Nicht jeder kann die Spiele der Fußballweltmeisterschaft verfolgen. Viele Menschen in bestimmten Berufsgruppen sind im Dienst, wenn der Anpfiff ertönt. Die Fahrer des Taxiunternehmens Back in Bad Kissingen können zumindest an einem der Public Viewing-Orte vorbei schauen, wenn sie gerade keinen Fahrgast haben.

Telefonisch sind die Fahrer immer erreichbar, sagt Nicole Stauch. Sie nimmt in der Taxizentrale die Anrufe entgegen. Die Fahrer müssen jederzeit erreichbar sein, meint sie. Zur Zeit der Spiele sei aber erfahrungsgemäß ohnehin nicht viel los. Ist kein Bildschirm in der Nähe, gibt es ja noch das Autoradio. "Wir können unseren Kunden nicht sagen, dass wir wegen der WM nicht fahren." In einer Tag- und einer Nachtschicht befördern 15 bis 20 Taxifahrer die Fahrgäste. Auch während der Fußballspiele. Fahnen wedeln an den Taxen keine, auch Außenspiegelverkleidungen in Schwarz-Rot-Gold gibt es nicht. "Wenn, dann machen das die Fahrer an ihren privaten Autos", sagt Nicole Stauch.

Achtung, Autokorso

Bei der Polizei Bad Kissingen ist es nicht erlaubt, während des Dienstes fern zu sehen. "Was die Kollegen allerdings machen, wenn ich um 16 Uhr nicht mehr da bin, kann ich nicht beeinflussen", sagt Lothar Manger. Er rechnet damit, dass sich die Polizisten im Einsatz über ihre Smartphones auf dem Laufenden halten und informiert sind, wenn ein Tor gefallen ist. Der Polizeihauptkommissar ist selbst kein Fußballfan. Trotzdem berührt ihn die Weltmeisterschaft in seinem Dienstalltag.

Besonders dann, wenn die deutsche Mannschaft einen Sieg zu verbuchen hat und deren Anhänger zu einem Autokorso starten. "Wir werden in der Innenstadt präsent sein und zwar nicht, weil wir Spaßbremsen sind", sagt Lothar Manger. Vielmehr damit keiner im Straßenverkehr gefährdet werde, meint er. "Manche lehnen sich aus dem Seitenfenster und sind nicht angeschnallt. Das kann schon gefährlich werden."

Mitfiebern auf der Wache

Sollte während eines WM-Spiels ein Unfall passieren, ist der Rettungsdienst des Roten Kreuzes gefragt. 15 Männer und Frauen waren im Landkreis am Montagabend auch während des Deutschlandspiels einsatzbereit. Geht kein Notruf ein, können sie das Spiel auf den Wachen im TV verfolgen. Ansonsten auch im Radio, sagt Kreisgeschäftsführer Thomas Stadler. Er selbst ist nicht besonders fußballbegeistert. Deshalb macht es ihm auch nichts aus, in der Zeit in der ein Spiel läuft, die Rufbereitschaft zu übernehmen.

Chef gibt zum
Anpfiff frei

Die Arbeiter der Firma Hanse Haus in Oberleichtersbach haben gestern Abend früher Feierabend gemacht. Die Arbeiter der Spätschicht legten nicht wie gewohnt um 23.15 Uhr die Werkzeuge aus der Hand. Ausnahmsweise war für sie am Montagabend schon um 21 Uhr Schluss. Damit alle rechtzeitig zum Anpfiff eine Stunde später zu Hause auf dem Sofa, im Sportheim oder in der Kneipe sein konnten. "Das wurde wie schon beim letzten Mal mit der Werksleitung abgesprochen", sagt Personalleiter Oliver Schaub. Im Unternehmen gibt es einige Fußballfans und viel Verständnis für sie: Die Kollegen organisieren untereinander ein Tippspiel. 26 Frauen und Männer wetten dabei "um ihre Ehre". Beim Spiel gegen die USA haben die Mitarbeiter außerdem ein Public Viewing veranstaltet und nach dem Dienst gemeinsam gegrillt.

"Der Spätdienst muss bei uns in den sauren Apfel beißen", sagt Ingo Mack. Er ist Leiter des Patientenmanagements im Helios St. Elisabeth-Krankenhaus. Die Ärzte und Schwestern haben keine Zeit zum Fernseh schauen, meint er. Es gebe zwar im Bereitschaftszimmer einen TV, während des Dienstes gelte es aber, den Patienten zu versorgen. "Sie können nicht die Patientenglocken ausschalten und Pizza bestellen." Ihnen blieb gestern Abend nur, einen kurzen Blick auf die Bildschirme in den Patientenzimmern zu erhaschen.