Für all jene, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe derzeit in Bamberg die Internet-Portale durchforsten, liest sich diese Anzeige wie ein echter Volltreffer: eine Wohnung in begehrter Innenstadtlage, knapp 140 Quadratmeter - für schlappe 630 Euro warm. Sofort zu vermieten und voll möbliert. Mit modernster Ausstattung, versteht sich.

Bei wem nicht schon jetzt die Alarmglocken klingeln, der kann mit dem Besitzer Kontakt aufnehmen. Sein Name: Joel Santeri Kemppainen. Seines Zeichens ein Geschäftsmann aus Finnland und durch und durch ein gutherziger Mensch.

Denn wie er dem Reporter mit überschaubaren Englischkenntnissen per E-Mail erklärt, geht es ihm nicht darum, Geld zu verdienen. Er sei vielmehr auf der Suche nach einem seriösen Mieter, dem er vertrauen kann. Mir, da ist er sich ziemlich schnell ziemlich sicher, könne er vertrauen.


Hals über Kopf nach Helsinki

Ich gehe auf das Spiel ein und werde nicht enttäuscht. Herr Kemppainen hat die Traumwohnung an der Alten Seilerei in Bamberg gekauft und modern eingerichtet, musste aber berufsbedingt Hals über Kopf zurück nach Helsinki. Derart überstürzt, dass er keinen Nachmieter finden konnte. "Die Schlüssel liegen bei mir bereit", frohlockt Herr Kemppainen.

Wer jetzt das Schnäppchen seines Lebens vermutet, wird nicht enttäuscht. In mehreren Mails wird versucht, Vertrauen aufzubauen. Der Deal stehe kurz bevor, man müsse nur noch ein paar Informationen zusenden (unter anderem eine Kopie des Personalausweises). Die erste Rate bitte noch schnell vorab überweisen (knapp 2000 Euro). Dann werde er höchstpersönlich zur Vertragsunterschrift und Schlüsselübergabe nach Deutschland kommen. Geht man darauf ein, ist das Geld weg.

Derartige Betrugsmaschen sind weit verbreitet. Auf den Miet-Portalen tummeln sich die Verbrecher, um an das schnelle Geld zu kommen. Die angebotenen Immobilien existieren nicht. Die Beschreibungen und der Mietpreis: erfunden und erlogen. Die Fotos: geklaut aus Wohnungsprospekten.


Die Anzeigen werden meist schnell wieder gelöscht

Die Portal-Betreiber schaffen es trotz intensiver Sicherheitsmaßnahmen nur selten, die dubiosen Anzeigen rechtzeitig zu löschen. "Sie agieren mit immer neuen Accounts, Namen und E-Mail-Adressen. Die Nationalität wechselt ebenfalls häufig", erklärt Tim Kempen, Pressesprecher des Portals immowelt.de.

Das Problem: Die Betrüger finden immer wieder neue Wege, eine Anzeige zu schalten. "Bei den vielen Angeboten rutscht auch mal eine durch", so Kempen. Die Anzeigen werden nur kurze Zeit geschaltet, sozusagen bis ein Fisch an der Angel zappelt. Und so bleiben die Hintermänner im Internet meist anonym und unerkannt.


Warnsignale rausfiltern

Besonders in Metropolen - also dort, wo die Wohnungsnot groß ist - ist die Vorkassen-Masche weit verbreitet. Immer wieder tauchen aber auch Anzeigen im fränkischen Raum auf. Im Internet findet man zahlreiche Einträge von Betroffenen, die zuletzt in Erlangen, Bayreuth und Würzburg mit den Betrügern Kontakt hatten. Der Großteil erkennt die Masche - trotzdem fallen Wohnungssuchende immer wieder darauf rein.

Einige Warnsignale findet man in der Anzeige selbst. "Die Objekte sind zu schön, um wahr zu sein", macht Kempen deutlich. Die Bilder der Räume seien häufig nicht typisch für die Wohnlage und würden eine überdurchschnittlich luxuriöse Ausstattung zeigen. Der Anbieter sei zudem nur mit einem Kontaktformular zu erreichen. Für alle Wohnungssuchende hat Kempen noch einen abschließenden Tipp: "Anzeigen immer mit einem gesunden Misstrauen durchforsten."


Verbrecherjagd und weitere Betrugsmaschen

Sicherheitsteams der Portale überprüfen die Datenbanken regelmäßig und löschen zweifelhafte Angebote. Verdächtige Anzeigen werden geprüft und erst dann freigeschaltet. Nutzer können verdächtige Objekte melden.

Bei dieser Masche verlangen die Betrüger, sich auf einer Website für eine Wohnungsbesichtigung zu registrieren. Angeblich ist die Nachfrage zu groß. Nach erfolgter Registrierung erhalten die Suchenden eine Rechnung für die Besichtigungs-Anfrage. Diese findet aber nie statt.

Hier bieten die Betrüger reale Wohnungen an, mit deren Vermittlung sie nicht beauftragt wurden. Ruft ein Interessent an, heißt es, dass genau diese Wohnung leider schon vergeben sei. Man habe jedoch weitere interessante Angebote. Dem Interessenten wird gegen Zahlung einer Gebühr angeboten, weitere Objektlisten zu erhalten. Diese stellen sich allerdings oftmals als wertlos und veraltet raus. Eine abgewandelte Form besteht neuerdings darin, dass auch kostenpflichtige Internetdatenbank-Zugänge angeboten werden.