Am Donnerstag wurde geliefert. Endlich. Regen nämlich. "Je mehr es regnet, desto weniger Wasser müssen wir zukaufen", weiß Theresa Schießer. Dabei denkt die stellvertretende Vorsitzende des RFV Sulzthal nicht allein an den Wassergraben, der zu den spektakulärsten Hindernissen auf der Steige gehört und zuletzt komplett ausgedunstet war. Auch der Reitplatz und natürlich die vierbeinigen Protagonisten sind auf kühles Nass auf Sulzthals Höhen angewiesen, denn auf dem Naturgelände gibt es eben weder Strom noch fließend Wasser. Und all das wird am Samstag und Sonntag vonnöten sein, wenn der Reit- und Fahrverein die Fränkischen Meisterschaften der Vielseitigkeit ausrichtet. Am Samstag stehen ab 7.30 Uhr verschiedene Dressurprüfungen und ab 12.30 Uhr Geländeritte der Klassen A und L auf dem Programm, am Sonntag das Springen als dritte Teildisziplin der Vielseitigkeit. Gemeldet sind 320 Starts, 220 Pferde und 120 Reiterinnen und Reiter, zumeist aus Bayern, Hessen und Thüringen.

Darunter finden sich auch einige prominente Reiter. Allen voran Andreas Ostholt (Warendorf), der im Jahr 2015 auf Platz 12 der Weltrangliste gelistet und mehrmals Deutscher Meister dieser Sportart war. Den Kontakt hatte Bernd Petruschke hergestellt, der beim RFV Sulzthal als Parcours-Chef fungiert. Der diplomierte Pferdewirtschaftsmeister kommt mit drei Pferden auf die Steige. Auf der Gästeliste steht auch Jörn Warner, der mit selbst ausgebildeten Pferden bereits im Bundeskader stand und Inhaber des Goldenen Reitabzeichen ist.

Qualität steckt freilich auch im Team des RFV Sulzthal, das vor allem in der Teamwertung wieder einen Podestplatz anstrebt, vielleicht sogar zwei Mannschaften aufbieten wird. Im Vorjahr hatte das Mixed-Team "Sulzthal-Sonnefeld" in der Besetzung Stephanie Hümmer-Frank, Eva Wagner, Kaid Kojah, Emil Menig, Sophia Frank und Emely Behr den Titel geholt. Die "Mannschaft RFV Sulzthal" um Anouk Wächter, Laura Schaupp, Dirk Ehrlich, Ronja Schmittfull und Kristina Ehrlich gewann Bronze.

"Dass dieses Jahr endlich wieder Zuschauer frei von Corona-Auflagen kommen dürfen, freut uns wahnsinnig", sagt Theresa Schießer. Möglichst viel Publikum soll sich schließlich davon überzeugen, was der RFV Sulzthal - nach erfolgreicher Bewerbung - im Rahmen des 2017 begonnenen Leader-Projektes auf die Beine gestellt und vor Ort umgesetzt hat. Mit diesem Programm unterstützt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die ländlichen Regionen auch finanziell. So wurde der 50 auf 70 Meter große Reitplatz mit erheblichen Erdbewegungen neu gebaut, auf dem künftig sowohl die Dressur wie auch das Springen stattfinden können. "Das war unumgänglich. Vor allem die vielen Wurzeln waren eine Gefahr für Pferd und Reiter", weiß Theresa Schießer.

Hand angelegt wurde mit viel Eigenleistung auch an der Geräte- und Bewirtungshalle sowie auf der Geländestrecke und beim Bau von Zisternen, die vor dem Turnier befüllt werden. Seine Premiere erlebt zudem ein vom RFV-Vorsitzenden Franz Menig erschaffener Sprung über ein Hindernis in Form eines Siebenecks, das zwölf verschiedene Möglichkeiten für einen Sprung bietet.