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Einsatz

Vermeintliche Verkehrskontrolle: 17-Jähriger gibt sich auf A3 gegenüber Autofahrer als Polizist aus

Die Polizei nahm Dienstag im Landkreis einen Teenager fest. Er war ohne Fahrerlaubnis auf der A3 unterwegs und wollte "als Polizist" einen Autofahrer kontrollieren.
 
Auf der A3 wollte ein 17-Jähriger,  der sich als Polizist ausgab, einen Autofahrer kontrollieren. Symbolfoto: Patrick Seeger  dpa
Auf der A3 wollte ein 17-Jähriger, der sich als Polizist ausgab, einen Autofahrer kontrollieren. Symbolfoto: Patrick Seeger dpa

Die Chance darauf, im richtigen Leben Polizist zu werden, dürfte sich für einen Teenager nach seiner Dienstagsaktion (13. Oktober 2020) doch enorm verringert haben: Das "Polizei-Spielen" hat für den jungen Mann vermutlich ein Nachspiel, das er nicht vergisst. Auf der Autobahn A 3 hat er einen Autofahrer aus Albanien angehalten und "kontrolliert".

Intensive Ermittlungen der Verkehrspolizei Würzburg sowie der Polizeiinspektion Bamberg-Land haben in enger Abstimmungen mit der Staatsanwaltschaft Würzburg schließlich zur Festnahme eines jungen Mannes im Landkreis Bamberg geführt.

Junger Mann gibt sich als Polizist aus und kontrolliert Albaner

In den frühen Morgenstunden des Dienstages hatte sich der Teenager auf der Autobahn A 3 bei Würzburg als Polizeibeamter ausgegeben hatte. Wie es im Bericht der Polizei weiter heißt, war gegen 1.30 Uhr ein albanischer Staatsangehöriger mit seinem Ford auf der Autobahn A 3 in Fahrtrichtung Nürnberg unterwegs.

Kurz vor dem Parkplatz Sandgraben-Süd schaltete der Fahrer eines vor ihm fahrenden BMW ein mobiles, auf dem Dach montiertes Blaulicht ein. In der Annahme, dass es sich um eine Polizeikontrolle handeln müsse, folgte der 30-Jährige dem BMW auf den Parkplatz. Anschließend stiegen eine männliche und eine weibliche Person aus dem Fahrzeug, zeigten einen vermeintlichen Polizeiausweis und forderten von dem Albaner Führerschein und Fahrzeugschein. Weil ihm dies jedoch ziemlich unprofessionell vorkam, wurde der "Kontrollierte" schnell misstrauisch und kündigte an, den Notruf der "echten" Polizei zu wählen.

"Polizisten" auf der Flucht

Daraufhin ergriffen die beiden "falschen" Polizisten die Flucht und fuhren auf der Autobahn davon. Pech für sie: Der "Kontrollierte" merkte sich das Kennzeichen des flüchtenden BMW und gab dieses an die bereits verständigten Polizisten weiter. Zudem war dem Albaner aufgefallen, dass der männliche "Polizist" eine Schusswaffe in einem Oberschenkelholster trug.

Die sofort eingeleitete Fahndung mit mehreren Streifen verlief zunächst ergebnislos. Die Nachforschungen der Beamten der Autobahnpolizei Würzburg führten jedoch schnell zu einem 17-Jährigen in den Landkreis Bamberg. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Würzburg erließ das Amtsgericht Würzburg noch am Mittwoch einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des jungen Mannes.

Im Rahmen der Fahndung konnte der Jugendliche schließlich am Dienstagnachmittag mit dem Auto fahrend im Landkreis Bamberg vor einem Wohnanwesen angetroffen und von Einsatzkräften der Operativen Ergänzungsdienste Bamberg unter Leitung der Polizei Bamberg- Land festgenommen werden.

Ohne Fahrerlaubnis unterwegs

Bei der folgenden Durchsuchung wurden zahlreiche Beweismittel sowie eine erlaubnisfreie Druckluftwaffe gefunden, die einer scharfen Schusswaffe jedoch täuschend ähnlich sieht. Der Landkreisbewohner, der außerdem nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis ist, muss sich nun wegen einer Vielzahl von Straftaten verantworten. Die weiteren Ermittlungen, insbesondere hinsichtlich der noch unbekannten Frau, werden von der Polizeiinspektion Bamberg-Land geführt.

Wie die Recherchen dieser Redaktion ergaben, soll der Jugendliche bereits öfter ohne Führerschein in Leihwagen unterwegs gewesen sein, die seine Großeltern für ihn angemietet hatten. Eine Anwohnerin aus dem Ort berichtet auch von mehreren Anzeigen gegen den jungen Mann, die bislang alle ohne sichtbare Folgen geblieben sein sollen. Weil die Leihautos zumeist am Spielplatz geparkt worden seien, herrsche Angst, dass bei den Auto-Eskapaden des 17-Jährigen ein Unbeteiligter zu Schaden kommen könnte.

Eigentlich müsste hier professionelle Hilfe greifen, findet eine 42-jährige Mutter, die bisweilen auch beobachtet hat, dass der 17-Jährige bei seinen Spritztouren weitere Jugendliche im Auto sitzen hatte. Die Rede ist zudem von diversen Fahrzeugen, die bei den Touren zu Schaden gekommen waren. "Man kann doch nicht mehr wegschauen," findet sie wie weitere Bewohner.

Bessere Prävention!

Das, was da am Dienstag bei der A 3 geschehen ist, hat schon fast das Zeug für einen Filmausschnitt: Der Außenstehende nimmt das Geschehen in einer Mischung aus Ungläubigkeit und bassem Erstaunen zur Kenntnis. Über den Film könnte man gut unterhalten schmunzeln, das Geschehen in der Realität lässt einem aber den Atem stocken. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können. Es bleibt die Frage, was ist geschehen, dass sich ein junger Mann so über alle Gesetze hinwegsetzt? Dass niemand ihm Einhalt gebietet. Niemand Werte und Normen so zu vermitteln verstanden hat, dass sie auch verinnerlicht und vor allem akzeptiert worden sind.

Der junge Mann hat noch sein ganzes Leben vor sich und sollte auch was daraus machen. Darauf wird in dem nun Folgenden, wenn es vor Gericht landet, ein wesentliches Augenmerk liegen. Was berechtigt ist. Berechtigt ist aber auch das Interesse, andere Menschen zu schützen. Schade, dass unsere Rahmenbedingungen hier so sind, dass oft erst etwas passieren muss, bis offiziell gehandelt werden darf. Es müsste effektivere Möglichkeiten geben, wirklich Prävention zu betreiben. Das wird wohl noch lange eine Herausforderung bleiben. Für manche zu lange.