Musik ist für ihn wie Sex, sagt Andrew James Witzke. "Manchmal ist es hart, manchmal ist es weich, aber es ist immer gut." Wenn das stimmt, hat der gebürtige Amerikaner seit über 20 Jahren ein sehr erfülltes Sexualleben.

Angefangen hat alles ganz klein: 1985 kam Andrew als Soldat der US-Army nach Nürnberg. Hier lernte er seine erste Frau kennen, die gemeinsamen Töchter Shawna und Rhea sind heute 25 und 26 Jahre alt. 1991 quittierte er seinen Dienst beim Militär. Doch in seine Heimat Portland, Oregon, zurückzukehren, stand für Andrew nie zur Debatte: "Ich wollte immer, dass meine Kinder hier aufwachsen. Ich finde es in Franken viel schöner zum leben als in den USA."




Also blieb er. Und war nach seiner Militärzeit erst einmal orientierungslos. "Ich hab' so vieles gemacht. Im Straßenbau gearbeitet, Pizza gebacken, die Toiletten in einem Schwimmbad gereinigt.
Dann habe ich eine Umschulung zum Bürokaufmann gemacht, bei einer Plattenfirma und in einer Pressestelle gearbeitet." Aber glücklich machte ihn all das nicht. "Ich war auf der Suche, wusste einfach nicht, was ich machen wollte", erinnert sich Andrew. "Ich war einfach zutiefst unzufrieden und wollte nur nach dem Glück suchen."

Dann fand Andrew die Musik. Machte zunächst bei ein paar kleineren Projekten mit, wurde Mitglied einer Band. Vor 15 Jahren dann kam sein Aha-Moment. "Ich habe als Barkeeper in einer Karaoke-Bar gearbeitet", erzählt Andrew. "Die Leute dort wussten, dass ich auch singen kann, und haben mich gebeten, auch einmal mitzumachen." Und Andrew sang - Elvis. "Danach war ich für alle nur noch der King", sagt Andrew und lacht. Das ist auch der Grund dafür, weshalb Andrew unter dem Künstlernamen "Ski King" auftritt.

Viel Arbeit zum Glücklichsein
Eine Zeit lang hat der 46-Jährige danach als singender Türsteher im Elvis-Look gearbeitet, dann kamen erste Engagements für Auftritte bei Hochzeiten. "Irgendwann war es dann so viel, dass ich davon leben konnte", blickt der Wahl-Franke zurück. "Ich meine, das ist jetzt kein hoch bezahlter Job oder so. Ich muss viel arbeiten, aber es reicht, ich brauche nicht viel. Es macht mich einfach glücklich, dass ich von der Musik leben kann."

Nach der Trennung von der Mutter seiner Töchter lernte Andrew in Nürnberg seine zweite Frau Nadine kennen. Mit der 38-Jährigen zog er vor drei Jahren nach Muggendorf (Kreis Forchheim), seit Juli lebt das Paar nun in Buttenheim (Kreis Bamberg). Dort fühlt sich Andrew bereits nach kurzer Zeit so richtig angekommen: "Am Montag habe ich bei der Kerwa gesungen, ich durfte sie sogar mit zu Grabe tragen. Ich hab' gleich die Klamotten von den Kerwaburschen bekommen, man hat mich sogar gefragt, ob ich nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen möchte."

Ob Andrew dieses Angebot annehmen wird, weiß er aber noch nicht. Denn jetzt will er sich erst einmal auf "Rising Star" konzentrieren. Mit der Show setzt RTL ein neues Konzept um. Die Entscheidung, ob ein Kandidat ausscheidet oder weiterkommt, trifft von Anfang an nicht nur die Jury (bestehend aus Anastacia, Sasha, Reggae-Musiker Gentleman und der Soul-Sängerin Joy Denalane), sondern auch der Zuschauer. Jeder kann über eine kostenlose App mit über das Wohl oder Weh der Bewerber abstimmen. Wer ein Profilbild in der App hochlädt oder sie mit seinem Facebook-Account verbindet, kann sein Juroren-Foto auch auf einer großen LED-Wand im Studio sehen. Dieses direkte Feedback entscheidet darüber, wer bei "Rising Star" eine Runde weiter kommt - oder eben nicht.

Anfrage von RTL
Andrew hat sich für seine Teilnahme an der Show übrigens nicht selbst beworben. "Die Redaktion ist auf mich zugekommen, die hatten wohl von mir gehört oder haben mich online, bei Youtube und Facebook gefunden - und mich gefragt, ob ich Lust hätte, da mitzumachen", berichtet Andrew. Er hat sich dann selbst erst mal schlau gemacht, wie das neue Format aufgebaut ist - und am Ende zugesagt. "Dann musste ich natürlich noch persönlich vorsingen und ich habe es dann tatsächlich in Liveshow geschafft.", erzählt Andrew. Dass er tatsächlich dabei ist und am Donnerstag live im Fernsehen auftreten wird, hat er selbst erst vor zwei Wochen erfahren. Andere Kandidaten wüssten das schon seit Monaten und hätten entsprechend länger die Gelegenheit gehabt, in eigener Sache die Werbetrommel zu rühren, berichtet der Wahl-Franke.

Am Dienstag geht es nun für den 46-Jährigen ab nach Köln. Neben Vocal-Coaching und ein paar Interviews stehen dort Proben für die Live-Show an. Am Donnerstag um 20.15 Uhr ist es dann soweit. Wohin ihn "Rising Star" führen wird? Das weiß Andrew selbst noch nicht. "Ich sehe diese Show als Marathon. Ich mache mir keine Hoffnungen auf einen Sieg, ich will einfach nur mitmachen und mein Bestes geben. Und einfach schauen, was dabei herauskommt. Das ist ja vor allem auch eine Frage des richtigen Timings."

Falls er durch seinen Auftritt seine eigene Bekanntheit ein bisschen steigern kann, ist ihm das auch durchaus recht. Doch den ganz großen Karrieresprung erwartet der Mann mit dem drolligen amerikanischen Akzent nicht. Freuen würde er sich aber in jedem Fall, wenn der eine oder andere aus seiner Wahlheimat Franken am Donnerstag zum Handy greift und für ihn mit abstimmt. "Ich möchte gerne allen zeigen, dass es in Franken Leute gibt, die was draufhaben."