Es sind schwere Zeiten für Bäcker. "Das ganze Nahrungsmittelhandwerk leidet", klagt Bäckermeister Ferdinand Vogler aus Schondra. Hohe Nebenkosten, vor allem der Strompreis und die Personalkosten, drücken ihm aufs Gemüt. Dazu kommt der harte Konkurrenzkampf mit größeren Filialbäckereien und mit den Backautomaten der Discounter. Seit rund 50 Jahren steht Vogler in der Backstube, finanziell so schwierig wie heute war es früher nie.
Heute, erzählt er, müsse er aufpassen, dass er sich nicht verschulde. "Die Nebenkosten sind wirklich enorm, man braucht jeden Cent. Gerade für kleine Betriebe wird es immer schwieriger, zu bestehen", sagt er.

Bei den Personalkosten gibt es jetzt Bewegung. Die bayerische Bäckerinnung steigt zum 1. Oktober aus dem geltenden Tarifvertrag aus. In einer Pressemitteilung des Landesinnungsverbandes heißt es zur Begründung, dass die Betriebe in der aktuellen Rechtsprechung insbesondere in Bezug auf die Urlaubsregelung benachteiligt würden. Das soll korrigiert werde, die Innung wolle mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) neu verhandeln. Vogler zeigt sich etwas ratlos. "Ob das die Lösung ist, weiß ich auch nicht", meint er. Er hält den Strompreis für das größere Problem, weil Bäcker Energieintensiv produzieren.


Kritik von der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft NGG ist jedenfalls von den neuen Forderungen der Arbeitgeber wenig begeistert. Sie warnte gestern vor enormen Einschnitten für die Beschäftigten, immerhin 480 im Landkreis Bad Kissingen. Die Bäckerinnung habe einen "wahren Horrorkatalog vorgelegt", schimpft NGG-Bezirksgeschäftsführer Ibo Ocak. Die Gewerkschaft wirft der Innung vor, sie wolle das Urlaubsgeld streichen, die Sonntagsarbeit ausweiten und die Probezeit verdoppeln. Außerdem wollten die Arbeitgeber bis zu zehn Krankheitstagen mit Urlaubstagen verrechnen.


Kaum Interesse an Ausbildung

Ocak betont, dass die Arbeitsbedingungen aller Bäckerei-Angestellten im Kreis Bad Kissingen und in Bayern geschützt werden müssen. Er weist auf den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in der Branche hin. "Gerade wenn man junge Leute für die Ausbildung gewinnen will, muss der Job in der Bäckerei attraktiv bleiben", sagt Ocak.

Die Bäcker in der Region haben seit Jahren zunehmend Probleme, Auszubildende zu finden. Laut Kreisinnungsobermeister Anton Hesselbach wird im Landkreis Bad Kissingen im September voraussichtlich ein Jugendlicher eine Ausbildung zum Bäcker beginnen.