Bad Kissingen
Fußball

Die Schiedsrichter: Viel Last und noch mehr Lust

Für seine Passion opfert Alexander Arnold jede Menge Freizeit. Dennoch steht der 31-Jährige Obmann zu seinem Hobby - und hat trotz Aufwand immer noch Spaß am Funktionärsamt.
Ein besonderes Spiel: Unser Bild zeigt Alexander Arnold zusammen mit Hauptschiedsrichter Thomas Stein (Bildmitte) und Kay Urbanczyk vor dem Pokalspiel des TSV Aubstadt gegen den TSV 1860 München. Foto: Fabian Frühwirth/BFV
Ein besonderes Spiel: Unser Bild zeigt Alexander Arnold zusammen mit Hauptschiedsrichter Thomas Stein (Bildmitte) und Kay Urbanczyk vor dem Pokalspiel des TSV Aubstadt gegen den TSV 1860 München. Foto: Fabian Frühwirth/BFV
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Allen können es Schiedsrichter wohl nie recht machen, weil sich eine Partei immer benachteiligt sieht. Es ist das Los der Unparteiischen, die dennoch oft jahrzehntelang ihrem Hobby treu bleiben - aus purer Lust und Überzeugung. Dieser Meinung schließt sich ohne Einschränkung mit Alexander Arnold auch der Gruppenobmann der Schiedsrichtergruppe Bad Kissingen an. Der 31-Jährige, der beruflich Bauleiter ist, beschäftigt sich in seiner Freizeit fast ausschließlich mit dem Pfeifen, aber auch mit der Organisation des Spielbetriebes. In einem Interview erklärt der verheiratete Vater von drei Töchtern seine Beweggründe für die Schiedsrichterei und schildert eine für ihn ganz "gewöhnliche" Woche.

Wie sieht eine normale "Schiedsrichter-Woche" bei Ihnen aus?

Alexander Arnold: Die Woche beginnt mit der Planung für das anstehende Wochenende, also mit der Einteilung der Schiedsrichter. Ich übernehme das für die Kreisliga Rhön und die beiden Kreisklassen, wobei ich mich mit meinem Vater Ludwig Weisenseel (Einteiler der A- und B-Klassen) und Christoph Föller (Einteiler für die Juniorenspiele) abspreche. Zur Vorbereitung gehört auch, dass ich mich körperlich fit halte. Ich selbst pfeife aktuell in der Landesliga, da kannst du nicht über den Platz schleichen. Außerdem bereite ich mich gezielt auf das anstehende Match vor und informiere mich über die Mannschaften. Ich schätze den Zeitaufwand zwischen Montag und Freitag auf locker zwölf Stunden.

Es gibt aber sicher noch weitere organisatorische Sachen abzuwickeln...

Stimmt. Da ich Gruppenobmann bin, gilt es auch die monatlichen Lehrabende oder Veranstaltungen wie Sommerfest oder Weihnachtsfeier vorzubereiten. Ich muss ein Programm zusammenstellen, mich mit Regeländerungen oder Problemen, die seit dem letzten Lehrabend aufgetreten sind, beschäftigen.

Und dann erst steht das Wochenende an. Wie verläuft ein solches?

Das Wochenende kann beispielsweise mit einem Lehrabend am Freitagabend in Thulba oder Stralsbach beginnen, der etwa zweieinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Am Samstag steht dann vielleicht die Assistenz in der Regionalliga an. Das heißt, ich treffe mich mit Schiedsrichter Steffen Ehwald, zu dessen Gespann ich aktuell gehöre, und dem anderen Assistenten in Geldersheim. Fahren wir zum Beispiel nach Burghausen mit Spielbeginn 14 Uhr, treffen wir uns um 8 Uhr, weil wir aufgrund der weiten Fahrt immer einen Zeitpuffer wegen möglicher Staus einplanen. Wir planen die Fahrt generell so, dass wir zwei Stunden vor Spielbeginn vor Ort sind.

Und dann?

Vor dem Anpfiff gibt es eine Besprechung mit dem örtlichen Sicherheitsbeauftragten und eine Platzbesichtigung. Danach wird noch schnell etwas gegessen, ehe der Spielberichtsbogen ausgefüllt und von uns kontrolliert wird. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn laufen wir uns dann warm.

Wie geht es nach Spielende weiter?

Nach Spielende wird der Spielberichtsbogen ausgefüllt und ins Internet gestellt. Dann folgt die Besprechung mit dem Beobachter, was normalerweise eine halbe Stunde dauert. Nach dem Duschen nimmt man im Sportheim noch ein Essen zu sich. Die Abfahrt erfolgt an solchen Tagen gegen 18 Uhr, nach Hause kommt man gegen 22 Uhr. Insbesondere bei Freitagsspielen kann es aber auch später werden. Wir waren einmal freitags in Memmingen, da war ich erst weit nach Mitternacht daheim.

Eine Dauerklage der Einteiler ist, dass immer wieder kurzfristige Absagen der eingeteilten Kollegen erfolgen.

Das kommt jedes Wochenende vor. Du bekommst einen Anruf während der Fahrt, wirfst sofort dein Tablet an, in dem die Spiele gelistet sind und nimmst Kontakt mit einem "freien" Schiedsrichter auf. Das kann natürlich dauern und ist immer mit Stress verbunden.

Wie sieht denn dieses Wochenende aus?

Am Freitagabend hatten wir eine Veranstaltung der Gruppe in Premich, am Samstag und Sonntag findet in Schweinfurt eine Funktionärstagung statt. Auf dem Platz bin ich an diesem Wochenende mal nicht präsent.

Dieser Zeitaufwand belastet sicher auch die Familie?

Ich pfeife seit 2006. Ich habe meine Frau 2009 kennengelernt, da wusste sie schon, was auf sie zukommt. Sie unterstützt mich bei meinem Hobby sehr, hilft bei der Organisation von Veranstaltungen mit und hält mir insgesamt und dankenswerter Weise den Rücken frei. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich, mein zeitaufwändiges Hobby wahrzunehmen.