Bürgermeister, Politiker und Pfarrer haben es im Fasching nicht leicht. Nicht selten werden sie in der Bütt verspottet und durch den "Kakao" gezogen. Doch den Betroffenen bleibt, wenn sie persönlich anwesend sind, nicht viel mehr übrig als gute Miene zu zeigen und trotzdem zu lachen. Doch es geht auch anders, wie Burgebrachs Bürgermeister Johannes Maciejonczyk (CSU) zeigte.

Anstatt geduldig während der Prunksitzung in der ausverkauften Steigerwaldhalle in der ersten Reihe zu sitzen und sich die Faschingsschelte anzuhören, ergriff er getreu dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" die Initiative und stieg selbst in die Bütt. Dadurch konnte er den Spieß umdrehen und ungeniert über seine Gemeinde lästern.


Im hautengen Anzug

Als Drahtseilartist - er passte sich damit dem Motto der diesjährigen Prunksitzung "Manege frei!" an - im hautengen Sportanzug wetterte er heiter von der Bühne. So entlarvte er beispielsweise dem Domkapitular Norbert Jung als Verkehrssünder, der drei Monate seinen TÜV am Auto überzogen hatte. "Doch das ist für ihn kein Problem. Denn wenn ihn die Polizei anhält, kann er immer noch sagen: mein TÜV ist nicht von dieser Welt!", scherzte Maciejonczyk.

Alt-Bürgermeister Georg Bogensperger will er hingegen vor dem Kindergarten ohne Schuh und dafür mit alter Arbeitshose gesehen haben und auch das "Geheimnis" über den heimlich gefällten Baum in der Gemeinde konnte er aufklären: "Er ist nun direkt in den Himmel aufgefahren. Allerdings nicht an Ort und Stelle, sondern im Kamin irgendwo anders."

Höhepunkt seines Vortrags jedoch war zweifelslos Helene Fischers umgedichtetes "Atemlos durch Burgebrach". Das Publikum war davon derart begeistert, dass Johannes Maciejonczyk es gleich zweimal zum Besten geben musste und Ende selbst ganz atemlos war.

Doch trotz der Initiative und der gelungene Büttenrede - so ganz ungeschoren kam auch Burgebrachs Bürgermeister nicht davon. Er wurde unfreiwillig zum TV-Star und fand sich plötzlich auf der Wettcouch von "Wetten Dass ...???" wieder. Allerdings nur als Double und von den Burgebrachern Kerwasburschen und -madla in Szene gesetzt.

Den "Löwenanteil" der Fastnacht-Schelte in Burgebrach jedoch musste dieses Jahr die "hohe Geistlichkeit" einstecken. Vor allem Alfons Schreiner und Adalbert Jäger zogen kräftig über Burgebrachs Pfarrer Bernhard Friedmann her. "Warum blickt der Pfarrer bei jeder Messe stets an der Gemeinde vorbei aufs bunte Fenster? Ob der Heilige Geist ihm so seine Rede für die Predigt offenbart?"

Diesen und ähnlichen Fragen ging Alfons Schreiner als Leierkasten-Sänger auf den Grund. Er plauderte aber auch so manch peinliche Geschichte rund ums Pfarrhaus aus und ernte dafür am Ende viel Beifall.

Beste Stimmung im Saal

Zwischen den Büttenreden und Sketchen sorgten während der viereinhalbstündigen Prunksitzung auch jede Menge Tanzeinlagen für beste Stimmung im Saal. So schüttelten die Oberharnsbacher Frauen ihren Speck weg, die Dienstagsturner strippten bis aufs Handtuch, die Oberharnsbacher Männer rockten in Strapsen den "Time Warp" aus dem Film "The Rocky Horror Picture Show" und auch der Gesangsverein ließ die Hosen runter. Naja, zumindest drei Mitglieder. Denn nur so konnten sie mit des "Mannes bestem Stück" sehr zum Entzücken der weiblichen Gäste emsig auf dem Piano klimpern ...