Das Bamberger Ankerzentrum (AEO) ist deutlich über der Belastungsgrenze, wie inFranken.de bereits im September berichtete. Zum 24. Oktober 2022 waren laut der Stadt Bamberg etwa 2287 Menschen in der AEO untergebracht. Im Resolutionstext an die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bringt es die Stadt auf den Punkt:

"Diese Zahl führt zu einer Situation, die sowohl für die untergebrachten Geflüchteten, als auch für die Anwohnenden und die Bamberger Zivilgesellschaft nicht länger tragbar ist." Deshalb soll das Ankerzentrum laut Forderung zum Ende des Jahres 2025 schließen. Stattdessen solle der Freistaat eine dezentrale Unterbringung der Geflüchteten ab 2026 vorbereiten.

Steht Ende des Bamberger Ankerzentrums bevor? Stadt fordert "grundlegende organisatorische Änderungen"

Die Stadt Bamberg äußert sich in einer aktuellen Pressemitteilung klar: "Wir erwarten einerseits klare Verbesserungen in der jetzigen Situation, die durch den rapiden Anstieg der Unterbringungszahlen für alle Beteiligten untragbar geworden ist", betont Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). "Andererseits erinnern wir an die Zusage des Freistaats, die Einrichtung mit Ablauf des Jahres 2025 zu schließen, und fordern hier entsprechende Vorbereitungen."

Aktueller Anlass für die Resolution sei die zuletzt doppelt so hohe Zahl an untergebrachten Flüchtlingen in der AEO. Dies führe aufgrund der Anzahl und Dichte der Belegung zu Spannungen innerhalb dieser, aber auch zu Problemen mit der Nachbarschaft im Umfeld. Hinter den Forderungen stünden die aus dem Wahlkreis Bamberg stammenden Bundestagsabgeordneten Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen) und Andreas Schwarz (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Ursula Sowa (Bündnis 90/Die Grünen).

Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp (Grüne) stellt klar: "Die Stadt Bamberg wird weiter alles tun, um solidarisch gegenüber den Geflüchteten zu sein, dazu braucht es aber grundlegende organisatorische Änderungen des Freistaats Bayern, damit die Situation geschultert werden kann."

Stadt fordert dezentralere Unterbringung  - "Ankommen ermöglichen"

In der Resolution heißt es: "Der Bamberger Stadtrat fordert den Freistaat daher auf, eine Verstärkung der Anstrengungen zu unternehmen, um eine Maximalbelegung von 1500 Personen wiederherzustellen. Dazu ist es notwendig, dass ab sofort die Zahl der monatlichen Abgänge, die Zahl der Zugänge in der AEO übersteigt."
 
Zudem vermisse die Stadt Bamberg Anstrengungen vonseiten des Freistaates, die dezentralere Unterbringung von Geflüchteten nach dem "'unwiderruflichen Ende mit Ablauf des Jahres 2025' (Gemeinsame Erklärung des Freistaates Bayern und der Stadt Bamberg) in Oberfranken zu organisieren und rechtzeitig vorzubereiten". Dazu müssten "bereits heute in anderen Städten und Gemeinden Maßnahmen ergriffen werden, um die Unterbringung nach Schließung der Einrichtung im Jahr 2025 vornehmen zu können", heißt es weiter.

Oberfranken sei (Stand heute) neben Unterfranken der einzige Regierungsbezirk, in der Ankereinrichtungen in dieser Größe fortbestünden. Der Bamberger Stadtrat bekräftigt "seine Bereitschaft, Geflüchteten auch über die gesetzlichen Quoten Integration und soziale Teilhabe zu gewährleisten. In der dezentralen Unterbringung und in den Gemeinschaftsunterkünften übererfüllt die Stadt Bamberg weiter alle Aufnahmequoten nach dem Königsteiner Schlüssel und ist auch bereit, dies in Zukunft weiter zu tun, um Geflüchteten ein Ankommen zu ermöglichen", schließt die Erklärung ab.

Vermehrte Frustration bei Bamberg Flüchtlingshelfern - "versuchen abzufedern"

Neben Nancy Faeser richte diese sich an den Vorstandssprecher der BiMa (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), Christoph Krupp (SPD) und die Staatsministerin Reem Alabali-Radovandie (SPD, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration). Außerdem an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und alle Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Region. 

Bei der Forderung nach einer planmäßigen Schließung der Einrichtung Ende 2025 sehe sich die Stadt auf einer Linie mit den Flüchtlingsverbänden und Engagierten in Bamberg, wie etwa Freund statt Fremd und den Wohlfahrtsverbänden.

Diese würden laut Glüsenkamp "die Auswirkungen der Überbelegung der AEO durch erstklassige soziale Arbeit in der Stadt Bamberg und ein nicht müde werdendes Engagement noch irgendwie versuchen abzufedern". Bedenklich stimme jedoch, dass bei den Flüchtlingshelfern vermehrt Frustration aufkomme, schreibt die Stadt Bamberg.