Der Ältestenrat des Stadtrats hat in dieser Woche eine große Chance verpasst. Zwar ging es dem Gremium darum, einen Weg zu finden, Licht in den mutmaßlichen Rathaus-Skandal um rechtlich fragliche Boni-Zahlungen zu bringen. Doch haben sich die im Ältestenrat versammelten Fraktionschefs gleichzeitig von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) dazu verleiten lassen, dass die Stadt Strafanzeige gegen unbekannt wegen Geheimnisverrats stellt. Ein fatales Zeichen.

Mag es datenschutzrechtlich und juristisch grundsätzlich richtig sein, eine solche Anzeige zu stellen, setzt die Vorgehensweise in diesem Fall aber vor allem politisch eine völlig falsche Note. Denn ohne den Whistleblower, der den Bericht an die Presse durchgestochen hat, gäbe es wohl keine so schonungslose Aufklärung, wie sie jetzt erfolgt.

Daten von Mitarbeitern sind genauso zu schützen wie die von Bürgern, das ist klar. Nicht alles darf nach außen gelangen. Hier zeichnet sich womöglich aber ein Skandal besonderer Dimension ab, bei dem nicht der Eindruck entstehen darf, dass der Datenschutz über dem Aufklärungsinteresse der Öffentlichkeit steht.

Dass der Ältestenrat keine Einwände gegen die Strafanzeige hervorgebracht hat, ist somit politisch falsch. Und hilft weder dem Oberbürgermeister, noch der Verwaltung und schon gar nicht dem Stadtrat, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Doch geht es gerade auch darum.

Es wäre ein wichtiges Signal gewesen, den Fokus zunächst allein auf die Aufarbeitung der im Bericht des Kommunalen Prüfungsverbands beanstandeten Zahlungen von Boni und Überstundenpauschalen zu setzen. So wird der vorhandene Aufklärungswille wieder verwaschen.

Das unglückliche Agieren des Ältestenrats reiht sich ein in die Verfehlungen und das ungeschickte Handeln des Stadtoberhaupts. Der OB ist durch die Boni-Affäre, das ungelenke "Maskengate" und seine laxe Handhabung des Datenschutzes bei der Herausgabe von Bürgerdaten zu SPD-Wahlkampfzwecken geschwächt wie nie. An seinem Stuhl hat bislang aber niemand gerüttelt. Derjenige, der als Erster den Rücktritt Starkes fordert, hätte es auch nicht leicht: Der Königsmörder ist meist nicht gerade beliebt.

Doch hat Starke die erste Druckwelle nach dem Jahreswechsel auch wegen der besonderen Konstellationen überstanden: Bei einem Rücktritt des Oberbürgermeisters wäre längst nicht ausgemacht, dass bei Neuwahlen der in der Boni-Sache unverdächtige grüne Bürgermeister Jonas Glüsenkamp zum Oberbürgermeister gewählt werden würde. Er ist dazu noch zu frisch im Amt, wären es zwei Jahre mehr - wer weiß, ob nicht der ehrgeizige Politiker den Griff zur Macht wagen würde.

Ähnlich sieht es bei der CSU aus: Ursula Redler ist noch Stadträtin für die Bamberger Allianz, arbeitet aber bereits als Vize-Fraktionschefin eng mit den Christsozialen zusammen - auch sie hat großes Potenzial, einmal den Chefposten im Rathaus zu besetzen. Doch ist sie ebenso noch zu unbekannt - und die CSU mit sich selbst beschäftigt. Der Kreisverband muss sich derzeit neu sortieren.

Schließlich wäre da auch noch ein anderes politisches Schwergewicht, das einen neuen Dreh bei der CSU reinbringen könnte: Melanie Huml. Sie ist immer noch mit großen Sympathie- und Bekanntheitswerten in Bamberg ausgestattet. Doch käme auch für Huml eine Neuwahl nicht gerade zur besten Zeit, da sie als wegen schlechten Krisen-Managements abgesägte bayerische Gesundheitsministerin in einem OB-Wahlkampf aktuell angreifbar wäre.

Starke kann bei diesen Machtkonstellationen hoffen, dass er die Fehltritte und Versäumnisse mit einem blauen Auge übersteht. Allerdings dürfen ihm dabei keine Fehler mehr passieren.

Vor allem auch deshalb nicht, weil seine SPD außerhalb der Fraktion bislang auffallend still ist. Öffentliche Unterstützung für den angeschlagenen Oberbürgermeister sieht jedenfalls anders aus.