Im Jahr 1899 wurde die erste "Messungsbehörde" in Bad Kissingen eingerichtet, seit 2007 ist das Bad Kissinger Vermessungsamt auch für den Landkreis Rhön-Grabfeld zuständig und ab 2014 haben sich die Aufgaben um die Bereiche Digitalisierung und Breitband erweitert. In unserem ersten Sommer-Interview spricht Leiter Konrad Unsleber über die neuen Aufgaben seiner Behörde, die gute Zusammenarbeit mit den Feldgeschworenen und den bevorstehenden Umzug ins Luitpoldbad.

Herr Unsleber, das bisherige Vermessungsamt trägt jetzt den Namen "Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung". Was war der Grund?

Konrad Unsleber: Nach der letzten Landtagswahl wurden in Bayern die Ressorts neu geordnet. Im Zuge der Neuorganisation der Ministerien wurde die Breitbandförderung aus dem Wirtschaftsministerium herausgelöst und in das Finanzministerium eingegliedert. Von dort aus wird die bayernweite Breitbandoffensive organisiert. Das Finanzministerium wurde in "Staatsministerium der Finanzen, für Landentwicklung und Heimat" umbenannt. Eine neue und vordringliche Aufgabe ist nach dem Willen von Staatsminister Markus Söder die flächendeckende Erschließung Bayerns mit "schnellem Internet".

Mit welchem Ziel?
Dadurch soll das Gefälle zwischen Stadt und Land verringert und gleichwertige Lebensverhältnisse geschaffen werden. Die Bayerische Vermessungsverwaltung soll bei der Breitbandoffensive und bei der Digitalisierung Bayerns eine wesentliche Rolle spielen. Die Umbenennung des Vermessungsamtes Bad Kissingen in Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) soll den Aufgabenzuwachs für jedermann verdeutlichen.

Warum ist die Digitalisierung bei Ihnen gut aufgehoben?
Man schätzt, dass rund 80 Prozent aller Informationen einen Raumbezug besitzen, der im Regelfall - und da kommt die Vermessungsverwaltung ins Spiel - in Karten oder Plänen dargestellt wird. Diese raumbezogenen Informationen werden bei zahlreichen Tätigkeiten, für Berichterstattung, für Analysen, Bewertungen und Vorhersagen verwendet. Auf Grundlage der Geobasisdaten der Vermessungsverwaltung werden die Informationen der Fachbehörden visualisiert. Daneben bietet das Internet die Möglichkeit, Informationen aller Art kostengünstig zu verteilen und rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen.

Und der konkrete Nutzen?
Ein positives Ergebnis aus der Kombination von Geobasisdaten, Fachdaten der einzelnen Behörden und dem Internet ist, dass die Verwaltung einfacher, effizienter und bürgernäher wird und Entscheidungen der Politik dadurch für den Bürger transparenter und leichter nachvollziehbar sind. Die Europäische Gemeinschaft lenkt diesen Prozess mit dem Ziel, eine Europäischen Geodateninfrastruktur zu schaffen: Alle Behörden bis hinunter zur kleinsten bayerischen Gemeinde sind verpflichtet, ihre digitalen Fachdaten im festgelegten EU-Standard bereitzustellen. Projekte sind beispielsweise die Bereitstellung der "Bauleitpläne im Internet", das "vernetzte Bodenrichtwertinformationssystem" oder der Energieatlas.

Deshalb auch die Zuständigkeit für den Breitband-Ausbau?
Ja, es ist schlüssig, dass sich die bayerische Vermessungsverwaltung der Breitbandförderung annimmt. Die Vermessungsverwaltung beweist seit Jahrzehnten, dass sie im Umgang mit digitalen Techniken eine überaus kompetente Verwaltung ist und auch in der Durchführung von komplizierten Verwaltungsverfahren, wie beispielsweise die Baulandumlegung nach dem Baugesetzbuch, erfahren ist.

Welche Auswirkungen hat das auf das Personal? Werden Mitarbeiter dazu weitergebildet oder müssen Spezialisten geholt werden?
Sowohl, als auch: Die zusätzlichen Aufgaben werden - nach entsprechender Schulung - mit dem vorhandenen Personal erledigt. In einem ersten Schritt wurden unsere Breitbandmanager in Bezug auf die neue Förderrichtlinie vom Bayerischen Breitbandzentrum Amberg geschult. Daneben steht je Regierungsbezirk ein Regionalmanager der Beratungsgesellschaft "PricewaterhouseCoopers " zur Verfügung. Breitbandmanager und Regionalmanager sind vorwiegend für die Beratung der Kommunen im Förderverfahren zuständig.

Wie schnell kommt das schnellere Internet?
Die neue Richtlinie zur Förderung des Aufbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen im Freistaat Bayern ist mit Wirkung vom 9. Juli 2014 in Kraft getreten. Sie ersetzt die bisher vom Wirtschaftsministerium herausgegebene gültige Rechtsvorschrift. Das Förderverfahren, das dem vorhandenen EU-Recht entsprechen muss, wurde von bisher 19 Schritten auf nunmehr 9 Module vereinfacht. Beispielsweise ist die Bedarfsermittlung entfallen, da Bedarf in den ländlichen Gebieten beinahe flächendeckend besteht. Neu hinzugekommen ist, dass mit dem Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes auch der Upload wesentlich erhöht werden muss, um eine Förderung zu erhalten.

Wie sieht das praktisch aus?
Für die Durchführung des Förderverfahrens selbst sind die Kommunen verantwortlich. Für die technische Unterstützung beauftragen die Kommunen im Regelfall ein Consultingbüro, das sie bei der Durchführung der praktischen Verfahrensschritte unterstützt.

Zu Ihrer bisherigen Kernaufgabe: Wie viele Kommunen haben bereits digitale Flurkarten?
Der Amtsbezirk des ADBV Bad Kissingen umfaßt die Landkreise Bad Kissingen und Rhön- Grabfeld. Alle 63 Gemeinden des Amtsbezirkes sind der Generalvereinbarung zwischen dem bayerischen Staatsministerium der Finanzen und dem Bayerischen Gemeindetag sowie dem Bayerischen Städtetag beigetreten. Nachdem nun über 90Prozent der bayerischen Kommunen der Generalvereinbarung beigetreten sind, ermäßigen sich rückwirkend zum 1. Januar 2014 die Gebühren für den Bezug der Digitalen Flurkarte um zehn Prozent.

Was gibt es an neuen Aufgaben oder laufende Tätigkeiten?
Neben der Beratung der Kommunen in Verfahrensfragen bei der Förderung nach der Breitbandrichtlinie, ist das ADBV für die Prüfung der Anträge auf Gewährung von "Startgeld Netz" im Rahmen der bayerischen Hochgeschwindigkeitsförderung zuständig. Startgeld Netz ist eine einmalige Zuwendung in Höhe von 5 000 Euro zur Deckung des entstandenen administrativen Aufwands. Noch in diesem Jahr wird mit der graphischen Erfassung der Schulsprengel begonnen. Im einem ersten Schritt werden vorhandene digitale graphische Daten der Schulämter übernommen. Fehlende Informationen werden digitalisiert und den Schulämtern zur Qualitätskontolle übergeben. Seit dem 10.Juli ist am ADBV Bad Kissingen als erstem Amt mit Außenstelle in Unterfranken das bundeseinheitliche Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem eingeführt. Die Sach- und Graphikdaten des Liegenschaftskataster (Grundstücke und Gebäude) werden in einer zentralen Datenbank als Objekte gespeichert.

Unterstützt werden Sie von vielen ehrenamtlichen Feldgeschworenen: Gibt es dafür noch Freiwillige und wie klappt die Zusammenarbeit?
Das Ehrenamt des Feldgeschworenen ist in Franken eine lebendige und kraftvolle Institution. Derzeit ist meines Wissens in jeder Gemeinde im Amtsbezirk die erforderliche Anzahl von Feldgeschworenen vorhanden. Die Zusammenarbeit mit den Feldgeschworenen beider Landkreise ist hervorragend.

Wenn das Luitpoldbad zum Behördenzentrum umgebaut ist, ziehen auch Sie um: Wie waren Sie an der Planung beteiligt?
Alle 14 Tage findet ein Bauherrn-Jour fixe statt. Dadurch stehen wir im ständigen Kontakt
mit dem planenden Architekten und allen beteiligten Stellen. Noch nicht geklärt ist die hochwasserfreie Unterbringung unserer fünf Dienstwägen am neuen Standort.

Was wird sich bessern?
Es wird einen ausreichend großen Besprechungs- und Schlungsraum für alle Behörden
geben, in dem die Bediensteten von Hauptamt und Außenstelle gemeinsam geschult werden können.

Werden Sie auch etwas vermissen, was zurückbleiben muss?
Unsere Flexibilität in Bezug auf die Gestaltung und Unterhaltung unseres Dienstgebäudes. Im Luitpoldbad sind wir nicht mehr grundbesitzverwaltende Dienststelle.

Steht schon fest, was mit Ihrer Liegenschaft geschieht?
Nein. Zuständig für die Vermarktung des Anwesens ist die Immobilien Freistaat Bayern.

Das Gespräch führte Ralf Ruppert.


Rund um das Vermessungsamt

Geschichte Die erste Bezirksgeometerstelle in der Region wurde 1852 in Kissingen gegründet und zog drei Jahre später nach Münnerstadt um. 1899 wird dann die Messungsbehörde Kissingen gegründet, 1926 kam der Bereich Hammelburg, 1933 Münnerstadt und 1957 Brückenau dazu. 2007 wurde das Vermessungsamt Bad Neustadt aufgelöst, allerdings gibt es dort noch eine Außenstelle.

Zuständigkeit Das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung ist für 273 Gemarkungen in 63 Kommunen zuständig. Insgesamt sind das 2158 Quadratkilometer.
Personal Die Behörde hat aktuell 39 Beschäftigte, die sich 34,15 Vollzeitstellen teilen. Zum Vergleich: 1985 hatten die Vermessungsämter Bad Kissingen und Bad Neustadt insgesamt noch rund 70 Beschäftigte.

Leiter Diplom-Ingenieur Konrad Unsleber ist Vermessungsdirektor. Der 60-Jährige ist verheiratet und hat eine Tochter. Ab 1985 war er stellvertretender Amtsleiter in Bad Neustadt, ab 1991 leistete der Aufbauhilfe im Thüringer Innenministerium, 1993 wechselte er als Katasterreferent an die Bezirksfinanzdirektion Würzburg. Seit 1997 ist er Amtsleiter in Bad Kissingen.

Im nächsten Teil unserer Serie sprechen wir am Samstag, 9. August mit Jürgen Pfister, der seit 30 Jahren im Bad Brückenauer Stadtrat sitzt und bei der jüngsten Wahl das beste Ergebnis hatte.