Dass sie nicht nur mit Herzblut Theater spielen, sondern auch hinter den Ideen der Stücke
stehen, ist den Schauspielern anzumerken. Seit 32 Jahren engagiert sich die Berliner Compagnie, die 2009 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde, für Völkerverständigung und Umweltschutz.
"Musiktheater berührt das Publikum mit allen Sinnen, kann viel besser aufrütteln als reine Information", erklärt Schauspieler Jean-Theo Jost. Die Berliner Compagnie wolle damit Politik machen und sehe sich durch die Rückmeldungen der Zuschauer auf dem richtigen Weg. Ein 80-seitiges Programmheft bietet detaillierte Hintergrundinformationen zur Flüchtlingsproblematik und zum Klimawandel.
Im Mittelpunkt des Stücks "So heiß gegessen wie gekocht" stehen die Betreiber eines kleinen Gasthofs. Sie werden von einem Großkonzern umworben, der in der Nähe ein Kohlekraftwerk bauen will. Die Gastwirtschaft wird zum Widerstandsnest. Der illegale Tellerwäscher und Flüchtling Ibrahim entpuppt sich als Ingenieur, der Koch mit krimineller Vergangenheit als Haute-cuisine-Genie. Die altlinken Wirtsleute sind hin- und hergerissen zwischen ihren Geldsorgen und dem Kampf gegen Umweltausbeutung. Die Tochter als Dauerstudentin organisiert den Widerstand vor Ort, von der Demo bis hin zu den aufreibenden Behördenverfahren.
Die Autorin Helma Fries nimmt mit viel Ironie und schrägen Figuren auch die Altlinken, die umweltbewegten Profidemonstranten und die extremen Vegetarier aufs Korn. Auch wenn das Stück gespickt ist mit Fakten, komplizierten Zusammenhängen und Statistiken zu Klimawandel, Luftverschmutzung, Energie produktion und Flüchtlingsproblematik, wirkte es nicht belehrend. Es kommt keine Ermüdung auf. Die Fakten dienen als Stilmittel, machen nachdenklich. Mehrstimmige, musikalisch anspruchsvolle Lieder rütteln auf.
Mit Kochlöffeln wird auf Bleckkisten und Töpfen rhythmisch getrommelt. Teller werden passend zur Musik geworfen. Der verstorbene Politiker, Energieexperte und Umweltaktivist Hermann Scheer, dem das Stück gewidmet ist, spricht aus dem Off. Ein Feuerwerk an Ideen und Stilmitteln fesseln das Publikum.
Am Schluss gibt es eine Art Happy End und eine Perspektive. Durch - zwar illegale - Akteneinsicht stellt sich heraus, dass der Standort für Windkraftanlagen vorgesehen ist. Daher kann kein Kohlekraftwerk gebaut werden. Der Flüchtling Ibrahim geht freiwillig zurück nach Afrika, um mit seinem Fachwissen zu helfen, erneuerbare Energie für sein Land zu nutzen.
"Die Erfolgsgeschichte des Ladens ist nur durch Euch Mitarbeiter und Kunden möglich", sagte Monika Mützel, Vorsitzende des Weltladenvereins. Stellvertretend für alle Engagierten dankte sie den ehemaligen Geschäftsführern Doris Kleinhenz, Franz Emmert sowie Lothar Pfau, Margit Weissenberger, Irene Fell und Angelika Beichel.