"Die Babette ist gerade zum Einkaufen." Diesen Satz glaubt man zu hören, wenn man das kleine Haus in der Schulgasse 2 betritt. Gerade so, als ob Babette Wagner, die letzte Bewohnerin des Anwesens nur mal eben schnell die Wohnung verlassen habe. Doch die ist schon lange ausgezogen. "Ihren letzten Lebensabschnitt verbrachte sie im Seniorenzentrum in Strullendorf und verstarb im Alter von 96 Jahren am 11. Mai 2010", so hat das der Heimatkundliche Verein Zeegenbachtal aufgeschrieben.

Was jetzt folgen würde: Langer Leerstand und der Abriss des Gebäudes. Doch: Es kam anders. Mittlerweile herrscht wieder Leben im alten Gemäuer. Dank der Gemeinde, die das inzwischen denkmalgeschützte Anwesen 2006 kaufte
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Heute ist es eines der ältesten erhaltenen Häuser im Ort. Vor einem Jahr wurde es fertig renoviert und eingerichtet. Inzwischen könnte der Besucher tatsächlich glauben, dass Babette nur schnell aus dem Haus ist, so erzählen jedenfalls die Vereinsmitglieder ganz gerne.

"Hier war es immer armselig", sagt Andrea Spörlein, die Beisitzerin im Zeegenbachtal-Verein und Gemeinderätin ist. "Mein Großvater kommt aus dem Haus", erzählt Spörlein. Was ihr Interesse am Erhalt des Gebäudes erklärt - wobei: Das Haus, in dem sie noch als Fünfjährige zu Besuch war, hat sie gar nicht in so guter Erinnerung: "Es war immer dunkel hier." Die Decken niedrig, die Fenster zugig, die Mauern dick. Das Haus vermittelt einen Eindruck, wie über Jahrzehnte gelebt wurde.


Erbaut im 17. Jahrhundert

So ein Haus atmet Geschichte: Im Kern ist es bereits 337 Jahre alt. Es sei eines der wenigen Anwesen, das die Brandschatzung durch die französischen Truppen im Jahr 1796 überstanden hatte.

Erste Veränderungen an dem kleinbäuerlichen Anwesen, die der Verein auflistet, entstanden im 19. und 20. Jahrhundert. Die Außenwände wurden damals durch Steinwände ersetzt und die Decken über dem winzigen Stall erneuert. Später wurde der Stall auch als Wohnbereich genutzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es noch einmal eine Modernisierung. Danach geschahen wohl keine größeren Arbeiten mehr. Das Anwesen war abbruchreif, als es die Gemeinde übernahm. Der Erhalt war freilich im Gemeinderat umstritten. Das Gebäude hätte Platz machen können für Parkplätze mitten in der dichten Bebauung von Strullendorf.

Um das Anwesen zu erhalten, war laut Vorsitzendem Karl Körner die Gründung des Vereins unumgänglich. Das geschah 2011. Dann folgte die bisher letzte Sanierung des alten Gemäuers ab 2012. "Die Substanz zu erhalten, war das Primäre, davon war nicht mehr viel da", sagt Körner. Die rund 350.000 Euro Umbau-Kosten wurden mit 80 Prozent gefördert.

Auf dem Dach finden sich sogar die Ziegel des alten Strullendorfer Rathauses wieder, das in der Vergangenheit einem Neubau gewichen ist. Zweiter Vorsitzender Michael Müller hatte die Idee zur Zweitverwertung der Dachabdeckung: "Die hatten schon Patina."


Es soll kein Museum sein

Am Tag des Denkmals im vergangenen Jahr konnte das Haus erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Es wird mit Leben gefüllt: "Es soll kein Museum sein", sagt Vorsitzender Körner. Der Verein organisiert Ausstellungen und mehr, die Strullendorfer teilen dort ihre Erinnerungen. Wie die Vereinsmitglieder erzählen, werden von der Bevölkerung auch ständig neue Einrichtungsgegenstände, Heiligenbilder, Kruzifixe, Gebetsbücher angeboten.
Nach Generationen, die in diesem Haus über mehr als 300 Jahre gelebt hatten, soll der historische Kulturhof, so heißt es im Leitbild des Vereins, ein offenes Haus sein, das von allen Bürgern und Vereinen genutzt werden kann.
Der Heimatkundliche Verein pflegt diesen steinalten Zeitzeugen. Der Beweis: Auch manche Häuser dürfen "alt werden in Franken".