"We are the Champions, we are the Champions. No Time for Losers". Als die Havelse-Fans nach dem erneuten 1:0 ihrer Mannschaft in der Drittliga-Relegation gegen den FC 05 die Queen-Hymne anstimmten, war das einer der bittersten Momente des Nachmittags für Schnüdel-Fan Peter "Freddy" Schaupp: So unwirklich, so unbegreiflich, so schwer zu akzeptieren.

Die Schweinfurter hatten den ersehnten Sprung in den Profi-Fußball verpasst. Obwohl sie - nicht nur in Schaupps Augen - im Rückspiel die bessere Mannschaft waren. "Ich habe mich gefühlt, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen", berichtet er. Aber wer seine Torchancen nicht nutzt, kann nicht aufsteigen (siehe unten).

Freddy Schaupp hatte den Relegations-Samstag wie geplant begonnen. Aufwachen im Hotelzimmer in Barsinghausen, Frühstücken und Auschecken. Dann die rund 20 Kilometer nach Garbsen fahren, wo das Spiel stattfand. Zwischen 9.30 und 10 Uhr war der 53-Jährige am Stadion, wo er seinen Junior Mirko samt zweier Freundinnen traf. An einem Kiosk unterhielt er sich mit einigen Havelser Anhängern.

Dann die erste Planänderung: Die Ordner des Gastgebers ließen Schaupp nicht in den Havelser Block. Zu gefährlich, meinten sie, wenn sich ein grün-weiß gewandeter Anhänger des Gegners mitten unter den rot-weißen Fans aufhalten würde.

Also erlebte der Bergrheinfelder, der in Fuchsstadt aufgewachsen ist, das Spiel im Schweinfurt-Block. Und raufte sich - wie viele Schnüdel-Fans - die kurzgeschnittenen Haare ob der Chancen, die ihr Team vor allem in der ersten Halbzeit ausließ. Aber immerhin: Die Nullfünfer legten ihre vermeintliche Zurückhaltung vom Hinspiel ab, dominierten den Gegner. Doch das von Schaupp erhoffte frühe 1:0 fiel nicht, im Gegenteil.

Umso größer der Schock, als der Havelser Kevin Schumacher sich in der 33. Minute energisch durchsetzte und satt abzog - Traumtor!

"Nach dem 1:0 für Havelse bin ich innerlich etwas weggebrochen, hab gedacht, der Käs' ist gegessen", beschreibt Freddy Schaupp seine Gefühle. Denn das Gegentor machte es den Schnüdeln nochmal schwerer, den Rückstand aus dem Hinspiel wettzumachen. Obwohl: Zwei Tore hätten wegen der Auswärtsregel zum Weiterkommen gereicht.

Doch nicht mal eines davon fiel. Was den 53-Jährigen verleitete, eine Fußball-Weisheit zu formulieren: "Es gibt Tage, an denen kannst du 90 Minuten auf ein Spielen und du triffst das Scheunentor nicht."

Und das war auch sein Hauptärgernis: Die für ihn bessere Mannschaft, mit den größeren Chancen, hatte verloren. Eigentlich hätte es zur Halbzeit 3:0 oder 3:1 für die Schweinfurter stehen müssen. Das hätten ihm hinterher auch ein paar Havelser Anhänger so bestätigt. "Vielleicht haben wir unser nötiges Quäntchen Torglück anderswo aufgebraucht, zum Beispiel im Ligapokal. Da hätten wir ruhig ein, zweimal weniger zu treffen brauchen."

Adam Jabiri, der Torjäger der Nullfünfer, sah es nach dem Spiel so: "Havelse ist nicht aufgestiegen, weil es zweimal besser Fußball gespielt hat. Havelse hat sich einfach nur nach den Regeln der Relegation durchgesetzt."Und Trainer Tobias Strobl konstatierte: "Die Havelser haben das verdient. Sie haben über 180 Minuten kein Tor zugelassen."

"Eine Leere in mir"

Alles in allem kam Schaupp am Tag danach zu dem Schluss: "Der liebe Herrgott war eben kein Schnüdel-Fan." Er sprach von einer "Leere in mir" und einer "trostlosen Heimfahrt".

Am Sonntag blickte der Bergrheinfelder schon wieder voraus auf die nächste Saison. In der es leider wieder gegen Schalding-Heining, Buchbach und Pipinsried geht.

In der Saison 2021/22 darf der bayerische Regionalliga-Meister direkt aufsteigen; Relegationsspiele muss er nicht über sich ergehen lassen. "Ich glaube dran, dass wir es nächstes Jahr schaffen werden", ist sich Schaupp sicher. Aber nur, wenn sich seine Schweinfurter keine längeren Schwächephasen wie in den jüngsten Spielzeitenleisten würde, fügt er hinzu.

Und wer weiß: Vielleicht singt "Freddy" Schaupp in einem Jahr ausgelassen "We are the Champions". Und fühlt sich angesichts des Drittliga-Aufstiegs ganz und gar nicht wie ein "Loser".