Da, wo heute die Kindergartenkinder spielen, war früher ihr Pausenhof. "Weißt du noch? Da stand mal eine große Kastanie in der Mitte." Lothar Selig schwelgt in Erinnerungen. Und Irmgard Prucha, an die die Frage gerichtet war, erinnert sich noch gut. "Und da links war die Sprunggrube."

Doch die beiden Kothener sind nicht hier, um mit den Kindern zu spielen. Sie zeigen ein Stück ihres Lebenswerkes. Sanft nimmt Prucha eine Rose in die Hand.
Ein ganzer Busch steht vor dem Kindergarten, der früher ihre Schule war. "Die haben wir gepflanzt." Und Selig geht ein paar Stufen hinunter, öffnet die Tür zum Keller. Auf einmal steht der Besucher in einer anderen Zeit, denn hier hat Selig die Werberger Stube eingerichtet. Für den Heimat- und Sachkundeunterricht. "Da musste ich mit den Schülern nur eine Etage nach unten gehen", erinnert sich der ehemalige Rektor.

Gestern wurden die beiden Kothener - die außerdem noch Nachbarn sind - mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für ihren langjährigen, ehrenamtlichen Einsatz geehrt. Prucha, weil sie seit 34 Jahren dem Obst- und Gartenbauverein Kothen/Speicherz treu ist, seit 1992 sogar als Vorsitzende. Außerdem bringt sie sich seit 1964 beim Roten Kreuz ein. Selig, weil er seit fast vier Jahrzehnten Orgel in Maria Ehrenberg, Kothen, Speicherz und oft auch Motten spielt. Und weil er seit den 1970er Jahren die Werberger Stube betreut.

Ein großes Herz

Dort steht Lothar Selig jetzt, zusammen mit Irmgard Prucha. "Ich war schon so oft hier, aber noch nie habe ich die Glocke geläutet", sagt Prucha und dann schlägt sie den Klöppel, so dass die alte Werberger Glocke laut scheppert. "Es ist viel Arbeit", sagt sie über ihr Engagement bei den Gartenbauern. 1994 holte Kothen den ersten Preis beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", Speicherz wurde Zweiter. Doch die 67-Jährige möchte diesen Erfolg nicht vor andere stellen. "Jedes Projekt ist eine Herzensangelegenheit." Sie muss ein großes Herz haben.

Einen Raum weiter hängt das Nachthemd von Lothar Seligs Mutter. "Fühlen Sie mal, wie rauh es ist", sagt der Kothener, der doch in Frankfurt geboren ist. 1942 kehrte die Familie in die Rhön zurück. Es wurde zu gefährlich in der großen Stadt. Und Selig ist hängengeblieben. "Einmal Motten, immer Motten", sagt der 71-Jährige verschmitzt.