Ein riesenhafter Affe, sein Gebrüll ist markdurchdringend, sein Interesse an einer blonden Broadway-Schönheit mehr als bizarr, sein Ende auf der Spitze des Empire State Buildings in Manhattan schrecklich, zumal es die ganze Grausamkeit der Menschheit offenbart. Denn die ist ja bekanntlich stets geneigt, das zu zerstören, was ihr fremd und unerklärlich erscheint. Das also ist die Grundkonstellation der Geschichte um King Kong, dem ersten reinen Filmmonster, das in dem Streifen "King Kong und die weiße Frau" von Merian C. Cooper aus dem Jahr 1933 Spezialeffekte zu einer Kinosensation machten. Seither hat der Stoff unzählige Adaptionen erfahren; zuletzt nahm sich Peter Jackson, Regisseur der "Herr der Ringe"-Trilogie, King Kong an, mit Naomi Watts, Jack Black und Adrien Brody in den Hauptrollen.

Auch Bühnen-Bearbeitungen haben vor der Abenteuergeschichte nicht Halt gemacht.
So schufen Paul Graham Brown und James Edward Lyons ein "King Kong"-Musical nach dem Roman von Delos Lovelace. Dieses präsentierten Ensemblemitglieder des Theaters Hof in einem Gastspiel auf der Bühne des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Die rund zweieinhalbstündige Aufführung wurde mit wohlwollendem Applaus bedacht, wenngleich es nicht allen Zuschauern gefallen haben dürfte, blieben nach der Pause doch etliche Plätze leer.

Denn die Musical-Variante von "King Kong" stellt eine Herausforderung für die Fantasie des Publikums dar. Skull Island ("Südwestlich von Java, mystisch und verlassen, liegt da eine Insel, kein Christ kam je heil davon, dort herrscht Kong.") muss man sich als Pappmaché-Eiland auf einem kleinen Bistrotisch vorstellen. Der Urwald und die Silhouette des New Yorker Empire State Buildings werden in der Inszenierung von Thomas Schmidt-Ehrenberg auf eine weiße Leinwand in der Bühnenmitte (Ausstattung: Annette Mahlendorf) projiziert. So ganz kommt also auch das Musical nicht ohne Filmtechnik aus. Nettes Detail: Die Leinwand ermöglicht gleichermaßen einfache wie eindrucksvolle Schattenspiele. Auf den Riesenaffen wartet das Musical-Publikum dennoch vergeblich; lärmendes Gebrüll vom Band muss reichen, um von der Gegenwart des Monsters zu künden.

Dem "King Kong"-Musical auf der Bühne geht zudem das selbstreflexive Moment der Filme ab, spiegeln diese doch ihr eigenes Medium anhand der Figuren: der überehrgeizige, auf einen Kinoerfolg schielende Regisseur Carl Denham und die allenfalls mäßig begabte Schauspielerin Ann Darrow. Letztere wird in der Hofer Inszenierung von Birgit Reutter verkörpert, der man den blonden Vamp mit Sexappeal nicht so recht abnehmen will.

Auch dürfte sie in ihren Gesangseinlagen gerne mit mehr Stimmvolumen aufwarten. Dem Tenor Florian Bänsch glaubt man den überspannten, zynischen Regisseur Denham hingegen durchaus. Den kernigen Schiffskapitän Jack Driscoll, der sich, natürlich, in Ann verliebt und zu deren Retter aufschwingt, verkörpert Thilo Andersson, dessen facettenreiche Interpretation überzeugen kann. Etwas ermüdend: Gesangseinlagen in Paarreimform dominieren das Musical, das getragen wird von der Live-Musik des Pianisten Roland Vieweg, was an frühe Kinostummfilme erinnert, eine Aufführungsform, die leider untergegangen ist. Insgesamt krankt das Musical daran, dass der Stoff sattsam bekannt ist; die Spannung aufrechtzuerhalten fällt schwer.

Wer King Kong selbst brüllen hören will, hat dazu noch einmal Gelegenheit: Am 6. März wird die Musical-Inszenierung des Theaters Hof noch einmal auf der Bamberger Bühne aufgeführt.