Gleich fünf Medaillen gewannen junge Leichtathleten aus dem Landkreis bei den Bayerischen Meisterschaften in Erding. Niklas Amthor vom TSV Bad Kissingen wurde Bayerischer Meister über die 400 Meter Hürden der Jugend U18. Zudem holte er Bronze über die 110 Meter Hürden.

Gleich zweimal Dritte der U20, im Diskuswurf und Hochsprung, wurde Hanna Schmitt vom TV/DJK Hammelburg. Ihre Teamgefährtin Elisa Eich überraschte mit Bronze über die 400 Meter der U20.

Amthor war nach dem Titelgewinn über die lange Hürdenstrecke erst mal gar nicht erfreut. "Da ist viel zu viel im Rennen schief gegangen."

Das U18-Rennen verlief schon etwas chaotisch - mit glücklichem Ausgang für den TSVler. Er startete auf Bahn drei und hatte Xaver Seelos vom TSV Geretsried, den Läufer mit der schnellsten Meldezeit, direkt vor sich auf Bahn vier.

Offensichtlich wollte Niklas Amthor in der Anfangsphase schnell an seinen Kontrahenten heranlaufen. Dadurch zog er den Schritt zu lang, touchierte schon die zweite von zehn Hürden und konnte einen Sturz nur mit viel Mühe verhindern. Danach musste er nahezu aus dem Stand das Rennen neu aufnehmen.

"Ich wusste in diesem Moment nicht so richtig, was ich tun soll. Für mich selbst unerklärlich, rannte ich die Gerade so schnell ich irgendwie nur konnte."

Der 16-Jährige aus Bad Bocklet holte nicht nur den Rückstand in kürzester Zeit wieder auf, sondern lief einen Vorsprung von zehn Metern auf den Rest des Feldes heraus. Aber auf dem folgenden Abschnitt zwischen 200 und 300 Metern musste Amthor dem Husarenritt Tribut zollen und wurde immer langsamer. Xaver Seelos merkte das und beschleunigte seinerseits heftig.

Der Geretsriedener rannte wenig später mit zwei bis drei Meter Vorsprung und viel Risiko auf die letzte Hürde zu. Niklas Amthor war auf der Zielgeraden ziemlich gezeichnet von der Anstrengung.

Doch nun touchierte Seelos plötzlich die letzte Hürde und stürzte. Er rollte zwar geschickt ab und kam schnell wieder ins Laufen. Aber diese unerwartete Chance auf den Titel ließ sich Niklas Amthor nicht mehr nehmen.

Die Anzeige wies zunächst eine Siegerzeit von 58,01 Sekunden aus. Die wurde kurze Zeit später noch um eine hundertstel Sekunde nach unten korrigiert und somit hatte Amthor wieder Glück. Denn genau 58,00 Sekunden ist die Qualifikationsnorm zur Deutschen Jugendmeisterschaft, die Ende Juli in Rostock ausgetragen werden. "Über den Titel freue ich mich schon. Aber die Zeit will ich in diesem Jahr noch deutlich verbessern", sagte er mit einem Lächeln nach der Siegerehrung.

Zweiter Kraftakt nach eineinhalb Stunden

Nur eineinhalb Stunden nach seinem Kraftakt über die langen Hürden lief Amthor im Vorlauf über die 110 Meter Hürden in 15,17 Sekunden erneut eine persönliche Bestzeit. "Vor dem Finale war ich aber so platt, dass ich kaum noch eine Erwärmung durchführen konnte."

Im Finale kam er für seine Verhältnisse zwar gut aus dem Startblock. Aber nachdem er an der dritten Hürde leicht hängengeblieben war, lag er etwas hinten. Diesmal wurde er jedoch nicht noch einmal hektisch, sondern lief seinen gewohnt guten Rhythmus sicher bis ins Ziel. 15,19 Sekunden reichten zu Bronze.

Über die 400 Meter Hürden der U20 wollte auch Elisa Eich vom TV/DJK Hammelburg glänzen. "Die ersten 200 Meter klappten richtig gut und ich musste nicht ein einziges Mal dribbeln", berichtet sie. Aber an den letzten Hürden verließ sie etwas der Mut und sie setzte den einen oder anderen Zwischenschritt zu viel.

"Um eine Medaille zu holen, hätte ich besonders an der letzten Hürde etwas mehr Risiko wählen müssen", weiß die 18-Jährige. Am Ende wurde sie in 1:05,47 Minuten Vierte. "Bei optimalem Rennverlauf kann sie sicherlich rund zwei bis drei Sekunden schneller laufen", ist sich auch Trainerin Angelika Franz Fella sicher. Damit wäre die Fuchsstädterin wie im letzten Jahr wieder in der erweiterten deutschen Spitze dabei.

Dass sie die läuferischen Fähigkeiten dafür besitzt, bewies sie am Vortag über die 400 Meter Flachstrecke. Eich musste auf der Außenbahn starten und hatte dadurch keine Orientierung zu den Läuferinnen hinter ihr. "Im Nachhinein war das sogar gut so, weil ich dadurch die ersten 200 Meter endlich einmal richtig schnell angelaufen bin", befand sie.

Diesen Schwung nahm sie mit bis auf die Zielgerade. Dort zeigte sie, dass sie sich richtig quälen kann. In 58,70 Sekunden, nur rund eineinhalb Sekunden hinter der Siegerin, durfte sie sich überraschend über Bronze freuen. Mit ihrer Zeit unterbot Elisa Eich ihre bisherige Bestzeit um mehr als eine Sekunde und schaffte exakt die Qualifikationsnorm zur Deutschen Jugendmeisterschaft, die sie über die 400 Meter Hürden bereits im Vorfeld der Meisterschaften erfüllt hatte.

Für Teamgefährtin Hanna Schmitt war es wohl der erfolgreichste Tag in ihrem Sportlerleben. Über zwei Medaillen mit jeweils neuer persönlicher Bestleistung durfte sich die Siebenkampf-Spezialistin in Erding freuen. Das sogar in einer Konstellation von Diskuswurf und Hochsprung, die es so vielleicht noch nie bei Bayerischen Meisterschaften gab. Die fehlende Körper-Masse beim Werfen macht Schmitt mit guter Technik und Schnelligkeit im Ring wett.

"Beim Einwerfen hatte ich einige sehr gute Würfe dabei. Aber im Wettkampf lief es zunächst doch nicht so gut, auch wenn ich vor dem letzten Versuch mit 31,91 Meter bereits auf dem Bronzerang lag", erzählt die 18-Jährige. Aber im sechsten Versuch passte dann alles und die Scheibe schlug bei 33,93 Meter in den Boden ein. Damit war die Freude über den Bronzeplatz und die persönliche Bestleistung natürlich riesengroß.

Schmitt unbeschwert im Hochsprung

Dementsprechend unbeschwert trat Hanna Schmitt im Hochsprung an. Da passt ihre Figur besser ins Bild der restlichen Springerinnen, die ja alle in der Regel recht leicht sind. "Ich hatte bereits drei Mal die 1,59 Meter übersprungen. Nun sollte es in Erding endlich über 1,60 Meter gehen", beschrieb sie ihr Ziel.

Dafür hatte sie mit ihrem Vater und Trainer Heiko weiter an der Hochsprungtechnik gefeilt. "Vor allem bei der Kopf,- und Armhaltung, die den Körper steuern, haben wir Verbesserungen erzielt", erklärt sie.

Bei 1,49 Meter stieg die Westheimerin in den Wettbewerb ein und wenig später schaffte sie die 1,59 Meter im zweiten von drei möglichen Versuchen.

"Ich wusste, wenn ich auch im Hochsprung eine Medaille will, muss ich möglichst im ersten Versuch über die 1,62 Meter, was prima klappte."

Nachdem auch Kaya Russler vom LAC Quelle Fürth diese Höhe nach dem ersten Anlauf übersprang, lagen nun beide auf dem Bronze-Rang. Da die Springerinnen an der folgenden Höhe von 1,65 Meter scheiterten, durften sie bei der Siegerehrung gemeinsam aufs Podest.

Im Kugelstoßen verabschiedete sich die fünffache Bezirksmeisterin Schmitt mit Platz fünf und einer Weite von 10,07 Meter. Damit ist bei ihr die Saison noch lange nicht zu Ende. "Ich will Ende Juli noch mal in Regensburg versuchen, das Siebenkampf-Ticket für die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaft zu lösen. Anfang September soll bei den Bayerischen Meisterschaften im Siebenkampf eine Medaille dazukommen und bei den Einzelmeisterschaften der U23 in Hösbach bin ich auch dabei."

Nachdem die Hammelburger Sporthalle nun öffnen darf, trainiert Hanna Schmitt auch zweimal in der Woche beim Volleyball. Die restlichen Tage sind mit täglichen Leichtathletik-Training oder eben Wettkampf ausgefüllt.

Johanna Büchs vom TV/DJK Hammelburg trainiert zwar nicht mehr ganz so viel wie vor einigen Jahren. Dass sie dennoch bei den besten Hürdenläuferinnen im Freistaat mithält, liegt an ihrer sehr guten und effektiven Hürdenüberquerung. Sehr flach und damit extrem schnell überläuft die 26-Jährige die knapp 84 Zentimeter hohen Hürden der Frauen. Manchmal allerdings wohl etwas zu flach. "Ich ärgere mich schon ein wenig, dass ich wieder eine Hürde mit dem Knie touchiert habe und dadurch sicherlich etwas Zeit verloren habe", sagte sie nach dem Finale über 100 Meter. Dennoch durfte sie sich in sehr guten 15,07 Sekunden über Platz fünf freuen.

Eine Medaille gab es dafür zwar in Erding nicht. Aber dafür erinnert sie eine weitere Narbe am Knie an die bayerischen Meisterschaften 2021.

Etwas enttäuscht zeigte sich Klubkollegin Lilian Heid nach dem Weitsprung der U20. Sie verfehlte den angestrebten Podestplatz. Die 18-Jährige hatte in Erding etwas Probleme mit der Anlaufgenauigkeit und traf den Absprungbalken nicht. Am Ende musste sie sich mit 5,16 Metern und Platz sechs zufrieden geben.