Ein dickes Bündel an Unterschriften haben Landrat Johann Kalb (CSU) und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) am Dienstag von den Schülern des Dientzenhofer-Gymnasiums vor der Sitzung des Zweckverbands Gymnasien im Bamberger Rathaus in die Hand gedrückt bekommen. Damit wollten die Schülervertreter Anna, René, Marie und Joana zum Ausdruck bringen: Eine Verlagerung des Dientzenhofer-Gymnasiums in den Landkreis darf es nicht geben.

Insgesamt knapp 3000 Unterschriften haben die Schüler unter Freunden, Nachbarn und Familienmitgliedern gesammelt. Bei einer Online-Petition kamen noch einmal rund 540 Unterschriften hinzu, die Kalb und Starke, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands Gymnasien, die Gemütslage an der Schule im Bamberger Osten deutlich machen sollte.


Kein Argument für Verlagerung

"Das DG ist mit seinem einzigartigen Profil alternativlos", sagt Elternbeiratsvorsitzender Christoph Trué zum Protest, der sich aus der gesamten Schulgemeinschaft speise. Das DG mit fast 1000 Schülern sei die einzige sogenannte MINTec-Schule in Stadt- und Landkreis. Was ein ausgeprägtes Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik beinhaltet. Nicht nur das stehe auf dem Spiel. Bei einem Neubau im Landkreis setze das bayerische Kultusministerium außerdem die Dreizügigkeit voraus. Diese sei aber auf Dauer im Landkreis kaum zu erfüllen. "Wir sind nicht per se gegen ein weiteres Gymnasium im Landkreis", macht er deutlich, doch gibt es aus seiner Sicht kein Argument, das für eine Verlagerung des DG-Standorts spricht.


"Öffentliche Diskussion beenden"

Die Unterschriftensammlung sollte die Verbandsmitglieder aufrütteln, so wie das erneute Aufkommen der Diskussion um ein Landkreis-Gymnasium das DG aufgerüttelt haben muss - laut Trué sei die Verunsicherung groß: "Die öffentliche Diskussion muss beendet werden", fordert er. Schulleiterin Brigitte Cleary hatte bereits eingeräumt, dass es zwar erheblichen Sanierungsbedarf an dem 52 Jahre alten Gebäude gebe, doch sei weder eine Verlagerung noch ein Neubau gewollt, was die Unterschriften nun wohl bestätigen.

Zu Beginn der Verbandssitzung erwiderte Vorsitzender Kalb auf die Unterschriftenaktion: "Sie können davon ausgehen, dass wir Sie ernst nehmen. Es geht darum, das Beste für unsere Region im Bereich der Gymnasien zu erreichen." Die Untersuchungen dafür gehen weiter.

Argumente von "Wir sind DaGegen!"
Das Gremium, in dem unter anderem Schulleiter und Politiker aus Stadt und Kreis sitzen (mit Mehrheit des Landkreises), hatte in öffentlicher Sitzung auch der Einrichtung einer Lenkungsgruppe zugestimmt. Kalb machte deutlich, dass dennoch alle Entscheidungen weiterhin im Zweckverband fallen werden. Die Diskussion um die mögliche DG-Verlagerung war ansonsten gestern nicht weiter Thema.

Anfang Mai hatte Kalb verdeutlicht, dass ein Neubau und eine mögliche Verlagerung in den Landkreis als bessere Lösung dann in Frage käme, wenn dieser wirtschaftlicher als eine Sanierung sei. Hirschaid, Hallstadt und Scheßlitz hatten sich bereits als möglichen Standort ins Gespräch gebracht. Welche Kommune genauer in Frage kommen könnte, soll noch geklärt werden. Ein Gutachten soll unter anderem Aufwand und Schülerströme untersuchen.


Weitere Auswirkungen?

Doch für das Gutachten sieht Elternbeiratsvorsitzender Trué falsche Voraussetzungen: Er glaubt, dass ein Neubau im Landkreis nicht nur auf das DG Auswirkungen habe, vielmehr könnte dies auch andere Gymnasien negativ belasten. Ein Standort in Hirschaid würde möglicherweise das Franz-Ludwig-Gymnasium ebenso treffen, da dort viel mehr Hirschaider Kinder zum Unterricht gingen. "Das ist aber nicht Untersuchungsgegenstand", kritisiert Trué.