Es muss wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Bekanntgabe der Nordbayern-Initiative der Staatsregierung gewesen sein, als endlich auch das Konzeptpapier aus Bamberg eintrudelte. Nach einer lediglich zweieinhalbseitigen und von Heimatminister Markus Söder (CSU) mit öffentlicher Kritik bedachten Erstbewerbung enthält das neue Papier weitreichende Pläne für die Zukunft der Lagarde-Kaserne.

Dabei geht es um die Ansiedlung eines Logistikzentrums der Bereitschaftspolizei und der Justiz, ein "Anwenderzentrum" für die Gesundheitswirtschaft, ein IT-Quartier und die Errichtung eines Kammermusiksaales für die Bamberger Symphoniker im früheren Reitsaal - alles auf dem Gelände der Lagarde-Kaserne.

Doch leider kam die Bamberger Offensive zu spät, um noch für das Nordbayern-Paket Berücksichtigung zu finden. Am Dienstag vergangener Woche verkündete die Staatsregierung, wer alles zu den Profiteuren des Millionenregens zählt. Es ist nicht so, dass Bamberg nicht dabei wäre. Ganz im Gegenteil: Bambergs Otto-Friedrich-Universität hat Anteil an der neu zu schaffenden Technologieallianz Oberfranken, einer mit immerhin 85 Millionen Euro geförderten Kooperation aller vier oberfränkischen Universitäten und Hochschulen.

Bambergs Uni erhält außerdem das Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften, ein mit hohen Erwartungen verknüpftes Fünf-Millionen-Euro-Projekt.

Aber sonst? Von den rund 235 Millionen Euro, die das Heimatministerium allein über Oberfranken ausschüttet, landet in der westoberfränkischen Metropole vergleichsweise wenig. Fünf Millionen für die Instandsetzung der Neuen Residenz, eine Pflichtaufgabe des Freistaats, die sich bescheiden gegen den Sanierungsbedarf etwa der Feste Marienberg in Würzburg mit 36 Millionen Euro ausnimmt.

Auch sonst taucht Würzburg deutlich häufiger auf als etwa Bamberg. Die unterfränkische Metropole punktet mit sieben (!) Projekten und Einrichtungen an der Uni oder uninahen Instituten für rund 60 Millionen Euro. Bayreuth erhält rund 14 Millionen alleine für sein Fraunhofer-Institut, zusätzlich weitere 19 Millionen für das markgräfliche Opernhaus und vier Millionen für ein Kompetenzzentrum neue Materialien. Hofs Hochschule kann 17 Millionen Euro in sein Forschungsprojekt Wasser umlenken, Kronach 42 Millionen Euro für die Teilverlagerung einer Fachhochschule aus Herrsching. Auch Erlangen profitiert massiv: 72 Millionen Euro fließen in ein Helmholtz-Institut und das Max-Planck-Centrum für Physik und Medizin.

OB sieht "Licht und Schatten"

In Bamberg fällt das Echo unterschiedlich aus. IHK-Präsident Heribert Trunk, Mitglied einer Expertengruppe, die das Entstehen der Nordbayern-Initiative seit eineinhalb Jahren begleitet hat, ist nicht überrascht über das eher unterdurchschnittliche Abschneiden der Stadt. "Bamberg wurde mehrfach von Minister Söder und Staatssekretär Füracker eingeladen sich zu bewerben. Aber wo keine Konzepte sind, kann der Staat nicht unterstützen."
Keinen Grund für Vorhaltungen erkennt OB Andreas Starke (SPD). Er verweist auf das vorgelegte Konzeptpapier für das Konversionsgelände, bei dem man den Freistaat unabhängig vom Nordbayernplan um Unterstützung bitte. Was das Ergebnis des letzte Woche verkündeten Millionensegens angeht, sieht Starke "Licht und Schatten". Er habe Verständnis dafür, dass strukturschwache Regionen mehr Unterstützung finden als das boomende Bamberg.

Warum das Konzeptpapier für das Gelände der Lagardekaserne dem Kabinett nicht schon ein halbes Jahr früher vorgelegt wurde, darauf weiß freilich auch der seit Mai amtierende Bürgermeister Christian Lange (CSU) keine Antwort. Das müsse man den OB und die Abgeordneten fragen. Allerdings ist er zuversichtlich, dass es im zweiten Anlauf gelingt, den Freistaat von der Sinnhaftigkeit des Konversionsvorhabens zu überzeugen. "Wir haben uns mit der Universität und anderen Beteiligten abgestimmt und ein schlüssiges Konzept vorgelegt."