Diagnose Brustkrebs festgestellt. Dann bekam sie zahlreiche Lymphknotentumore im Arm. Die dreifache Mutter und Großmutter von vier Enkelkindern wird seitdem am Klinikum Bamberg der städtischen Sozialstiftung mit einer Strahlentherapie behandelt. 

Bozgeyik müsse als ambulante Patientin fast jeden Tag der Woche in die Klinik. Weil im Bamberger Krankenhaus gemäß den bayerischen Corona-Schutzregeln die 3G-Regeln gelten, sei die Behandlung dort allerdings mit zusätzlichem Aufwand verbunden. "Ich hatte dieses Jahr zwei Operationen", erzählt sie. Die erste Impfung habe sie allerdings erst relativ spät erhalten - am 11. September 2021. "Mein Impftermin war eigentlich einen Tag vor der Operation, aber das wollte ich nicht, weil ich nicht wusste, wie ich reagiere."

Weil sie noch nicht vollgeimpft ist, muss Bozgeyik zweimal die Woche einen negativen Corona-Test vorlegen. "Bisher war das mit der Teststation vor Ort auch immer recht einfach", erzählt sie. Doch ab Freitag, 1. Oktober 2021, wird die Teststation geschlossen - "angeblich, weil nicht viele Testpersonen kommen - aber das stimmt nicht", schildert die 42-Jährige ihre Erfahrungen. 

"Viele werden ihre Therapie abbrechen": Patientin warnt vor Ende der Gratis-Tests 

Ab dann sind nicht nur Kneipenfans, sondern auch schwer kranke Patienten und Patientinnen also gezwungen, sich an privaten oder behördlichen Centern testen zu lassen, denn: "Selbsttests sind kein gültiger Nachweis", schreibt die Sozialstiftung auf ihrer Website. "Ich verstehe das nicht", sagt Bozgeyik. "Besonders nach einer Bestrahlung oder einer Reha-Behandlung soll man sich ja ausruhen, aber man ist nur noch unterwegs." 

Noch mehr Sorgen macht ihr, was passiert, nachdem die Kosten für Corona-Tests ab dem 11. Oktober nicht mehr vom Staat übernommen werden. "Warum macht man das bei kranken Menschen, dass dort noch Geld verlangt wird? Gerade Hartz-IV-Bezieher und Rentner können sich das ja gar nicht leisten. Ich denke, viele werden ihre Therapie abbrechen", vermutet die 42-Jährige. Bozgeyiks Impfung sei auf den 4. Oktober vorgezogen worden - und doch habe auch sie noch 20 Tage Therapie vor sich. 

Das Bundesgesundheitsministerium schätzt die Kosten der Schnelltests auf die Höhe der bisherigen Erstattungen - diese sind aber, gerade bei privaten Anbietern, nach oben offen. Derzeit zahlt der Bund 11,50 Euro für einen Schnelltest und 43,56 Euro für einen PCR-Test. Bisher wurde angekündigt, dass Personen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können oder an Autoimmunerkrankungen leiden, von der Kostenpflicht ausgenommen werden sollen. 

Teststation am Klinikum schließt: "Können es uns schlichtweg nicht leisten"

Allerdings würde die Barmer-Krankenkasse, bei der Sandra Bozgeyik versichert ist, auch nach dem 11. Oktober die Schnelltests übernehmen, sagt die 42-Jährige. Diese Möglichkeit sieht auch das Gesetz vor. Bestimmte Einrichtungen wie Krankenhäuser "können schon seit längerer Zeit Antigen-Schnelltests selbst beschaffen, nutzen und mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen", schreibt das Bundesgesundheitsministerium. In Bamberg wird dies allerdings nicht praktiziert, wie Susen Lindner, HKT-Geschäftsführerin, gegenüber inFranken.de bestätigt. 

"Das wäre viel zu teuer und der Aufwand wäre zu groß. Kein Krankenhaus kann jeden Patienten durchtesten", sagt Lindner, die für den Betrieb der Bamberger Testcenter verantwortlich ist. Ähnlich sei auch der Grund, warum man das Testcenter am Klinikum zum 1. Oktober schließe. "Wir können es uns schlichtweg nicht leisten. Wir hatten zwar letzte Woche ein Hoch beim Andrang, aber davor nur 20 bis 30 Tests am Tag. Jetzt müssten wir noch ein Kassensystem etablieren."

Dafür seien "unsere Mitarbeitenden überhaupt nicht geschult und es kostet Geld." Außerdem sei die Platzsituation am Klinik-Testcenter "sehr beengt". Lindner merkt man im Gespräch eine gewisse Resignation in der Stimme an. "Die Rahmenbedingungen werden zunehmend kompliziert, die Planungssicherheit für die Mitarbeitenden ist nicht da, es fehlt an Perspektive, die Kosten sind nicht gedeckt." 

"Verrückte Regelungen": Bamberger HTK-Chefin gibt Politik die Schuld am Test-Dilemma

Lindner sagt, es tue ihr leid, was auf Patienten und Patientinnen wie Sandra Bozgeyik nun zukomme. "Ich kann das total nachvollziehen, es ist eine Vollkatastrophe, dass das so schwer umzusetzen ist. Aber das ist eben eines der Konstrukte, die die Politik vergessen hat. Ich habe da aber tatsächlich auch keine Lösung für. Wir könnten in unserem Testcenter am Klinikum gar nicht die 100 Faktoren beachten, die da für bestimmte Konstellationen gelten." Die HKT-Geschäftsführerin spricht von "verrückten Regelungen". Die Sprecherin des Klinikums Bamberg, Brigitte Dippold, betont aber gegenüber inFranken.de, dass man sich "bei Notfällen nicht mit Tests aufhalten wird".

Auch wer stationär behandelt oder operiert werde, bekäme natürlich weiterhin einen PCR-Test und werde bis zum Ergebnis desselben isoliert. "Wir wollen uns ja kein Corona ins Haus holen." Allerdings: Es sei "ein Unterschied, wo der Laie und das Fachpersonal einen Notfall sehen. Wir verstehen darunter zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Atemstillstand. Eine Platzwunde mag zwar schlimm sein, ist aber kein Notfall", sagt Dippold.

Sandra Bozgayik hingegen sagt, sie habe Situationen erlebt, die sie nicht nachvollziehen könne. Kürzlich habe eine ungeimpfte Mutter mit Kleinkind vor der Klinik "Ewigkeiten auf einen Test gewartet, obwohl das Kind Verdacht auf eine Lungenentzündung hatte", berichtet sie. Ihr Wunsch: Das Testzentrum müsse weiter betrieben werden. "Da gehört definitiv was her. Meinetwegen nicht für die Kneipe und nur fürs Krankenhaus, aber es ist fatal wichtig." Ab dem 01. Oktober kann sie nur noch private Testcenter - oder das einzig verbliebene städtische Testzentrum am Bamberger ZOB nutzen. "Es liegt zentral und jeder kann es mit dem Bus erreichen", sagt HKT-Chefin Lindner. Doch selbst dieses sei nicht langfristig sicher: "Wir schauen erstmal, ob das mit dem Kassensystem überhaupt klappt." 

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