Was war das für ein außergewöhnliches Sportjahr für Nina Christof. Gerade 18 Jahre geworden, spielte die Hammelburgerin im August im Dress der Nationalmannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada, erzielte sogar ihre ersten beiden WM-Tore und wurde in ihrer unterfränkischen Heimat gleich zweimal als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet: in Hammelburg und für den Landkreis Bad Kissingen. Doch der große Traum von der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 sollte nun jäh platzen für die in den USA lebende Schülerin, die bereits als Vierjährige mit dem Eissport begonnen hatte, in der Laufschule der Kissinger Wölfe.

Die letzte Hürde auf dem Sprung nach Peking war das Olympia-Qualifikationsturnier in Füssen, das die deutsche Mannschaft hätte gewinnen müssen. Kein Ding der Unmöglichkeit, zumal mit dem Heimvorteil im Rücken. Als entscheidendes Handicap sollte sich die 0:3-Auftaktniederlage gegen Österreich erweisen vor den 400 Fans im Bundesleistungszentrum am Kobelhang. Ausgerechnet in Überzahl kassierte das Team von Bundestrainer Thomas Schädler den ersten Gegentreffer. "Wir haben kein Tor geschossen, auch nicht im Powerplay. Das ist der Grund, warum wir verloren haben", sagte später Kapitänin Julia Zorn.

Die Jüngste im DEB-Team

Nina Christof, die Jüngste im DEB-Team, hatte die Youngster-Sturmreihe gebildet mit Marie Delarbre und Nicola Eisenschmid (beide ERC Ingolstadt), bekam im zweiten Spiel gegen Italien aber die erfahreneren Laura Kluge und Sonja Weidenfelder (beide Memmingen Indians) an die Seite gestellt. "Das war für mich kein Problem, da ich beide Reihen in dieser Besetzung schon gespielt habe. Der Bundestrainer wollte halt was ändern. Im ersten Spiel waren wir alle vielleicht etwas zu nervös", so die 18-Jährige. Eine Umstellung, die sich auszahlen sollte: Deutschland gewann vor 500 Zuschauerinnen und Zuschauern mit 4:1. Die Chance auf das Olympiaticket wurde gewahrt, nicht zuletzt dank der Schützenhilfe des dänischen Teams, das Österreich besiegt hatte. Im Showdown gegen Dänemark gelang der erhoffte Erfolg, aber trotz einer 2:0-Führung erst nach Verlängerung und Penaltyschießen (3:2). Der eine Punkt genügte den Skandinavierinnen, um bei Olympia 2022 (4. bis 20. Februar) dabei zu sein.

"Das hat uns alle hart getroffen, zumal der Deutsche Eishockey-Bund uns in Füssen eine tolle Bühne fürs Frauen-Eishockey gab. Wir müssen daraus lernen und weitermachen", blickt Nina Christof schon wieder nach vorne. Die eigene Leistung beurteilt die Schülerin der Bishop Kearney High Scool in Rochester (Bundesstaat New York) gewohnt analytisch: "Ich hab' mir alle Spiele noch einmal angeschaut. Ich muss zielstrebiger und vor dem Tor noch konsequenter werden. Daran muss ich arbeiten. Und man hat gesehen, dass das Niveau im Fraueneishockey immer besser wird. Entsprechend groß ist die Konkurrenz."

Von der Familie angefeuert

Gefreut hatte sich die Saalestädterin über den Besuch von Familie und Verwandtschaft in der Halle. "Die haben sogar ein Plakat für mich gemalt und mich ordentlich angefeuert. Sogar, als ich auf der Strafbank saß." Bis Sonntag ist die 18-Jährige, den Thanksgiving-Ferien sei Dank, noch in Hammelburg, dann geht's zurück in die USA. "Erst besuche ich eine Freundin, dann geht's direkt weiter nach Nashville, wo ich mit meinem Team ein Turnier bestreite." Vorausgesetzt, die aktuelle Handverletzung erweist sich als nicht so schlimm. Im Vorbereitungsspiel gegen Japan hatte Nina einen Schuss mit der Hand schmerzhaft geblockt. "Nach dem MRT bekam ich vom Doc grünes Licht. Aber nach dem Turnier sollte ich die Hand so gut wie möglich schonen." Die nächsten Olympischen Winterspiele finden im Jahr 2026 übrigens in Mailand und Cortina d'Ampezzo statt. Nina Christof wird einen neuen Anlauf nehmen, um sich ihren Traum zu verwirklichen. Garantiert.