Dabei war dies erst ihr fünfter Lauf über diese Strecke. Schon in der Vorwoche war die Kurstädterin überraschend auf Augenhöhe mit den besten deutschen Nachwuchs-Hürdenläuferinnen, verpasste bei der internationalen Jugendgala in Schweinfurt bei Gegenwind knapp den Unterfränkischen Rekord. Und holte sich diesen in Regensburg schon im Vorlauf. "Da hatte ich Glück, dass der Regen noch nicht ganz so heftig war", sagt die TSVlerin. Aber bei Temperaturen um die 13 Grad konnte man nicht von idealen Wettkampfbedingungen reden. Jessica Schottorf erwischte dennoch einen Traumlauf. Vom Start, über die Hürdentechnik bis zum Schluss-Sprint nach der letzten Hürde - es passte einfach alles. Die erst 15-Jährige leistete sich keinen Fehler, war sehr schnell zwischen den Hürden unterwegs und gewann vor Katharina Winkler (LAC Quelle Fürth), die in diesem Jahr bereits 13,93 Sekunden lief, in der neuen unterfränkischen Rekordzeit von 14,04 Sekunden. Die alte Bestmarke hielt bis dato Annika Hohnheiser vom LAZ Kreis Würzburg, die vor zwölf Jahren 14,28 Sekunden lief.

In neuen Dimensionen

Wie gut die Badestädterin momentan in Form ist, zeigte sie zwei Stunden später als Vierte im Endlauf. Trotz starkem Regen blieb sie in einem hochklassigen Finale in 14,17 Sekunden erneut unter der alten Rekordmarke. "Eigentlich bin ich selbst ein bisschen sprachlos, was meine Leistungen betrifft", sagt sie. "Mein Ziel für dieses Jahr war eigentlich die Qualifikation (14,70 Sekunden) für die Deutschen Jugend-Meisterschaften. Jetzt habe ich den Rekord und auch noch den Kaderrichtwert (14,05 Sekunden) des Deutschen Leichtathletik-Verbands erfüllt", staunt Jessica Schottorf. Dabei wurde sie vorher weder in den Bezirks- noch in den Landeskader berufen.

Den Staffelstab verloren

Dass Freud und Leid oft eng beieinander liegen, musste Jessica Schottorf im Staffellauf über 4 x 100 Meter erfahren. Mit ihren Teamkolleginnen vom TSV Bad Kissingen hatte sie sich einiges vorgenommen. Das TSV-Quartett war aufgrund der starken Vorleistung im schnellsten Zeitlauf auf Bahn zwei gesetzt. Wohl auch wegen des starken Regens, kam nach dem ersten Wechsel aber schon das Aus. Startläuferin Lena Schröter wollte auf Jessica Schottorf übergeben. Die aber bekam den nassen Staffelstab nicht gleich zu fassen, und schon war die Wechselmarke überlaufen. So warteten Anna-Maria Brandl an drei und Schlussläuferin Lynn Humpert vergebens auf die schnelle Hürdenläuferin, die danach genau so untröstlich war wie ihre Kolleginnen.