Schon auf dem Weg zur Feuerwache hat Alexander Frey gesehen, wie die Flammen aus den Fenstern eines Wohnhauses in der Bergstraße schlugen. "Um 6.36 Uhr sind wir alarmiert worden zu einem Hausbrand", berichtet der Kommandant der Nüdlinger Feuerwehr. In der Erstmeldung der Leitstelle hieß es, dass sich noch eine Person im Gebäude befindet. Mit dem Bild des voll in Brand stehenden Gebäudes im Kopf traf Frey am Samstagmorgen (24. Oktober 2020) als erster am Einsatzort ein.

Inzwischen, drei Tage später, wird das Ausmaß des Brandes deutlich. Die Bewohner - ein 33 Jahre alter Mann und seine Mutter - sind körperlich zwar unverletzt, ihr Haus sowie ihr Besitz wurde allerdings Opfer der Flammen. "Das Haus ist zerstört und unbewohnbar. Der Mann hat sprichwörtlich nichts mehr, außer dem, was er am Leib getragen hatte", sagt Frey.

"Feuer konnte sich schnell fortfressen"

Zurück zum Samstagmorgen: Am Einsatzort gab es für die Feuerwehrleute zumindest schnell die Entwarnung, dass keine Menschenleben in Gefahr sind. Der 33-Jährige hatte es selbstständig aus dem brennenden Haus herausgeschafft. Die Mutter, die die Wohnung im Untergeschoss bewohnt, war nicht zuhause, als das Feuer ausbrach.

Die Feuerwehren aus Nüdlingen, Haard, Bad Kissingen, Winkels und Hausen bekämpften den Brand. "Wir haben den Einsatz in zwei Abschnitte aufgeteilt", sagt Frey. Von links haben die Nüdlinger und Haarder Wehr, von rechts die Wehren aus der Großen Kreisstadt gelöscht. Der Einsatz war heikel. Bei dem Gebäude handelte es sich nicht um einen Massivbau, sondern um ein Fertighaus in Holzbauweise.

"Das Feuer konnte sich schnell fortfressen", erklärt der Nüdlinger Kommandant. Die Einsatzkräfte konnten deshalb auch nicht ins Innere vordringen, sondern mussten von außen löschen. Am Vormittag war der Brand soweit unter Kontrolle, dass die Kissinger Wehren wieder abrückten. Die Feuerwehrleute aus Nüdlingen und Haard kümmerten sich um die Nachlöscharbeiten.

Holzhaus nicht zu retten

Dennoch: Trotz aller Bemühungen konnten die Feuerwehren nicht verhindern, dass das Haus ausbrannte. Der Schaden am Gebäude ist enorm. Das Polizeipräsidium Unterfranken gibt ihn in einer Pressemitteilung am Dienstag mit 300.000 Euro an. Inmitten all der Asche und der verkohlten Überreste herauszufinden, was das Feuer ausgelöst hat, halten die Ermittler der Kripo für beinahe ausgeschlossen.

"Wir haben einen sehr hohen Zerstörungsgrad. Das macht es für den Brandexperten nahezu unmöglich, die Brandursache zu bestimmen", teilt Kathrin Thamm von der Pressestelle des Polizeipräsidiums mit. Die Statik des Gebäudes wurde von einem Experten des THWs überprüft. Demnach geht aktuell keine Einsturzgefahr davon aus.

Wie geht es für die Bewohner weiter? Edgar Thomas, 2. Bürgermeister von Nüdlingen (CSU), informiert, dass es ihnen den Umständen entsprechend gut geht. Sie brauchen allerdings noch Zeit, um den Schock zu verarbeiten. Feuerwehrkommandant Alexander Frey berichtet, dass sie vorübergehend bei Freunden und Verwandten unterkommen.

Welle der Hilfsbereitsschaft

Und: "Am Montag wurden sie bereits mit dem Nötigsten versorgt." Aktuell wird nach einer Wohnung gesucht, die sie im Anschluss beziehen können. Um die Familie finanziell zu unterstützen, haben Feuerwehr und Gemeinde entschlossen, ein Spendenkonto für sie einzurichten. "Sachspenden sind aktuell nicht notwendig", sagt Frey.

Die Solidarität und die Hilfsbereitschaft in Nüdlingen ist nach dem Brand groß. "Man merkt, dass das Dorf zusammenhält", lobt Frey. Edgar Thomas berichtet, dass bereits am Wochenende die ersten Bürger Briefumschläge an die Familie im Rathaus abgegeben haben. "Ich finde es toll, dass die Leute helfen, ohne einen Anstoß", freut sich der 2. Bürgermeister. Es sei wichtig, dass die Betroffenen nicht alleine dastehen, sondern wissen: "Wir sind da", betont Thomas.

Spendenkonto

Unterstützung Um die Bewohner nach dem Brand zu unterstützen hat die Gemeinde ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN des Kontos lautet: DE68 7906 9181 0200 0103 59.