Bad Kissingen — Kuh an Kuh. Euter an Euter. Im Melkkarussell reihen sich 24 Tiere aneinander. Jedes hat seinen Platz. Während sich die Anlage dreht, wankt Kuh Nummer 176 hinaus und die nächste rückt am anderen Ende nach. Eine Viertelstunde dauert es, bis die vier Zitzenbecher der Melkmaschine die Kuh um rund 15 Liter Milch erleichtert haben. 100 Kühe schafft er in einer Stunde, sagt Burkard Baus.
Der Milchbauer aus Mitgenfeld hat sich vor 16 Jahren mit drei anderen Landwirten zusammengeschlossen. Der Milchquote trauert der 46-Jährige nicht nach. Er sieht in der Abschaffung im Frühjahr 2015 auch Chancen für die Bauern.
"Die Quote war zu starr", sagt der 46-Jährige. "Sie hat sich nicht dem Markt angepasst." Sie habe zwar ihr Ziel erreicht, den Bauern einen stabilen Preis zu garantieren, der lag aber "auf einem niedrigen Niveau". Außerdem blieb er jahrelang gleich. Trotz Inflation und steigender Kosten für Treibstoff und Futter. Ohne Quote könnte er pro Liter Milch mittlerweile zwischen 45 und 50 Cent bekommen, schätzt er. Etwa 10 Cent mehr als heute. Für die Zeit nach der Quote stellt er sich aber auch auf stärkere Preisschwankungen ein. Wie Kurt Adrio, Milchbauer aus Dittlofsroda.

Schwankungen nehmen zu

"Ohne Quote geht es noch mehr rauf und runter", sagt der 62-Jährige. Noch vor der Milchquote und mit ihrer Einführung vor 30 Jahren war der Preis konstant, erzählt er. Von den vielen Tausend Euro, die er in den Kauf der Quoten gesteckt hat, bleibt ihm ab dem Frühjahr nichts mehr. "Man muss das investierte Geld verdient haben", sagt er.
Gemeinsam mit seinem Sohn führt er einen Familienbetrieb mit 200 Milchkühen. Der 62-Jährige ist Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Hammelburg. Dass die Quote ausläuft, muss jedoch nicht nur Nachteil sein: "Es betrifft ja alle." Sein Kollege aus Elfershausen sieht die großen Industriebetriebe dennoch im Vorteil.
"Von der künftigen Entwicklung habe nicht ich etwas, sondern die Konzerne", sagt der Bio-Milchbauer. Er habe Sorgenfalten auf der Stirn. Der 45-Jährige befürchtet, dass durch die Aufhebung der Milchquote die großen Industriebetriebe profitieren und die kleinen Milchbauern "noch mehr" auf der Strecke bleiben. In einem freien Markt falle es seiner Meinung nach leichter, "die Kleinen" zu verdrängen. Der Landwirt ist bereits jetzt an seine Kapazitätsgrenzen gekommen. Seit Jahren liefert er mit 120 Kühen unter seiner Quote. Von den satten Strafen der Superabgabe bleibe er deshalb verschont.

Risiko Superabgabe

Viele Landwirte pokern im letzten halben Jahr mit der Milchquotenregelung. Sie ersparen sich den Kauf von weiteren Kontingenten und hoffen, dass es billiger wird, die Geldstrafe zu zahlen, die ihnen bei zu hoher Lieferung blüht. Andere sehen zu, dass sie ihre Quoten beim letzten Milchbörsentermin am 2. November losbekommen. Karin Müller vom Landwirtschaftsamt in Bad Neustadt kümmert sich um die Anträge aus dem Raum Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Sie erwartet im September einen Anstieg beim Verkauf. Was ab 1. April ohne Milchquote auf dem freien Markt mit dem Preis passiert, ist umstritten, meint sie.
"Der Milchpreis steht und fällt mit dem Exportgeschäft", sagt Kurt Adrio. "Das ist das, was uns allgemein hochhält", meint Burkard Baus aus Mitgenfeld. Welchen Preis er und seine Geschäftspartner für die 1,8 Millionen Kilogramm Milch bekommen, die sie im Jahr produzieren, ist offen. Er vermutet, dass sich die Veränderung nicht gleich zu Beginn bemerkbar machen wird. "Aber das kann man nie genau voraussagen."