Mehrere Zettel mit fragwürdigen Aussagen hängen seit Wochen im Schaufenster eines Bamberger Naturkostladens, deutlich sichtbar neben einem Logo der Bio-Marke "Demeter" auf der Schaufensterscheibe. Der Inhalt der Zettel ist unter anderem: "Zwangsimpfen? Chips in alle Menschen? Gib GATES keine Chance. Sagt NEIN! Die 99 % Bewegung", sowie die Aussage "Corona ist eine Inszenierung und der Shutdown war unnötig", welche auf eine Aussage von Stefan Homburg, Professor für Öffentliche Finanzen der Universität Hannover, anspielt.

Homburgs Aussage: Man müsse kein Mediziner sein, um die Daten zu verstehen: Laut den Zahlen des "Robert-Koch-Instituts (RKI)" sei der Lockdown unnötig gewesen – und müsse deshalb beendet werden. Die Bundesregierung habe das schon lange gewusst. Das berichtet die Welt. Die "99% Bewegung" wiederum verbreitet die Aussage, dass die reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung Krieg gegen die übrigen 99 führen und verbreitet alleine auf ihrer Facebook-Seite unter anderem Verschwörungstheorien darüber, dass sogenannte Chemtrails die Menschen vergiften sollen. 

Aushängen in Bamberger Bioladen: Demeter distanziert sich

Über die Aushänge, die einzelne Verschwörungstheorien unterstützen, berichtete zuletzt (2. Juni 2020) auch die taz.  Zuletzt habe auch der Geschäftsführer der Biohersteller "Rapunzel und Zwergenwiese" Aufsehen erregt, weil er die Gefahr durch Corona herunterspiele und Impfungen sowie andere Vorbeugemaßnahmen wie Maskentragen ablehne, so der taz-Autor.

"Demeter" sei bereits am 8. Mai über die Aushänge in Bamberg neben dem Anbauverbandslogo per E-Mail von Passanten  informiert worden, anschließend habe sich allerdings für zwei Wochen nichts getan. "Die erste Mail einer Privatperson in unseren Presse-Posteingang ist uns in der Tat leider durchgerutscht, allerdings haben wir auf die zweite Anfrage derselben Person (zwei Wochen später) noch am selben Tag geantwortet und uns von den Aussagen auf den Aushängen distanziert", antwortete die "Demeter"-Pressesprecherin  umgehend auf eine Anfrage von inFranken.de.

"Wir distanzieren uns in aller Klarheit von diesen Aushängen und jeglichen Verschwörungstheorien zu Corona. Wir sehen die Corona-Pandemie als eine ernstzunehmende Krise und 'Covid-19' als eine Krankheit mit hohen Risiken, daher raten wir als Verband unseren Mitgliedern, sich an die Hinweise der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu halten", heißt es dort weiter.

Am Mittwochvormittag (3. Juni 2020) hingen besagte Ausdrucke nach wie vor an der Frontscheibe des Naturkostladens. "Demeter" dazu: "Wir sind bereits dagegen vorgegangen und haben den betroffenen Laden mit einer Unterlassungsaufforderung aufgefordert, das Demeter-Logo zu entfernen. "

Es gehe um zwei verschiedene Angelegenheiten, sagt der Inhaber

Werner Müller, Inhaber von "Naturkost Schatzkiste", äußerte sich am Mittwoch zu der Stellungnahme von "Demeter": "Bei dem Streit geht es um zwei Dinge, die nicht zusammenhängen." Als er für seinen Laden vor einigen Jahren Aktiv-Partner von "Demeter" geworden sei, habe er Schriftzüge und weitere Vorlagen für die Nutzung im Geschäft zugeschickt bekommen. Nachdem er diesen Vertrag  allerdings gekündigt hatte, habe er Logo und Schriftzug in mündlichem Einverständnis mit Demeter hängen lassen dürfen, so Müller.

In den vergangenen Jahren habe sich aber scheinbar etwas an der Satzung geändert, er müsse das Logo nun grundsätzlich von seiner Schaufensterscheibe entfernen und sei darüber nicht in Kenntnis gewesen. "Demeter ist jetzt erst darauf aufmerksam geworden", sagt er, daher die Unterlassungsaufforderung.

Das Demeter-Logo wolle Werner Müller nun entfernen. Ob die Ausdrucke hängen bleiben? "Das müssen wir beobachten, wie es jetzt weitergeht", sagt er zu inFranken.de. Die Polizei sei bereits an seinem Laden gewesen und habe die Ausdrucke abgesegnet. Näher wollte er inhaltlich nicht auf die Zettel eingehen.