Im nächsten Jahr wird Gabriele Morath "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten können. 30 000 Euro hat die Spendenaktion "Weihnachtshilfe" der Saale-Zeitung gesammelt. Mit dem Geld greift die Sozialberaterin des Caritasverbands Leuten aus dem Landkreis unter die Arme, die nicht mehr weiterwissen und es alleine nicht schaffen. Rentner, Alleinerziehende, Familien - "es kann jeden treffen". Helfen kann die Sozialberaterin nicht immer.
Im schlimmsten Fall werden die Menschen obdachlos.

Vor Weihnachten klingelt das Telefon von Gabriele Morath besonders oft. In den vergangenen sechs Wochen hatte sie bis zu 15 Anfragen von verzweifelten Menschen, denen der Strom abgeschaltet werden sollte. In den meisten Fällen warten die Menschen, bis sie sich nicht mehr zu helfen wissen, bevor sie sich bei ihr melden, sagt Gabriele Morath. "Wenn der Caritasverband einsteigt, kann man vielleicht noch einmal neu verhandeln", sagt Daniel Schäfner, stellvertretender Leiter der Caritas. Dann versucht Gabriele Morath, eine Ratenzahlung zu vereinbaren. "Die meisten schaffen es nicht allein", sagt die Sozialberaterin.


Aus der Sicht der Familie

Sie nimmt sich Zeit für die Menschen. "Nur wenn ich sie sehen und hören kann, kriege ich einen Draht zu den Leuten." Oft wird sie von Bekannten gefragt: Wie kann es sein, dass Menschen in so eine Situation geraten? Ihre Antwort: "Nehmt Abstand von eurer Sichtweise und versucht, die Situation aus der Sicht der Familie zu sehen." Vielen fällt das gar nicht so leicht. Selbst denen, deren Beruf augenscheinlich darin besteht, meint die Sozialberaterin. "Im Sozialamt kann man nicht so arbeiten wie im Finanzamt."

"Die scheinbar heile Welt ist nicht immer so heil. Auch nicht in Bad Kissingen. Die Aktion ist gut für die Region und gut für uns alle", sagt Alexander Subat, Geschäftsführer der Kissinger Verlagsgesellschaft. Problemfälle könnten mit den Spenden immerhin gelindert werden, meint er. "Dank der treuen Spender."

Von 204 Klienten, die in diesem Jahr bei Gabriele Morath Hilfe gesucht haben, konnte sie 90 Prozent mit den Spenden helfen. Von den wenigsten kann sie eine Rückzahlung erwarten. Macht nichts: "Ich möchte die Menschen durch Gespräche befähigen, einen klaren Blick auf ihre Situation zu bekommen und die Probleme schrittweise anzugehen."