Bad Kissingen — Ist alles nur Styling bei "Eklipse", dem stylischen Streichquartett an (ebenso stylischen) zwei elektronischen Geigen, einer Bratsche und einem Cello, die nur aus Griffbrettern, knappem durchsichtigem Plastikkörper mit roten Leuchtbändern an den Rahmen bestehen? Auf ihrer Homepage sehen sie aus, als seien sie aus "Twilight" entsprungen.
Man könnte die vier nach ihren Instrumenten benennen, denn zu ihrem Style gehört auch, dass sie ihre wirklichen Namen im Dunkeln lassen, sich Cello=Helena, Viola=Viola, 1. Geige =Miss E. und 2. Geige=Scarlett nennen und auf ihrer ebenfalls superstylischen Homepage nebulöse Biografien präsentieren, die auch eher wie aus einem Spionagefilm als wie Musikerbios klingen.

Gemischte Publikumsreaktionen

Zum Programmstyling gehört die blau ausgeleuchtete Hauptbühne mit vier zierlichen Straßenlampen á drei Lampen. Davor auf der Vorderbühne die vier Damen aus Köln. Verfremdet haben sie ihre Gesichter mit einer Augenklappe, zwei Augenbinden und einem zumindest im zweiten Teil schwarzen Schleier.
Verfremdet kommt auch ihre Musik daher, denn sie spielen ihre Instrumente nicht nur heftig verstärkt, sondern lassen sich auch ihre synthetisch hergestellten Einleitungen, ihr Backup mit Percussioninstrumenten, eine Bassstimme dazumischen zum raumfüllenden Klang.
Eine Gemeinde, zum Teil mit dem Connoisseur-Blick derer, die ganz auf der Höhe der Zeit zu sein glauben, zum anderen Teil ein wenig ratlos, zum dritten angetan bis irritiert vom Wechsel-Outfit zwischen aufgedonnerten kleinen Mädchen in Weiß im ersten und netzstrümpfig-nuttigen Biestern in Schwarz im zweiten Teil füllte das Parkett des Kurtheaters. Nach der Pause waren es ein paar weniger.
Was war's nun aber? War's ein perfekt durchgestyltes Show-event einer jungen Frauenband oder doch ein Konzert eines wie immer verfremdeten Streichquartetts? Geigensuperstar David Garrett beweist sich alljährlich im Crossover; er zeigt aber ständig, dass das perfekte Geigenspiel ihm eher noch wichtiger ist als sein cooles Aussehen.

Beflissene Geigenschülerinnen

War's so? Oder doch eher der Versuch, vier Mädels, die sich besonders im ersten Teil des Abends auf ihren Instrumenten nicht über die erste Lage (Grundstellung der Finger) hinausbewegten, als das ganz Besondere, Mysteriöse, Angesagte zu hypen, zu vermarkten?
An ihrem Auftreten und ihrer Bühnenpräsenz müssen die vier noch arbeiten, bis sie die glatte Professionalität ihrer Homepage erreichen: 1. Geige und Cello haben sie mehr oder weniger, bei 2. Geige und Bratsche schaut beim Spiel allzu oft noch die uncoole beflissene Geigenschülerin durch, die steif dasteht und ihre Töne brav moduliert. Miss E.=1. Geige sollte es vor dem Publikum merken, wenn ihr Ins trument völlig verstimmt ist (Das kommt wohl davon, wenn man alles in der 1. Lage spielen will.). Und unsaubere Ansätze oder nicht so ganz saubere Töne macht auch die beste Soundmischanlage nicht ungeschehen.
Die vier jungen Frauen spielten nach eigener Ansage "ein buntes Programm aus Coversongs" von Justin Timberlakes "Cry me river" über "Sweet Dreams" von Marilyn Manson bis zur Titelmelodie zum Film "Der Pate". Die Arrangements kamen nicht sonderlich interessant, sehr wenig animiert und etwas antrainiert herüber, da wurde auch gelegentlich noch mit der Technik gekämpft. Ausnahme war Helena=Cello, die im Stehen ihr Instrument mit sexy Ausfallschritt stabilisiert, was anstrengend aussieht, sie aber nicht vom souveränen Spiel mit einem schönen Ton abhält.
Was dem Quartett aber bis kurz vor Schluss fehlte, waren die Musizierlust, das Aufeinander-Hören, das miteinander, nicht nebeneinander Musizieren. Erst bei der Zugab e spielten sie plötzlich wie gelöst.