Bamberg
Erzbischof bezieht Stellung

"Traurig und bitter, aber leider erwartbar“: Katholikenzahl im Erzbistum Bamberg sinkt auf neuen Tiefstand

Im Erzbistum Bamberg hat die Zahl der Katholiken einen neuen Tiefstand erreicht. Erzbischof Schick bewertete die Statistik als "traurig und bitter, aber leider erwartbar". Demnach veranlassten sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch viele Gläubige zum Kirchenaustritt.
Bamberg: Katholikenzahl im Erzbistum sinkt auf neuen Tiefstand - "Traurig und bitter, aber leider erwartbar“
"Nicht alle Ausgetretenen haben ihren Glauben verloren", sagte Erzbischof Ludwig Schick. "Viele treten derzeit aus, um gegen die bekannten Missstände zu protestieren und Reformen zu erzwingen." Foto: Pressestelle Erzbistum Bamberg; Nicolas Armer (dpa) / Collage: inFranken.de
  • Erzbistum Bamberg: Katholikenzahl sinkt unter 630.000 - neuer Tiefstand
  • "Traurig und bitter, aber leider erwartbar“: Erzbischof Schick bezieht Stellung
  • Sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch enttäuschten demnach viele Gläubige
  • "Ausgetretene sind nicht abgeschrieben“: Schick hofft auf Rückkehr von Kirchenmitgliedern

Die Zahl der Katholiken im Erzbistum Bamberg ist im Jahr 2021 auf den Tiefststand von 629.393 gesunken. Das erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg am Montag (27. Juni 2022) in einer Pressemitteilung. Der Zahl der Taufen (4114), Eintritte (46) und Wiederaufnahmen (124) standen demnach 7287 Bestattungen und 10.261 Austritte gegenüber. Dies gehe aus den statistischen Zahlen hervor, die am Montag von allen katholischen Diözesen sowie von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht worden seien.

Bamberger Erzbischof: Sexueller Missbrauch enttäuscht viele Gläubige und bringt sie zu Kirchenaustritt

Erzbischof Ludwig Schick bewertete die Statistik als "traurig und bitter, aber leider erwartbar". Die Veröffentlichung der Missbrauchsgutachten in zwei großen deutschen Erzbistümern, die die sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch sowie das Versagen von Verantwortungsträgern der Kirche erneut ins Bewusstsein gebracht hätten, enttäuschten viele gläubige Menschen und brächten sie zum Austritt, heißt es in der Pressemitteilung der Diözese.

"Nicht alle Ausgetretenen haben ihren Glauben verloren", sagte Schick. "Viele treten derzeit aus, um gegen die bekannten Missstände zu protestieren und Reformen zu erzwingen. Auch sie wollen letztlich die Kirche erneuern und erhalten." Erzbischof Schick forderte vor allem die Seelsorgenden, aber auch alle Aktiven in der Kirche auf, die ausgetretenen Christen nicht aus den Augen zu verlieren und weiter für sie da zu sein: "Ausgetretene sind nicht abgeschrieben! Wir möchten Kontakt zu ihnen halten, sie sind uns wichtig. Die Tür bleibt offen."

Erfreut zeigte sich der Erzbischof der Pressemitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats zufolge, dass auch die Anzahl der gespendeten Sakramente nach dem coronabedingten Rückgang wieder deutlich gestiegen sei. Demnach erhöhte sich die Zahl der Trauungen um 74,1 Prozent auf 644. Die Zahl der Firmungen stieg um 210 Prozent auf 4372 und war damit laut Angaben des Ordinariats so hoch wie zuletzt vor sieben Jahren

"Hoffnungszeichen gibt es": Kirchliche Schulen und Kindergärten finden laut Schick großen Zuspruch

Auch bei den Erstkommunionen wurde mit einem Anstieg von 17,0 Prozent auf 4563 wieder die Zahl von vor der Pandemie erreicht. Die Zahl der Taufen stieg um 34,4 Prozent auf 4114. Der Anteil der Gottesdienstbesucher betrug 5,0 Prozent, was auch auf die Corona-Maßnahmen zurückzuführen sei. "Viele Gläubige verfolgten die Gottesdienste per Livestream, was jedoch statistisch nicht erfasst werden kann", heißt es vonseiten des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg. Die Zahl der im Erzbistum aktiven Priester sank von 232 auf 223. 

"Derzeit stellen wir fest, dass das kirchliche Leben in Schwung kommt. Fronleichnam, Pfarrfeste, Wallfahrten finden mit großer Beteiligung statt", so der Erzbischof.  Die kirchlichen Schulen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen fänden großen Zuspruch. "Hoffnungszeichen gibt es", sagte Schick. 

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