Stefan Goos hat Nachwuchssorgen. Der Obermeister der Bad Kissinger Bauinnung setzt auf Aufklärungsarbeit an Schulen und an Kindertageseinrichtungen. "Wenn wir Interesse für handwerkliche Berufe wecken wollen, müssen wir im Kindergarten anfangen", meint Goos. Die Bauinnung hat zuletzt der St. Elisabeth Kita in Premich eine Werkbank gestiftet, an der sich die Kinder spielerisch ausprobieren können. Sie veranstaltet Baumeistertage in Kindergärten, wirbt an Schulen für anspruchsvolle und gutbezahlte Jobs auf dem Bau. "Da wird einem jungen Menschen viel abverlangt. Trotzdem hat die Baubranche ein schlechtes Image", sagt er.

Das schlägt sich auf dem Ausbildungsstellenmarkt nieder. Dieses Jahr hat die Baubranche im Landkreis der Arbeitsagentur 169 freie Ausbildungsstellen gemeldet. Besetzt wurden etwa jede dritte. Das geht aus dem Geschäftsbericht der Agentur für Arbeit Schweinfurt hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. "Die Firmen stehen im Wettbewerb nicht nur um Hochglanzprodukte, die sie verkaufen, sondern sie stehen auch im Wettbewerb um Personal", sagt Berufsberater Thomas Schlereth. Probleme, freie Stellen zu besetzen, haben demnach vor allem klassische Handwerksberufe, das Baugewerbe wie auch Pflegeberufe und Gastronomie. Eine Ausbildung für einen Schreibtischjob im Handel und Büro ist dagegen bei Schulabgängern sehr begehrt: Hier gibt es deutlich mehr Bewerber als freie Stellen.

Die Gründe für diese Situation sind bekannt, aber die Entwicklung verschärft sich. Landkreisweit nahm die Bewerberzahl das vierte Mal infolge ab, wie schon im Vorjahr gibt es 2014 mehr Stellen als Auszubildende. "Für die Schüler ist das eine positive Entwicklung. Wenn man flexibel ist, kriegt man sicher eine Ausbildung", sagt Schlereth. Hauptursache für den Rückgang ist laut Arbeitsagentur das Bildungsverhalten junger Menschen. Sie besuchen immer häufiger weiterführende Schulen, anstatt eine Lehre zu beginnen. Und wer eine Ausbildungsstelle sucht, orientiert sich oftmals in Richtung Industrie und Büro.

Was für Betriebe problematisch ist, ist für Schulabgänger ein Glück, weil auch die Schüler mit schlechten Noten eine Chance auf dem Ausbildungsmarkt bekommen. "Die Firmen sind bereit Kompromisse einzugehen und nehmen auch schwächere Schüler", erklärt Walter Seit von der Arbeitsagentur Schweinfurt. Wer langfristig im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wolle, müsse sich intensiv um den Nachwuchs bemühen. Das findet auch Schlereth: "Ob ein Betrieb gut ist, spricht sich herum. Letztlich entscheidet der Jugendliche, wo er hingeht."


Ausbildungsmarkt im Landkreis Bad Kissingen 2014

Bewerber 810 Jugendliche aus dem Landkreis haben sich dieses Jahr über die Agentur für Arbeit um eine Ausbildungsstelle beworben Der Großteil, nämlich 71 Prozent, hat eine Ausbildungsstelle bekommen. Die Zahl der Bewerber geht stetig zurück, 2010 waren mehr als 900 Bewerber gemeldet.

Stellen Arbeitgeber haben 901 freie Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet, 111 Stellen wurden nicht besetzt. Die Zahl der Ausbildungsstellen ist in den letzten Jahren konstant gestiegen, ebenso die Zahl der unbesetzten Stellen (2010 waren es 722 Stellen, 13 davon unbesetzt).