Bei den Unterfränkischen Meisterschaften der Leichtathleten gab es für die heimischen Leichtathleten einige Erfolge zu vermelden. In Großostheim waren in diesem Jahr allerdings deutlich weniger Sportler am Start. Da erst seit etwas mehr als vier Wochen wieder ein geregelter Trainingsbetrieb möglich war - lediglich Kaderathleten durften vorher trainieren - ist dies aber verständlich.

Dass in diesem Jahr eine Bezirksmeisterschaft zustande kam, ist auch ein Verdienst von Paul Fella, dem Sportwart im Bezirk Unterfranken. Nachdem Kitzingen die Veranstaltung zurückgegeben hatte, setzte der Hammelburger, der auch Kreisvorsitzender der Leichtathleten im Kreis Rhön/Saale ist, alle Hebel in Bewegung, um doch noch einen Ausrichter zu finden.

Sicherlich nicht leicht in Zeiten der Pandemie. Zumal viele Stadien zwar für den Trainingsbetrieb offen sind, aber Veranstaltungen nach wie vor nicht erlaubt sind. Auch die LG Aschaffenburg musste von der gewohnten Wettkampfstätte in Hösbach nach Großostheim ausweichen, was die gute Organisation nicht beeinträchtigte.

Johanna Büchs verteidigt Bezirkstitel

Sechs Mal durften sich Leichtathletinnen des TV/DJK Hammelburg über Bezirkstitel freuen. Johanna Büchs verteidigte über die 100 Meter Hürden ihren Bezirkstitel. In 15,84 Sekunden rannte die 25-Jährige flott und technisch perfekt über neun von zehn rund 84 Zentimeter hohen Hürden. Vor dem letzten Hindernis knickte sie dann leicht um, blieb dadurch an der Hürde hängen und holte sich noch einen blauen Fleck am Knie.

"Dass ich da nicht optimal durchgekommen bin, hat mich mehr geärgert als die dadurch verursachten Schmerzen", sagte die Jura-Referendarin, die jetzt in Würzburg wohnt, aber am Wochenende in Hammelburg trainiert. "Bis zur letzten Hürde war ich auf einem guten Weg, um unter 15 Sekunden zu bleiben. Das will ich jetzt bei den Bayerischen Meisterschaften Mitte Juli in Erding schaffen".

Im Hochsprung musste die TV/DJKlerin den Sieg Katharina Schmitt überlassen. Beide Athletinnen überwanden 1,54 Meter. Aber die Würzburgerin hatte weniger Fehlversuche. Vizemeisterin wurde Johanna Büchs zudem im Weitsprung mit 4,80 Meter.

Mehrkampfspezialistin Hanna Schmitt hatte in Großostheim ein Mammutprogramm zu bewältigen. Sechs Starts hatte Vater Heiko ihr in der Jugend U20 auferlegt. Vom Hochsprung, den sie mit 1,54 Meter gewann, ging es im Laufschritt zum anderen Ende des Stadions. Dort warteten zehn Hürden, verteilt auf 100 Meter auf die Westheimerin. Auch da stand sie am Ende mit einer Zeit von 15,89 Sekunden wieder in der Ergebnisliste ganz oben.

Im Weitsprung reichte ihre sehr gute Weite von 5,16 Meter zu Rang drei. Besser waren da nur die im Weitsprung zur absoluten bayerischen Spitze gehörenden Paula Gerhard von der LG Main-Spessart und Lilian Heid vom TV/DJK Hammelburg.

Lilian Heid hadert mit dem Ergebnis

Letztere haderte dennoch etwas mit dem Ergebnis. "Es hätten durchaus schon ein paar Zentimeter mehr sein können", äußerte sich die mehrmalige Bayerische Meisterin. "Der Ausreißer nach oben, den sie meist im letzten Sprung auspackt, hat an diesem Tag halt gefehlt", sah es Trainer Paul Fella gelassen.

Gemeinsam mit seiner Frau Angelika Franz Fella, die mit ihm für das Jugendtraining in Hammelburg zuständig ist, durfte er sich zudem über die starke Leistung von 59,98 Sekunden von Elisa Eich über die 400 Meter der U20 freuen. "Das war für mich überraschend und überhaupt erst das zweite Mal, dass ich unter 60 Sekunden geblieben bin" freute sich die Fuchsstädterin, die im vergangenen Jahr über 400 Meter Hürden in die erweiterte deutsche Spitze der Jugend vorgedrungen ist.

Da konnte sie es sicher verschmerzen, dass sie über die 100 Meter in 13,15 Sekunden Zweite hinter Paula Gerhard von der LG Main-Spessart wurde. Auf Platz drei und vier sprinteten Hanna Schmitt (13,31 Sekunden) und Lilian Heid, die in 13,49 Sekunden gestoppt wurde.

Hanna Schmitt sorgte dann in ihren letzten beiden Disziplinen für zwei neue persönliche Bestmarken. Im Kugelstoßen schaffte sie es, die vier Kilogramm schwere Kugel auf 10,18 Meter zu befördern und gewann damit vor Elisa Eich, die ihrerseits 9,74 Meter erzielte.

Im Speerwurf schleuderte Schmitt den 600 Gramm schweren Speer auf 31,81 Meter und musste damit nur Jana Rothaug (33,54 Meter) von der LG Main-Spessart den Vortritt lassen.

Etwas die Puste ausgegangen

"Da braucht man ja auch eine Menge Ausdauer. Ich bin am Ende ganz schön platt gewesen", beschreibt Niklas Amthor vom TSV Bad Kissingen seinen ersten Auftritt in der U18 über die 110 Meter Hürden. Im vergangenen Jahr in der M15 standen da noch 80 Meter mit Hürden auf dem Wettkampfprogramm. Jetzt ist die Strecke 30 Meter länger geworden, drei Hürden kamen dazu und diese wurden auch noch von rund 84 Zentimeter auf jetzt 91,14 Zentimeter erhöht.

Auch wenn Niklas Amthor auf den letzten Metern etwas die Puste ausging, so sind seine 15,62 Sekunden dennoch eine exzellente Zeit, mit der er in Bayern auch in der für ihn neuen Altersklasse gleich wieder zur Spitze zählt.

Sein Teamgefährte Moritz Fischer, der im vergangenen Jahr den Bayerischen Titel über die 300 Meter Hürden der M15 gewann, musste vor der letzten Hürde dribbeln und wurde in 16,87 Sekunden Zweiter.

Dass nach nur wenigen Wochen Training noch etwas die Ausdauer fehlt, musste Niklas Amthor später auch nach dem Rennen über 400 Meter feststellen. Bis 200 Meter sah alles noch recht flott aus. Aber wenig später war der Akku leer und er musste sich in 55,51 Sekunden hinter Lennard Schmidt vom LAZ Kreis Würzburg mit Platz zwei zufrieden geben.

Emilia Zeitz vom TSV Münnerstadt überraschte in der Altersklasse W14 bereits im Vorlauf über 100 Meter. Auf sehr starke 13,62 Sekunden steigerte sich da schon die Gymnasiastin. Das war mit großem Abstand die schnellste Vorlaufzeit. Dementsprechend hatte sie sich jetzt selbst die Favoritenrolle für das Finale verabreicht.

Hartnäckige Konkurrentin

Bis zur Hälfte hatte Zeitz im Endlauf allerdings eine hartnäckige Kontrahentin an ihrer Seite. "Danach habe ich aber gemerkt, dass ich mich mehr und mehr absetzen kann", berichtet sie freudestrahlend nach dem Rennen, das sie in 13,70 Sekunden sicher gewann. Auch bei den Bayerischen Meisterschaften, die Ende August in Hösbach bei Aschaffenburg ausgetragen werden sollen, will sie nun eine gute Rolle spielen und möglichst das Finale erreichen.

Clemens Schmitt aus Niederlauer war der einzige aus der Trainingsgruppe von Bernd Neumann, der bei den Bezirksmeisterschaften am Start war. Nick Przeliorz aus Nüdlingen und der Maßbacher Timo Reinhart waren verhindert und geben ihren Saisoneinstieg am Wochenende in Aschaffenburg.

Clemens Schmitt startete über die 100 Meter und wurde in 12,15 Sekunden als Dritter gestoppt. Die Trainingsgruppe, die einst für den TSV Münnerstadt an den Start ging, dann in Erfurt und Fulda ihr Stelldichein gab, startet ab diesem Jahr für die LG Schweinfurt.