Als Kind dachte ich immer, dass der Vollmond die Wolken verscheucht . Der Beweis war offensichtlich: Immer wenn ich den Vollmond sah, waren schließlich keine Wolken am Himmel. Es hat einige Zeit gedauert, bis mich mal jemand auf die Möglichkeit hingewiesen hat, dass es auch jenseits einer dichten Wolkenschicht einen Vollmond geben könnte, dass meine Meinung also völliger Quatsch war.
Noch heute bin ich froh, wenn mich jemand auf Denkfehler und falsche Vorurteile
hinweist. Am liebsten natürlich im persönlichen Gespräch. Wenn es um politische oder wissenschaftliche Fragen geht, gerne aber auch aus einer guten Tageszeitung: Es ist einfach schön, durch einen gut recherchierten Bericht auf ein Thema aufmerksam gemacht zu werden, dass mich sonst nie interessiert hätte. Völlig egal, ob es um die Straßenausbaubeitragssatzung der Nachbargemeinde, die Probleme von Rettungssanitätern, Hintergründe zur Flüchtlingswelle oder Turbulenzen in der Wirtschaft geht. Auch wenn man unsere komplexe Welt niemals ganz verstehen kann, ergeben viele kleine Puzzleteile zumindest ein etwas genaueres Bild.
Im Internet dagegen suche ich meist nur gezielt Informationen. Im World Wide Web lasse ich mich ungern überraschen, ganz abgesehen von der Fragwürdigkeit vieler Quellen schaue ich dort meist nur auf die Puzzleteile, die ich schon kenne. Nach meiner Erfahrung lesen die meisten Nutzer in den sozialen Medien meist nur noch, was in ihr Weltbild passt. Das mag bequem sein, aber auf Dauer ist das nicht nur langweilig, sondern gefährlich. Deshalb meine Bitte: Bleiben Sie neugierig, lassen Sie sich überraschen - und überlegen Sie, ob sich Wolken und Vollmond tatsächlich ausschließen.