Das zweite Gastspiel der Bremer Kammerphilharmonie begann ja schon mit einer Überraschung. Dass man in einem Konzert über Musik von Franz Schubert einmal würde lachen können, damit hatte man einfach nicht gerechnet. Aber m,an musste wirklich aufpassen, dass das Lachen nicht laut wurde. Seine "Ouvertüre im italienischen Stil" ist ja schon aus einer Laune heraus entstanden. Schubert hatte in Wien Rossinis Oper "Tancredi" gesehen und mit Freunden gewettet, dass er genauso komponieren könne wie der berühmte Italiener. Der Beweis ist diese Ouvertüre.
Es ist ja schon erheiternd, wie gut Schubert nicht nur Rossinis Ouvertürenstrukturen, sondern auch seine Klischees durchschaute und ihn teilweise auch zitierte. Aber wirklich lachen konnte man über die liebevolle Ironie, mit der die Bremer diesen rossinisierten Schubert spielten, wie sie ihm auf die Schliche kamen und diese zelebrierten. Da wurde immer ein bisschen überzeichnet, ohne freilich in die Nähe der Karikatur zu geraten. Vor allem die typischen Beschleunigungen gelangten ein bisschen behäbiger, ausladender an ihre Zielpunkte. So wurde die Pfiffigkeit der Musik eine dreifache: die Rossinis, die Schuberts und die der Bremer.