Für seine Verdienste zeichnete ihn unter anderem der Nordbayerische Musikbund mit der Dirigentennadel in Gold und der Landkreis Bad Kissingen mit dem Kulturehrenbrief aus.

Geboren wurde Thaddeus Folwarczny am 17. Januar 1955 im polnischen Dorf Mschana in Oberschlesien. Der gelernte Bergmann stieg als Autodidakt in die Bergmannskapelle auf. Nach seiner Flucht nach Deutschland arbeitete er als selbstständiger Musiklehrer. Ab 1988 dirigierte er die Musikkapelle Diebach, ab 1995 das Akkordeon-Orchester Hammelburg.

Der erste Kontakt zu Hammelburg kam bei einem Gastspiel der Bergmannskapelle 1983 zustande. Drei Mitglieder der Kapelle blieben damals gleich in Hammelburg. 1984 entschied sich auch Thaddeus Folwarczny zur Flucht, ließ seine erste Frau und zwei Kinder zurück und zog zunächst zu einem Cousin nach Freiburg. 1987 heiratete er seine zweite Frau Irene. 1988 zog das Ehepaar wegen der Kontakte zu den drei polnischen Musiker-Kollegen nach Hammelburg, hier wuchsen die beiden Söhne aus zweiter Ehe auf.

"Seine Heimat war definitiv hier, er hat hier neue Wurzeln geschlagen", sagt sein Sohn Simon über Thaddeus Folwarczny. "Für Diebach und die Diebacher Blaskapelle ist Tadeks Tod ein schwerer Verlust", sagt die Ortssprecherin und stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Assmann, und: "Er war sicher eine der wichtigsten Personen, die den Musikverein über Jahrzehnte zusammengehalten und auch geprägt hat."

Die Blaskapelle mit rund 30 Mitgliedern absolvierte vor den Corona-Beschränkungen im Jahr im Schnitt mehr als 60 Auftritte - von der privaten Geburtstagsfeier bis zur Kirchenprozession, von Konzerten bis zu Auftritten im Fasching. Der damalige Vorsitzende Alfons Müller habe Thaddeus Folwarczny als Dirigenten verpflichtet, berichtet der aktuelle Vorsitzende des Musikvereins Diebach, Peter Scherpf. "Wir haben uns blind verstanden", beschreibt er das Verhältnis zwischen dem Dirigenten und den Musikanten. Folwarczny habe die Kapelle unter anderem mit seinem Spezialwissen über die böhmische Musik selbst auf schwierige Stücke immer gut vorbereitet.

Auch der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth trauert um "einen freundlichen und immer gut gelaunten Menschen". Dessen tragischer Tod habe ihn auch persönlich getroffen, weil Thaddeus Folwarczny seinen Sohn unterrichtet habe. "Er hat sich musikalisch über Jahrzehnte um die Stadt und die ganze Region verdient gemacht", sagt Warmuth. "Sein Wirken für die Blaskapelle Diebach war mehr als nur bloßes Dirigieren", ergänzt Dominik Sitter von der Kreisleitung des Nordbayerischen Musikbundes, und: "Ihn zeichnete vor allem auch sein herzliches Verhältnis zu den Musikerinnen und Musikern aus."

Folwarczny war ein musikalisches Multi-Talent, er unterrichtete Akkordeon, Keyboard, Klavier, Kontrabass, Klarinette, Bass-Gitarre und Schlagzeug. Anfang der 1990er Jahre trat er mit mehreren Bands in ganz Deutschland auf: "Happy-Music" oder "C7" sorgten für Tanz- und Stimmungsmusik in Festzelten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs reiste er auch wieder regelmäßig in seine alte polnische Heimat, war dort sogar Jury-Mitglied für ein internationales Musik-Festival.

Zudem organisierte er ab Mitte der 1990er Jahren mit seinen Musikschülern regelmäßig Benefiz-Konzerte. Die Erlöse gingen an SOS-Kinderdörfer und die Max-Armbrecht-Leukämiehilfe. Im Dezember 2019 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter niederlegen. Peter Scherpf vom Musikverein Diebach kann sich noch gut an die traurige Nachricht erinnern, der Abschied vom Dirigenten nach knapp 32 Jahren sei allen schwer gefallen. Laut der Familie litt Thaddeus Folwarczny an einer unheilbaren Krankheit. Die Beisetzung findet heute im engsten Kreis statt.