Wenn das rote Auto vor dem Sportheim steht, wissen die Zeitlofser: Erwin Baum ist wieder am Werk. Als er um die Ecke biegt, hat er eine Zange in der Hand. "Ich hab' das Wasser abgestellt", sagt der 73-Jährige, fast entschuldigend. Kaum einer kennt das Zeitlofser Sportheim so gut wie er. Seit Jahrzehnten achtet er darauf, dass hier alles seine Ordnung hat. Noch bevor er sich setzt, fallen zwei Sätze. "Wenn ich sag' ,mir', dann meine ich den Verein." Und: "So etwas geht nur, wenn die Frau einverstanden ist."

Baum stammt aus Heiligkreuz. Seit 1966 gehört er zum Sportverein, seit 1971 ist er im Vorstand. Die ganze Familie ist dem Verein verbunden. Ehefrau Annemarie putzt das Sportheim, der Enkel mäht, genauso wie der Schwiegersohn. "Ich habe mich immer wohlgefühlt. Es war immer schön", sagt Baum über das Vereinsleben, auch wenn die Zeitlofser inzwischen keine eigene Mannschaft mehr zustande bringen.

Die Zeit, als Baum noch aktiv Fußball spielte, liegt freilich lange zurück. "Links außen", nennt er seine Position, und da blitzt immer noch ein Funken Begeisterung in seinen Augen. 1971 übernahm er die Damenmannschaft als Trainer, da pulsierte der Fußball noch im Sinntal. Erwin Baum steht auf, geht zu einer Urkunde, die eingerahmt an der Wand hängt. "1974 waren wir Meister", erzählt er stolz. Damals war er Jugendleiter.

Immer weniger Nachwuchs

Ende der 1970er trainierte er schließlich die 1. Mannschaft. "Da waren ja immer noch die Kerle dabei, die ich in der Jugend hatte." Baum hat eine Generation Spieler großgezogen, mindestens. Viele Jahre blieb er Spielleiter unter mehreren Trainern, bildete in den 1990ern die Kleinen aus. Als 1993 der Zeitlofser Sportverein mit Rupboden fusionierte, entwarf Baum das gemeinsame Wappen.

Später spielte der Vereine gemeinsam mit Bad Brückenau. Doch auch dieser Schritt konnte langfristig den Spielbetrieb nicht sichern. "Es ist nichts zu machen. Wir kriegen keine Leute zusammen", sagt Baum wehmütig. Die Zeitlofser haben sich andere Vereine gesucht, spielen im Umland oder gar nicht mehr, schildert er die Situation.

Dass ihn das nicht kalt lässt, fällt ganz am Ende des Gesprächs. Im Rausgehen erzählt Baum, wie es einst Bemühungen gegeben hatte, die Zeitlofser in Hessen spielen zu lassen. Der Hessische Fußball-Verband sei dazu bereit gewesen, erinnert er sich. Doch die Bayern haben den Deal platzen lassen. "Das war eine Enttäuschung für mich. Von da an ging's bergab, die Jungs wollten doch nur Fußball spielen."

Viele ziehen an einem Strang

Der Bayerische Fußballverband zeichnete Baum mit Bronze, Silber, Gold und Gold mit Kranz aus. Er hat das Abzeichen der Gemeinde und die Urkunde des Deutschen Fußball-Bunds für vorbildliche ehrenamtliche Leistung erhalten. Nächstes Jahr wird Baum 50 Jahre dem Vorstand angehören. Er würde noch einmal weitermachen, wenn es gewünscht sei, sagt er. Es klingt bescheiden.

Den Einkauf, die Abrechnung, die Sorge für den Spielplatz neben dem Sportheim, das alles leistet die Familie, ohne viele Worte darum zu machen. "Ich bin ja Handwerker, ich kann viel selbst machen", sagt Erwin Baum. Mit 40 Jahren legte er noch die Meisterprüfung als Schreiner ab. Nebenbei zog das Paar zwei Töchter groß und baute. Wie viele Vereinsleute aus der zweiten Reihe denken sie auch an die vielen anderen Helfer.

Den Putzdienst übernehmen neben Annemarie noch Ilse Hereth, Ute Leß, Dora Müller und Sonja Schüssler. Manuel Kenner macht das Vereinsblatt "Lattenkracher". Er, Heino Müller und Erwin Baum haben sich 2017 dazu durchgerungen, gemeinsam den Vorstand zu leiten. Auch Georg Kenner und Bert Behling stehen auf Baums Liste. Sie sorgen für die Elektroanlagen und den Beamer. "Das kann man alleine nicht machen, das geht gar nicht", ist Baum wichtig zu sagen, dass für ein intaktes Vereinsleben viele an einem Strang ziehen müssen.

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